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Verändert Yoga das Erbgut?

Yoga in den Bergen

Laut der Tageszeitung „Österreich“ verändert Yoga die Gene im Immunsystem. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass durch eine schlampige Übersetzung und Unkenntnis ein wichtiges Wort verloren ging.
 


 

Zeitungsartikel: Yoga als neues Allheilmittel, Österreich, 16.6.2013
Frage:Verändert Yoga das Erbgut?
Antwort:Yoga kann – wie jede andere körperliche Tätigkeit – die Aktivität von Genen beeinflussen. Aber die Gene selbst werden dadurch nicht verändert.
Beweislage:
Unzureichende wissenschaftliche Beweislage

Wenn eine Person Krafttraining macht, wachsen ihre Muskeln. Das tun sie, in dem die Genaktivität in den Muskelzellen so geändert wird, dass die Zelle mehr an bestimmten Eiweißstoffen (Proteinen) produziert. Den Bauplan für die Proteinproduktion liefern dabei die Gene, kleine Abschnitte in unserem Erbgut. Benötigt eine Zelle mehr von einem bestimmten Protein, schaltet sie Aktivität des entsprechenden Gens einfach einen Gang höher. Die Gene selbst bleiben dabei unverändert, nur ihre Aktivität schwankt; so wie in jeder Zelle die Aktivität der unterschiedlichen Gene je nach aktuellem Bedarf angepasst wird.

Die Gene in den Zellen tragen die Information für alles, was eine Zelle herstellen kann. Alle Zellen eines Lebewesens enthalten grundsätzlich die gleichen Informationen – das gesamte Erbgut. Das wird im Laufe des Lebens prinzipiell nicht verändert. Schädliche Einflüsse, wie radioaktive Strahlung oder bestimmte Chemikalien, können aber Gene schädigen und verändern (Mutation), was unter anderem zu Krebs führen kann. Je nach Aufgabe einer Zelle, werden bestimmte Teile dieser Informationen genutzt und in „Baumaterial“ übersetzt – in einer Muskelzelle sind andere Gene aktiv als in einer Leberzelle. Der Unterschied zwischen einer Leberzelle und einer Muskelzelle liegt als nicht an unterschiedlichen Genen, sondern an unterschiedlicher Genaktivität.

Yoga, Gene und Fehler

Womit wir endlich beim Yoga-Artikel wären: In der vermutlich der Meldung zu Grunde liegenden Studie [1] werden zwei Gruppen verglichen: Eine Gruppe macht Yoga, die andere einen Waldspaziergang und lauscht entspannender Musik. Anschließend werden Blutuntersuchungen gemacht. Die Studie zeigt: Kurz nach der Aktivität unterscheidet sich die Genaktivität von bestimmten weißen Blutkörperchen bei diesen zwei Gruppen. Weiße Blutkörperchen spielen zwar eine wichtige Rolle im Immunsystem, aber ob die beobachteten Veränderungen tatsächlich einen Effekt auf die Gesundheit haben, ist noch völlig unklar.

Die unterschiedliche Genaktivität ist weder überraschend noch sensationell – wenn Menschen unterschiedliche Dinge tun, ist eine unterschiedliche Genaktivität in einigen Bereichen zu erwarten. Sensationell wäre, wenn tatsächlich die Erbinformation verändert werden würde. Aber dieser Eindruck entsteht nur im Österreich-Artikel – weil aus „Genaktivität“ „Gene“ gemacht wurden.

Die Studie selbst hat zum Ziel, einen Mechanismus aufzuspüren, über den Yoga eine gesundheitsfördernde Wirkung haben könnte. Daher wurden Zellen des Immunsystems auf ihre Genaktivität hin untersucht. Die Studie mit gerade einmal zehn Teilnehmern kann aber höchstens Ideen liefern, keine Nachweise.

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, P. Mahlknecht)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Qu ua. (2013)
Studientyp: Vergleichende Blutuntersuchung nach zwei unterschiedlichen Interventionen
Teilnehmer insgesamt: zehn gesunde Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren
Fragestellung: Auswirkungen von Yoga auf die Genexpression bei immunrelevanten Zellen
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Qu S, Olafsrud SM, Meza-Zepeda LA, Saatcioglu F. Rapid gene expression changes
in peripheral blood lymphocytes upon practice of a comprehensive yoga program.
PLoS One. 2013 Apr 17;8(4):e61910.
(Volltext der Übersichtsarbeit)