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Stärkt Vitamin D das Immunsystem?

Vitamin D: Sonne oder Tropfen ist die Frage

Stärkt Vitamin D das Immunsystem?

Vitamin-D-Präparate gelten als Quasi-Wundermittel für ein starkes Immunsystem. Vor Infektionskrankheiten dürfte ihre Einnahme allerdings nicht schützen.


Frage:Stärken Präparate mit Vitamin D das Immunsystem im Kampf gegend Erkältungen?
Antwort:möglicherweise Nein
Erklärung:Die vorbeugende Einnahme von Präparaten mit Vitamin D dürfte die Wahrscheinlichkeit für Atemwegsinfekte und andere typische Winter-Infektionen nicht verringern, die Erkrankungsdauer nicht verkürzen oder die Symptome erleichtern.

Trübe Tage und nasskaltes Wetter sind ideale Voraussetzungen für Husten, Schnupfen, Fieber und Halsweh. Für manche Expertinnen und Wissenschaftler scheint auf der Hand zu liegen, warum Erkältungen und Grippe in der sonnenarmen Jahreszeit gehäuft auftreten: Die Ursache soll ein Mangel an Vitamin D sein. Der Körper kann dieses Vitamin selbst herstellen – dafür muss die Haut Sonnenlicht ausgesetzt werden, was in der kalten Jahreszeit naturgemäß seltener passiert.

Seit einigen Jahren wird Vitamin D als wahres Wundervitamin gepriesen. Es soll das Immunsystem stärken und Erkältungen oder anderen Infektionskrankheiten vorbeugen. Und wo die Sonnenbestrahlung nicht ausreicht, so die These, solle mit Vitamin-D-Präparaten nachgeholfen werden.

Wir haben uns angesehen, welche neuen Erkenntnisse es zu dieser Frage gibt: Stärkt das Einnehmen von Mitteln, die Vitamin D enthalten, tatsächlich das Immunsystem? Senken Vitamin-D-Präparate das Risiko, sich Erkältungen und anderen Infektionskrankheiten einzufangen?

Immunsystem und Vitamin D: Erkältungen nicht seltener

Trotz tausender Arbeiten zu Vitamin D ist die Zahl gut gemachter Studien, die sich mit der Vorbeugung von Atemwegsinfektionen durch Vitamin-D-Präparate beschäftigen, nach wie vor überschaubar. Bei einer umfangreichen Suche nach aussagekräftigen Studien fanden die Autorinnen und Autoren einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016 nur 15 Arbeiten von ausreichender Qualität [1]. Die Zusammenfassung der Ergebnisse ist enttäuschend für alle, die auf die fetten D-Tröpfchen schwören: Vitamin D dürfte demnach keine vorbeugende Wirkung gegen die typischen Herbst-Winter-Erkrankungen haben und das Immunsystem nicht vor Infektionen wappnen. Außerdem dürfte es weder die Erkrankungssymptome mildern noch die Dauer einer Erkrankung verkürzen.

Das könnte laut dieser Arbeit sogar für Personen mit einem niedrigen Blutspiegel von Vitamin D gelten; für eine endgültige Aussage ist hier aber noch mehr Forschung nötig.

Immerhin traten Nebenwirkungen, die in den ausgewerteten Studien befürchtet wurden, nur selten auf: Wird Vitamin D zusammen mit Kalzium eingenommen – eine häufige Behandlungsform in höherem Alter, um Knochenschwund vorzubeugen –, kann es vermehrt zu einer leichten Form der Störung im Kalziumhaushalt kommen, einer sogenannten Hyperkalzämie. Nicht beobachtet wurden in diesen Studien Nierensteine oder eine Erhöhung des Phosphatspiegels im Blut [1].

Kleine Kinder nicht gesünder

Eine weitere gut gemachte Zusammenfassung beschäftigte sich speziell mit Infektionskrankheiten bei kleinen Kindern [2]. Auch hier scheint Vitamin D keinen Wundereffekt auf das Immunsystem zu haben: Kinder unter fünf Jahren bekamen demnach nicht seltener eine Lungenentzündung oder Durchfall als ohne extra Vitamin-D-Präparate.

Zu Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Malaria fanden die Wissenschaftler keine Arbeiten.

Vitamin D: ein Wundermittel?

