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Weizen als Ursprung aller Krankheiten

Die Ähre alles Übels?

Die Ähre alles Übels?

Ein Amerikanischer Herzspezialist macht in seinem Buch „Weizenwampe“ den Weizen zur Ursache für eine Vielzahl von Erkrankungen. Macht Weizen dick und krank?

Frage:Macht Weizen dick und krank?
Antwort:unklar
Erklärung:Es gibt in den aktuellen Studien keinen Beweis dafür, dass Weizen in einem speziellen Zusammenhang mit Übergewicht und dessen Folgen steht. Dem Weizen eine Sonderrolle zuzuschreiben erscheint unplausibel.

Wenn komplexe Probleme auf eine einzige Ursache geschoben werden, handelt es sich nicht selten um eine Verkaufsmasche. Ein einzelner „Bösewicht“ ist quasi das Gegenstück zum Allheilmittel – beides liefert einfache Lösungen und hat somit gute Chancen, in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Davon hat auch William Davis, Autor des Buches „Weizenwampe“, profitiert. Sein „Bösewicht“ ist der Weizen. Das Getreide sei Schuld an Übergewicht und vielen Folgeerkrankungen. Der Buchautor greift dafür tief in die Trickkiste, zum Beispiel setzt er Weizen mit Gluten gleich – so kann er alle Wirkungen, die je Gluten zugeschrieben wurden dem Weizen direkt in die Schuhe schieben.

Gluten – ultimativer Bösewicht?

Gluten ist ein Gemisch aus verschiedenen Eiweißen, das nicht ausschließlich in Weizen, sondern in verschiedenen Getreidesorten vorkommt. Weizen enthält aber tatsächlich viel Gluten und ist somit für Personen mit Glutenunverträglichkeit bzw. Zöliakie problematisch, aber das gilt auch für Roggen und in etwas geringerem Ausmaß für Gerste und Hafer. Für die meisten Menschen ist Gluten in normalem Ausmaß noch keine Belastung.

Nur in der Theorie

In seinem Buch hat William Davis Platz für sehr viele Behauptungen. Er schildert zahlreiche Mechanismen, wie Weizen sich negativ auf die Gesundheit auswirken könnte: So löst Weizen unter anderem angeblich Entzündungsreaktionen aus, verstärkt den Appetit, beeinflusst die Stimmung und enthält zahlreiche Allergene. Aber selbst wenn alle diese Mechanismen korrekt beschrieben wären, heißt das noch nicht zwangsläufig, dass Weizen krank macht – das Wechselspiel aller Mechanismen ist nicht bekannt. Nur große Studien könnten den direkten Einfluss beweisen, in dem viele Menschen in ihrem Weizenkonsum gemessen und mit anderen verglichen werden. Solche Studien gibt es nicht.

Aber das ist nicht das ganze Problem mit der Behauptung „Weizen macht dick und krank“. Davis ist in seiner Schilderung und seinen Argumenten sehr plakativ, aber nicht immer korrekt. Er lässt wichtige Informationen weg und interpretiert manche Studienergebnisse zu sehr im Sinne seiner Theorie. Beispielsweise meint Davis, dass ein Inhaltsstoff im Weizen – das Weizenkeim-Agglutinin – besonders gesundheitsschädlich wäre. In großen Mengen als Reinsubstanz hat jedoch vieles negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Kritik an „Weizenwampe“

In normalen Mengen als natürlicher Inhaltsstoff in Gebäck, Nudeln und Co spricht die Studienlage aber eher gegen eine solche Wirkung. Eine ausführliche Kritik all seiner Standpunkte und die dazugehörige Evidenz können wir hier nicht leisten, aber zum Glück hat sich daran schon mal jemand versucht: Eine umfassende Kritik zu dem Buch „Weizenwampe“ findet sich hier [1].

Die ganz normale Wampe

Richtig ist, dass hochwertige Kohlenhydrate tatsächlich viel Energie zur Verfügung stellen. Wer nicht viel Energie verbraucht, sollte also auch nicht zu viel davon aufnehmen. Aber dies gilt nicht für Kohlenhydrate, sondern generell für Lebensmittel. Wenn wir zu viel essen und uns zu wenig bewegen, werden wir übergewichtig.
Den Nutzen, den der Buchautor in einer weizenfreien Diät sieht, entsteht mit höherer Wahrscheinlichkeit durch die Kalorienreduktion. Der Abbau von Übergewicht führt also zu gesundheitlichen Verbesserungen, nicht das Weglassen von Weizen.

[Aktualisierte Version, ursprünglich veröffentlicht: 10.10.2013. Keine inhaltlichen Änderungen]

(AutorIn: J.Wipplinger, Review: B.Kerschner, G.Gartlehner, A.Kliem)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Jones (2012)
Kritik an dem Buch „Weizenwampe“ mit ausführlicher Literaturangabe (in Englisch. J. Jones. St. Catherine University, St. Paul, MN, U.S.A. Cereal Foods World 57(4):177-189. Volltext