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Verbessert Hopfen den Schlaf?

©iStockphoto/wdi2007

Hopfen statt Schafe zählen?

Schlaflos in Innsbruck? Laut Tiroler Tageszeitung muss das nicht sein, Hopfen und Baldrian seien hilfreiche pflanzliche Präparate bei Schlafproblemen. Das im Artikel zitierte Studienergebnis mag stimmen, aber wie sieht die Studienlage insgesamt aus?

Zeitungsartikel: (14.3.2014, Tiroler Tageszeitung)
Frage:Ist Hopfen ein gutes Schlafmittel?
Antwort:Zu Hopfen als einzigem Wirkstoff gibt es keine Studien. In Kombination mit Baldrian wurde er schon in einigen randomisiert-kontrollierten Studien getestet, die Ergebnisse sind aber widersprüchlich.
Beweislage:
Unzureichende wissenschaftliche Beweislage

Guten Morgen, gut geschlafen? Es dürfte schon jeder gelegentlich diese Frage morgens mürrisch verneint haben und daher wissen, wie sehr Schlafmangel die Lebensqualität senkt. Wer regelmäßig unter Schlafstörungen leidet, also nicht gut durchschläft, nicht einschläft oder früh aufwacht, träumt von einem nebenwirkungsfreien Hilfsmittel. Hilft Hopfen oder ist derselbe und Malz verloren?

Hopfen/Baldrian Mix

Für Hopfen allein ist die Frage nach der Studienlage schnell beantwortet: Es gibt keine klinischen Studien dazu. Getestet werden fast immer Kombinationen mit anderen Wirkstoffen, meist mit Baldrian – und auch der Zeitungsbericht spricht im Text von der Hopfen-Baldrian-Mischung. Zu dieser Kombination existiert eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2010, in der auch jene Studie enthalten ist, die im Artikel besprochen wird.

Insgesamt sind darin drei randomisiert-kontrollierte Studien enthalten, zwei davon finden auch Hinweise auf eine schlafverbessernde Wirkung. Jene Studie jedoch, die am meisten Teilnehmer hat und in mehreren Kliniken durchgeführt wurde, findet keine Belege für eine Wirksamkeit einer Baldrian-Hopfen- Mischung [1]. Die Ergebnisse sind als widersprüchlich, allerdings kommen in den Studien auch unterschiedliche Dosierungen zum Einsatz.

Ein enttäuschter Auftraggeber

Hersteller geben gelegentlich Studien in Auftrag und hoffen so auf einen wissenschaftlichen Beweis der Wirksamkeit ihrer Produkte. Nicht immer sind solche Auftragsstudien hochwertig, doch die randomisiert-kontrollierte Studie zu einem Nahrungsergänzungsmittel mit Hopfenbestandteilen ist sehr gut gemacht [2] – sie liefert aber nicht das vom Hersteller gewünschte Ergebnis. Das getestete Mittel verbessert die Schlafqualität der Studienteilnehmer nicht besser als ein Placebo. Wie auch bei anderen Untersuchungen zu Schlafmitteln, zeigt sich ein sehr starker Placeboeffekt, die Schlafprobleme verringern sich also unabhängig vom Wirkstoff während der Studie.

In einer weiteren randomisiert-kontrollierten Studie von 2013 schneidet eine Mischung aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume gleich gut ab wie das Schlafmittel Zolpidem [3]. Das ist ein vielversprechendes Ergebnis für dieses konkrete Mittel, welchen Anteil Hopfen an der Wirkung hat, ist aber nicht feststellbar.

Die Ergebnisse aus den vorhandenen randomisiert-kontrollierten Studien ergeben noch kein klares Bild. Einerseits kommen sie zu unterschiedlichen Ergebnissen und andererseits werden auch viele unterschiedliche Präparate in unterschiedlichen Dosierungen getestet.

Was bei Schlafproblemen hilft

Erwachsene schlafen durchschnittlich rund sieben Stunden, doch jeder Mensch braucht unterschiedlich viel Schlaf. Schlafprobleme sind relativ weit verbreitet, zwischen zehn und 20 Prozent der Bevölkerung leiden gelegentlich darunter [1]. Zwar gibt es eine Reihe von Tipps, was gegen Schlafstörungen helfen kann, doch die sind auf eine dünne Studienlage gebettet: Verschiedene Formen von Entspannung, leichte Bewegung vor dem zu Bett gehen, keine schweren Mahlzeiten am Abend oder auch das berühmte Glas warmer Milch [a].

Verschreibungspflichtige Medikamente sollten nur bei schweren Schlafstörungen und über einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden, da sie deutliche Nebenwirkungen auslösen können, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit beeinflussen und abhängig machen. [a]

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, P. Mahlknecht)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Salter, Brownie (2010)
Studientyp: Narrative Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 16 insgesamt, 3 randomisiert-kontrollierte Studien zu Baldrian-Hopfen-Präparaten
Fragestellung: Wie wirksam sind Baldrian und Hopfen bei Schlaflosigkeit?
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Salter S, Brownie S. Treating primary insomnia – the efficacy of valerian and
hops. Aust Fam Physician. 2010 Jun;39(6):433-7. Review.
Zusammenfassung

[2] Cornu u.a. (2010)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 101 Personen mit Schlafproblemen
Fragestellung: Verbessert ein Nahrungsergänzungsmittel mit Bestandteilen von Hopfen und Baldrian die Schlafqualität?
Interessenskonflikte: Studie wurde vom Hersteller des Mittels finanziert

Cornu C, Remontet L, Noel-Baron F, Nicolas A, Feugier-Favier N, Roy P,
Claustrat B, Saadatian-Elahi M, Kassaï B. A dietary supplement to improve the
quality of sleep: a randomized placebo controlled trial. BMC Complement Altern
Med. 2010 Jun 22;10:29.
Zusammenfassung

[3] Maroo u.a. (2013)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 91 Personen mit Schlafproblemen
Fragestellung: Wie wirkt ein Präperat aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume auf Schlafprobleme im Vergleich zu Zolpidem?
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Maroo N, Hazra A, Das T. Efficacy and safety of a polyherbal sedative-hypnotic formulation NSF-3 in primary insomnia in comparison to zolpidem: a randomized controlled trial. Indian J Pharmacol. 2013 Jan-Feb;45(1):34-9.
Zusammenfassung

Weitere wissenschaftliche Quellen

[a] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) ) über Schlafprobleme, abgerufen am 1.4.2014