Über Vitamin D wird nicht nur behauptet, dass es das Immunsystem stärkt und damit vor Krankheiten schützt. Eine gute Versorgung mit dem „Sonnenvitamin“ wird als eine Art Rundumschutz gehandelt. So soll Vitamin D angeblich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Demenz und Alzheimer vorbeugen helfen, gegen Allergien wirken, Autoimmunerkrankungen verhindern und vieles mehr [4] [7, 8].

Woher kommt dieser sagenhafte Ruf?
Die hohen Erwartungen entstanden einerseits durch die Entdeckung, dass die meisten Körperzellen Andockstellen für Vitamin D haben. Andererseits wurden sie genährt durch eine häufig gemachte Beobachtung [4]: Forscherinnen und Forscher fanden in den letzten Jahren heraus, dass bei Menschen mit hohen Vitamin-D-Werten im Blut unterschiedlichste Krankheiten, Störungen oder Beschwerden seltener auftreten als in Bevölkerungsgruppen mit niedrigen Vitamin-D-Blutwerten.

Beobachtungen sind Hinweise, nicht Beweise

Nur ein Beispiel von vielen: Ein Forschungsteam in den USA nahm sich die Daten einer großen amerikanischen Ernährungsstudie vor [5]. Es teilte die darin Untersuchten in vier Gruppen ein, je nach Höhe ihrer Vitamin-D-Blutwerte. In der Gruppe mit den niedrigsten Werten hatten die Menschen mehr Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel hohen Blutdruck, Diabetes oder Übergewicht, als die Leute in den anderen drei Gruppen mit höheren und höchsten Vitamin-D-Werten.

Aber nur weil im Frühling Störche über einem Dorf kreisen, in dem es gerade mehr neue Babys gibt, bedeutet das noch lange nicht, dass die Störche die Babys bringen. Das heißt, wenn zwei Dinge gleichzeitig beobachtet werden, muss nicht zwangsläufig das eine das andere hervorrufen. So müssen im oben genannten Beispiel Symptome für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht unbedingt durch einen gleichzeitigen Vitamin-D-Mangel entstanden sein. Der Zusammenhang könnte zufällig sein – oder etwas ganz anderes bedeuten.

Denkbar wäre etwa, dass das höhere Herz-Kreislauf-Risiko daher kommt, dass diese Leute zu wenig Bewegung im Freien machen. Ihr niedriger Vitamin-D-Spiegel wäre dann zwar ein Hinweis darauf, dass sie wenig an der Sonne sind – Vitamin D wird ja durch Sonnenstrahlen in der Haut gebildet. In Wahrheit aber könnte der Bewegungsmangel die Hauptursache für das erhöhte Erkrankungsrisiko sein.

Ebenfalls als Erklärung vorgeschlagen wird, dass Sonnenlicht möglicherweise noch ganz andere Prozesse im Körper anstößt, die gesund halten [15]. Ein höherer Vitamin-D-Spiegel würde dann zwar anzeigen, dass Zeit an der Sonne verbracht wurde, doch auch hier wäre die eigentliche Ursache der besseren Gesundheit nicht zwangsläufig das Vitamin D.

Vitamin D als Nahrungsergänzung: bisher enttäuschend

Ein niedriger Blutwert bedeutet außerdem nicht automatisch, dass Krankheiten verhindert oder gebessert werden, wenn der (scheinbare) Mangel mit Vitaminpräparaten behandelt wird. Das hat sich schon für viele Vitaminpräparate gezeigt, die für die Normalbevölkerung fast durchgängig nutzlos sind, in manchen Fällen sogar schädlich sein können.

Auch bisherige Studien mit extra Gaben von Vitamin D haben die hohen Erwartungen, die in diese Behandlung gesetzt wurden, bisher kaum eingelöst bzw. viele widersprüchliche Ergebnisse gebracht. Das zeigen auch mehrere andere Artikel, wie wir zu Vitamin D bereits veröffentlicht haben:
Vitamin D schützt nicht vor Krebs
Allergieauslöser Vitamin D?
Demenz: Hält Vitamin D das Gedächtnis fit?
Vitamin D in der Schwangerschaft
Vitamin D als Schmerzmittel überbewertet

Vitamin-D-Mangel: eigentlich Sonnenmangel?

