Vitamin C gilt nicht nur in der Zeitung „Österreich“ als das Mittel zur Vorbeugung und Bekämpfung von Erkältungen. Dass es sich dabei um einen Mythos handelt, wissen wenige – denn Vitamin C kann weder vor Erkältungskrankheiten bewahren, noch eignet es sich zu deren Behandlung.
| Zeitungsartikel: | Mandarinen schützen vor Weihnachtsspeck (17. 11. 2011, Österreich) | |
| Frage: | Schützt die Einnahme von Vitamin C vor Erkältungen? (Die angebliche Schutzwirkung vor Gewichtszunahme wird in diesem Bewertungsergebnis behandelt) | |
| Antwort: | Die vorbeugende Einnahme von hochdosierten Vitamin C – Präparaten verhindert das Auftreten von Erkältungen in der Normalbevölkerung nicht, kann aber die Dauer der Erkrankung leicht reduzieren. Eine Einnahme erst ab Beginn der Erkältungssymptome hat keinerlei Auswirkung. | |
| Beweislage: | ||
| Hohe wissenschaftliche Beweislage | für die Nicht-Wirksamkeit | |
Seit der Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling in den 1970er Jahren in einem Buch die angeblichen Vorzüge von hochdosierten Vitamin C – Präparaten zum Schutz vor Erkältungen anpries, gilt Vitamin C als das Anti-Erkältungs-Vitamin schlechthin. Heute findet es sich als Zusatz in zahlreichen Mittelchen und Medikamenten gegen Erkältungssymptome wie etwa fiebersenkenden Acetylsalycylsäure-Präparaten (ASS, auch bekannt unter Markennamen wie Aspirin® oder Aspro®).
Erkältungen sind keine einheitliche Erkrankung, sondern eine Gruppe von ähnlichen Krankheitsbildern, die von vielen, sehr unterschiedlichen Erregern verursacht werden können. Da es sich in der überwiegenden Mehrheit der Fälle um Viren – etwa das Rhinovirus – handelt, sind Antibiotika zur Behandlung nutzlos, da diese nur Bakterien bekämpfen können.
Laut der Zeitung „Österreich“ (Ausgabe vom 17. 11. 2011) eignen sich daher etwa Mandarinen (neben der angeblichen Eigenschaft zur Fettverbrennung, die Medizin-Transparent.at bereits kritisch hinterfragt hat) aufgrund ihres Vitamin C – Gehalts besonders zum Schutz vor Erkältungen. Dass der Anteil an Vitamin C nicht wie im Artikel erwähnt 32 Gramm, sondern Miligramm (Tausendstel Gramm) pro 100 Gramm Frucht ausmacht (das entspräche einem Drittel des Gesamtgewichts einer Mandarine), sei dabei vernachlässigt.
Außer in Zitrusfrüchten findet sich Vitamin C unter anderem auch in Tomaten oder Kartoffeln. Empfohlen wird eine tägliche Aufnahme zwischen 75 (Frauen) und 90 Miligramm (Männer) des Vitamins [2]
Kaum vorbeugender Schutz vor Erkältungen
Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration [1] fasste die Ergebnisse von mehr als 30 Studien zur Wirksamkeit von hochdosiertem Vitamin C (mehr als 200 Miligramm pro Tag) zusammen. Dabei zeigte sich, dass auch die tägliche Einnahme von hochdosiertem Vitamin C die Häufigkeit von Erkältungen in der Normalbevölkerung nicht senken konnte. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte senken.
Interessanterweise führt zur Vorsorge eingenommenes Vitamin C aber zu einer geringfügig kürzeren Krankheitsdauer, wobei der Effekt bei Kindern etwas größer zu sein scheint als bei Erwachsenen. Da eine durchschnittliche Erkältung zwischen 3 und 7 Tagen andauert, würde dies einer Verkürzung der Krankheitsdauer um weniger als einen Tag bedeuten.
Zur kurzfristigen Behandlung wirkungslos
Zur akuten Behandlung von Erkältungen – wenn die Einnahme also erst nach Einsetzen der ersten Symptome beginnt – eignen sich Vitamin C – Präparate nicht. Der Übersichtsarbeit zufolge scheinen sie weder auf die Dauer noch den Schweregrad der Erkrankung einen nachweisbaren Einfluss zu haben. Dennoch werben viele Arzneimittelhersteller mit der Wirksamkeit von zugesetztem Vitamin C.
Insgesamt hinterfragen die Verfasser der Übersichtsarbeit die Sinnhaftigkeit der Einnahme von Vitamin C – Präparaten, sowohl zur Behandlung akuter Symtpome wie auch zur Vorbeugung. Denn auch wenn die Dauer und der Schweregrad von Erkältungen durch die regelmäßige Aufnahme von Vitamin C geringfügig verringert werden kann, lässt sich die Erkrankungshäufigkeit – außer bei Sportlern – nicht senken.
Nebenwirkungen
Schwerwiegende Nebenwirkungen, etwa durch Überdosierung von Vitamin C, sind unwahrscheinlich, da das Vitamin wasserlöslich ist und über den Urin ausgeschieden wird. Dennoch kann es bei größeren Mengen zu Nebenwirkungen wie etwa Magen-Darmbeschwerden (Durchfall, Krämpfe) oder auch Übelkeit und Erbrechen kommen. Ungesichert ist ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Nierensteinen.
(für den Inhalt verantwortlich: B. Kerschner, M. Strobelberger, K. Thaler)
Information zu den wissenschaftlichen Studien
[1] Hemilä (2010)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse der Cochrane Collaboration
Anzahl der inkludierten Studien: 36 randomisiert-kontrollierte Studien
Vergleich: Wirksamkeit hochdosierter Vitamin C – Präparate (> 200mg/Tag) zur Prophylaxe oder Behandlung von akuten Erkältungen im Vergleich zu Placebo
Titel: “Vitamin C for preventing and treating the common cold”. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 3. Art. No.: CD000980. DOI: 10.1002/14651858.CD000980.pub3. (Zusammenfassung der Studie)
Weitere wissenschaftliche Quellen
[2] Committee on the Scientific Evaluation of Dietary Reference Intakes of the Food and Nutrition Board, Institute of Medicine, National Academy of Sciences. Dietary reference intakes for Vitamin C, Vitamin E, selenium, and carotenoids. Washington, DC: National Academy Press; 2000.