Vitamine sind für den Körper essenziell, also unbedingt nötig, werden aber nicht vom Körper produziert. Sie müssen deshalb über die Nahrung zugeführt werden.

Vitamin D ist anders. Sonnenstrahlen – genauer: UVB-Strahlen – kurbeln die Produktion großer Mengen Vitamin D in der Haut an, das später unter anderem von den Nieren zu einem Hormon namens Calcitriol umgewandelt wird [7] [11]. Vitamin D ist damit eigentlich gar kein Vitamin; es ist eine Hormon-Vorstufe. Mindestens 80 bis 90 Prozent unseres Bedarfs an diesem Hormon werden mithilfe der Sonne gedeckt [11] – also praktisch alles, was der Organismus benötigt.

Vitamin D ist an einer Vielzahl von Prozessen im Körper beteiligt. So ist es wichtig für die Muskeln und das Immunsystem und unerlässlich für gesunde Knochen [7, 8]. Dauerhafter Sonnenmangel kann zu einer verringerten Knochendichte führen und bei Kindern eine Knochenerweichung verursachen: die einst gefürchtete Rachitis. Zur Vorbeugung dieser Mangelerscheinung bekamen Kinder früher oft den verhassten Lebertran. Die ölige Flüssigkeit, die aus Fischleber hergestellt wird, enthält hohe Mengen des Vitamins und half damals tatsächlich, Rachitis vorzubeugen und zu bessern.

Vitamin-D-Mangel: falsches Schreckgespenst?

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut ist also in den meisten Fällen ein Zeichen dafür, dass die Betroffenen in letzter Zeit wenig Sonnenlicht abbekommen haben (Ausnahme sind Personen, die an einer Krankheit oder Störung leiden oder Medikamente einnehmen, die in diesen natürlichen Prozess eingreifen).

Ab welchem Blutspiegel Menschen als „ausreichend“ mit Vitamin D versorgt gelten, ist aber alles andere als gesichert – und wird bis heute mit sehr viel Leidenschaft diskutiert [9]. Die Angaben unterscheiden sich je nach Fachgesellschaft beträchtlich. Das amerikanische Institute of Medicine (IOM) sichtete mehr als 1000 Studien zu dem Thema und sieht eine ausreichende Versorgung bei einem Wert ab 20 ng/ml (50 nmol/l) Vitamin D im Blut [6].

Wie hoch dieser Grenzwert angesetzt wird, ist keine Nebensächlichkeit: Denn sind sie zu hoch, wird auch die Zahl der Menschen, die angeblich unter einem Mangel leiden, zu hoch eingeschätzt. Davor warnt auch das IOM: Unter anderem kann das zu Übertherapien mit hohen Vitamin-D-Dosierungen führen, von denen noch nicht klar sei, ob sie gesundheitsförderlich oder vielleicht sogar problematisch sind [6].

Aber nicht nur die Uneinigkeit über die richtigen Grenzwerte macht es so schwierig, Vitamin-D-Empfehlungen zu formulieren. Ein Hauptproblem ist die „unberechenbare“ Sonne: Denn die UVB-Einstrahlung unterscheidet sich je nach Tageszeit, nach Jahreszeit, nach dem Breitengrad, der Wetterlage, selbst nach der aktuellen Größe des Ozonlochs. Und das sind nur die äußeren Faktoren. Hinzu kommen große Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen. Denn viele Merkmale spielen eine Rolle dabei, wie viel Vitamin D wir aus dem Sonnenlicht gewinnen können. So spielt das Alter, die Hautfarbe, der aktuelle Vitamin-D-Status oder das Verhalten im Freien eine Rolle dabei, wie viel Sonne in Vitamin D umgewandelt wird [4] [7].

Vitamin-D-Bluttests meistens unnötig

Die große Angst vor dem Vitamin-D-Mangel, die in den letzten Jahren verbreitet wurde, dürfte nach derzeitigen Erkenntnissen allerdings überzogen sein. Denn für eine gute Versorgung braucht es nicht ausgedehnte Sonnenbäder [11]: Jede Sonnenminute zählt. Egal ob beim gemütlichen Kaffeetrinken im sonnigen Gastgarten oder beim Weg zum Einkauf die sonnenbeschienene Straße entlang, ob beim Sonntagsspaziergang, bei der Gartenarbeit, beim Warten an der Bushaltestelle oder bei Spiel und Sport im Freien – wenn Sonnenstrahlen auf die Haut treffen, kurbeln sie sehr rasch die Hormonproduktion im Körper an.

Und was im Frühling, Sommer und Herbst an Sonnenminuten – also Vitamin D – getankt wird, versorgt den Körper auch im Winter, wenn keine Sonne scheint: Denn das selbst produzierte Vitamin wird über mehrere Monate im Körper gespeichert [6] [10, 11, 12]. Ein Bluttest, der den Vitamin-D-Status erhebt, wird von Fachgesellschaften deshalb nur für ältere oder chronisch kranke Menschen empfohlen, sowie für jene, die sich kaum im Freien aufhalten, nicht jedoch für schwangere Frauen oder die Allgemeinbevölkerung [9, 10].

Vom richtigen Umgang mit Sonne und Vitamin D

Viele Fragen in Zusammenhang mit Vitamin D sind noch offen. Demnächst könnte es zu einigen davon mehr Klarheit geben: sobald die Ergebnisse von zwei großen, aufwändig gemachten Studien vorliegen, die gerade laufen und die klären wollen, ob Vitamin-D-Präparate Krankheiten vorbeugen helfen oder die Sterblichkeit senken [13, 14].

Bis die Forschung eindeutige Angaben machen kann, hat sich das deutsche Bundesinstitut für Strahlenschutz mit anderen Fachgesellschaften auf folgende Angaben für einen sicheren und gleichzeitig Vitamin-D-fördernden Umgang mit der Sonne geeinigt [12]:

  • Sich zwei bis drei Mal pro Woche kurz in der Sonne aufzuhalten reicht in Mitteleuropa für eine optimale Versorgung.
  • Dabei werden Gesicht, Hände und Arme ungeschützt der Sonne ausgesetzt. Als Faustregel gilt: die Hälfte der Zeit, bis sich die Haut ohne Sonnencreme zu röten begänne. Bei hellhäutigen Menschen sind das nicht mehr als ein paar Minuten; wer Sonne gut verträgt, kann sich je nach Jahreszeit auch länger Zeit lassen.
  • Es soll keinesfalls zu einer Rötung oder gar Sonnenbrand kommen: Wer über diese kurze Zeit hinaus in der Sonne bleiben möchte, braucht Sonnenschutz.
  • Kleinkinder, Kinder und Jugendliche sind vor zu viel Sonne zu schützen.
  • Babys sollen gar nicht in die direkte Sonne [12].

Ergänzend zur Bewegung im Freien enthalten auch einige Lebensmittel Vitamin D, vor allem fette Fische wie Lachs und Makrele, aber auch Eier (Eigelb), Butter oder Zuchtpilze, die mit UVB-Licht bestrahlt werden, wie Champignons oder Shiitake [10].

[Die erste Fassung dieses Artikels erschien am 31.10.2013. Die letzten Jahre brachten einige neue Studien, weshalb wir den Artikel überarbeitet haben. Unsere Einschätzung ist gleich geblieben.]

 

Die Studien im Detail

2016 fasste eine gut gemachte systematische Übersichtsarbeit 15 Studien mit mehr als 7000 gesunden Kindern und Erwachsenen zusammen. Darin war untersucht worden, ob Vitamin-D-Präparate zu weniger Atemwegserkrankungen führen [1]. Unter anderem interessierte die Autorinnen und Autoren, ob es einen Unterschied macht, wenn Menschen mit niedrigen oder mit normalen Vitamin-D-Blutwerten die Vitaminpräparate einnehmen. Auch forschten sie nach Unterschieden je nach Einnahmeform: täglich/wöchentlich oder monatlich bis vierteljährlich.

In der Gesamtauswertung und in den Teilauswertungen fanden die Autorinnen und Autoren keinen Effekt von Vitamin D auf die Erkrankungshäufigkeit. Zwar hätten ein paar Studien einen möglichen Trend in die Richtung gezeigt, dass Vitamin D vor Infektionen schützen könnte: Von 1000 Personen waren 604 von denen krank geworden, die kein Vitamin D bekommen hatten, und 568 Personen – um 36 weniger – von jenen, die Vitamin D genommen hatten. Allerdings waren die Studien sehr unterschiedlich. Dieses Ergebnis könne deshalb auch ein Zufallsergebnis sein.

In der Gruppe von Personen, deren Erkrankung im Labor nachgewiesen wurde – was verlässlicher ist als nur selbst berichtete Symptome –, ließ sich aus den Daten kein relevanter Effekt von Vitamin D ableiten. Ebenso wenig schien Vitamin D die Länge der Krankheit oder die Symptome zu beeinflussen. Ob täglich oder alle paar Monate Vitamin D genommen wird, machte ebenfalls keinen Unterschied.

Die Autoren merken außerdem kritisch an, dass vermutlich einige Vitamin-D-Studien nicht veröffentlicht wurden, weil sie nicht den gewünschten Effekt gezeigt hatten („publication bias“). Das hieße, wichtige Daten für ein Gesamtbild fehlen.

Kleine Kinder profitieren nicht von Vitamin D

Eine systematische Übersichtsarbeit der unabhängigen Cochrane-Vereinigung ging 2014 der Frage nach, ob Vitamin-D-Gaben das Risiko für Lungenentzündung, Tuberkulose, Durchfall oder Malaria bei kleinen Kindern senken kann [2]. Es wurden nur vier Arbeiten mit insgesamt fast 3200 Kindern unter fünf Jahren gefunden. Der Großteil der Daten stammt aus einer Studie mit mehr als 3000 Kindern aus Afghanistan.

Demnach schienen Mittel, die Vitamin D enthalten, die Kleinen nicht vor Todesfällen oder Durchfall zu schützen. Wahrscheinlich können sie eine Lungenentzündung nicht verhindern. Zu Malaria und Tuberkulose fanden die Cochrane-Leute keine Studien.

Fragwürdige Ergebnisse einer weiteren Übersichtsarbeit

2017 wurde eine systematische Zusammenfassung von 25 Studien mit insgesamt etwa 11.000 Beobachteten veröffentlicht [3], die Vitamin D eine schützende Wirkung vor Infektionskrankheiten attestiert.

Die Arbeit hat jedoch mehrere Schwächen. Unter anderem wurden mehrere Studien darin aufgenommen, die in anderen Übersichtsarbeiten (wie [1]) wegen Qualitätsmängeln nicht berücksichtigt wurden. Das verzerrt das Ergebnis. Außerdem wurden sehr unterschiedliche Gruppen von Menschen – von Kleinkindern bis Hochbetagten in Heimen, von Gesunden bis schwer Kranken (u.a. COPD oder Asthma) – ohne Unterschied ausgewertet. Vorerkrankungen oder Medikamente, die dagegen genommen werden, können die Ergebnisse aber stark beeinflussen.

Insgesamt sind die Ergebnisse dieser Arbeit deshalb nicht vertrauenswürdig.

(AutorInnen: V. Ahne , Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Gysin u.a. (2016)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 15 randomisiert kontrollierte Studien
Teilnehmende insgesamt: 7002 Kinder und Erwachsene (Durchschnittsalter 19 Jahre)
Fragestellung:Kann die vorbeugende Einnahme von Vitamin D3 in der ansonsten gesunden Allgemeinbevölkerung das Risiko für Atemwegsinfektionen senken?
Interessenskonflikte: keine laut AutorInnen

Effect of Vitamin D3 Supplementation on Respiratory Tract Infections in Healthy Individuals: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. PLoS One. 2016 Sep 15;11(9) (Volltext der Studie)

[2] Yakoob u.a. (2016)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: randomisiert kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 3198 Kinder bis 5 Jahre, vorwiegend aus Afghanistan
Fragestellung: Senkt die vorbeugende Einnahme von Vitamin-D-Präparaten bei kleinen Kindern bis fünf Jahren das Risiko für Infektionskrankheiten (Durchfall, Lungenentzündung, Tuberkulose, Malaria)?
Interessenskonflikte: keine laut AutorInnen

Vitamin D supplementation for preventing infections in children under five years of age. Cochrane Database Syst Rev 11: CD008824 (Volltext der Studie)

[3] Martineau u.a. (2017)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse der Einzelfälle
Eingeschlossene Studien: 25 randomisiert kontrollierte Studien
Teilnehmende insgesamt: 11.321 Personen zwischen 0 und 95 Jahren; 10.933 in der Meta-Analyse berücksichtigt
Fragestellung: Kann die vorbeugende Einnahme von Vitamin-D-Präparaten die Häufigkeit von akuten Atemwegserkrankungen vermindern?
Interessenskonflikte: keine laut AutorInnen

Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ 2017;356 (Volltext der Studie)

Weitere wissenschaftliche Studien

[4] Bjelakovic u.a. (2014)
Vitamin D supplementation for prevention of mortality in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014 (Volltext der Studie)

[5] Martins u.a. (2007)
Prevalence of Cardiovascular Risk Factors and the Serum Levels of 25-Hydroxyvitamin D in the United States – Data From the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Arch Intern Med. 2007;167(11):1159-1165 (Volltext der Studie)

[6] Institute of Medicine IOM (2011)
Ross u.a.: Institute of Medicine (US) Committee to Review Dietary Reference Intakes for Vitamin D and Calcium. Washington (DC): National Academies Press (US); 2011 (Zugang zum Volltext des Buches)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[7] UpToDate (2016)
Pazirandeh u.a.: Overview of vitamin D. Abgerufen am 14.3.2017 unter http://www.uptodate.com/contents/overview-of-vitamin-d

[8] UpToDate (2017)
Bouillon u.a.: Vitamin D and extraskeletal health. Abgerufen am 11.5.2017 unter http://www.uptodate.com/contents/vitamin-d-and-extraskeletal-health

[9] UpToDate (2017)
Dawson-Hughes u.a.: Vitamin D deficiency in adults: Definition, clinical
manifestations, and treatment. Abgerufen am 13.3.2017 unter https://www.uptodate.com/contents/vitamin-d-deficiency-in-adult

[10] Bundesinstitut für Risikobewertung BfR (2014)
Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D. Aktualisierte Gemeinsame FAQ des BfR, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) und des Max Rubner-Instituts (MRI) vom 03. Dezember 2014. Abgerufen am 14.3.2017 unter http://www.bfr.bund.de/de/ausgewaehlte_fragen_und_antworten_zu_vitamin_d-131898.html#topic_192281

[11] Ehlers (2017)
Vitamin D aus Sicht der Risikobewertung. BfR-Forum auf der Grünen Woche – Nahrungsergänzungsmittel (26.01.2017). Vortrag. Abgerufen am 9.3.2017 unter http://www.bfr.bund.de/cm/343/vitamin-d-aus-sicht-der-risikobewertung.pdf

[12] Bundesinstitut für Strahlenschutz BfS (2016)
Konsentierte Empfehlung zu UV-Strahlung und Vitamin D. Abgerufen am 13.3.2017 unter http://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/empfehlung.html

[13] Clinical Trials
Vitamin D and Omega-3 Trial (VITAL) https://clinicaltrials.gov/show/NCT01169259
Teilnehmende: 25.000 Männer (ab 50 Jahre) und Frauen (ab 55 Jahre) ohne Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den USA
Intervention: Vitamin D3 2000 I.E. pro Tag mit oder ohne Fischöl vs. Placebo
Geplante Laufzeit: 5 Jahre (bis Ende 2017)
Endpunkte: Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen

[14] Australian New Zealand Clinical Trial Registry
D-Health Trial https://www.anzctr.org.au/Trial/Registration/TrialReview.aspx?id=364534
Teilnehmende: 25.000 Männer und Frauen (60 bis 79 Jahre) ohne Krebserkrankungen in Australien
Intervention: 60.000 I.E. Vitamin D einmal monatlich vs. Placebo
Geplante Laufzeit: 15 Jahre (bis Ende 2024)
Endpunkte: Gesamtsterblichkeit, Häufigkeit alle Krebsarten, Häufigkeit Dickdarmkrebs

[15] Apalla u.a. (2017)
Zoe Apalla, 1 Dorothée Nashan,2 Richard B. Weller,3 and Xavier Castellsagué4
Skin Cancer: Epidemiology, Disease Burden, Pathophysiology, Diagnosis, and Therapeutic Approaches. Dermatol Ther (Heidelb). 2017 Jan; 7(Suppl 1): 5–19
(Zusammenfassung)