Hilft Wärme gegen Regelschmerzen?

Bei Regelschmerzen schwören viele Frauen auf Wärme. Die Forschung scheint sie darin zu bestätigen.

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Hilft bei Regelschmerzen Wärme, zum Beispiel in Form von Wärmflaschen (Thermophor), Wärmeauflagen oder heißen Bädern?

Wärme könnte bei Regelschmerzen helfen – vielleicht ähnlich gut wie Schmerzmittel, aber ohne  Nebenwirkungen. Die verfügbaren Studien haben allerdings große Mängel und sind sehr unterschiedlich durchgeführt. Sicher ist das Ergebnis deshalb nicht. Ob Wärmflasche oder Vollbad gegen die monatlichen Krämpfe hilft, kann frau jedoch zum Glück ganz leicht selbst ausprobieren.

so arbeiten wir
Lachende Frau mit Wärmflasche. Wärme – ein vielseitiges Hausmittel.
© iStock-Wavebreakmedia

Etwa jede zweite Frau ist einmal im Monat durch starke Regelschmerzen in ihrem täglichen Leben eingeschränkt. Bei ungefähr einer von zehn Frauen sind die Schmerzen so stark, dass sie in dieser Zeit nicht zur Arbeit oder zur Schule gehen kann [4].

Das macht Regelschmerzen zu einem Problem, das einen sehr großen Teil der Bevölkerung betrifft – und zwar regelmäßig. Dennoch suchen nur wenige Frauen und Mädchen ärztliche Hilfe. Meist finden Betroffene im Laufe der Zeit Wege, ihre Schmerzen selbst zu behandeln. Dazu gehört, neben Schmerzmitteln und Ruhe, auch Wärme.

Als Wärmflasche (Thermophor) oder heißes Bad soll Wärme die Krämpfe im Unterbauch lindern. Im Handel werden auch spezielle Wärme-Pads und -Gürtel, teilweise auch mit Infrarot-Technologie, angeboten.

Uns erreichte die Frage, ob Wärme gegen Regelschmerzen denn jemals wissenschaftlich untersucht wurde.

Regelschmerzen: Wärme könnte helfen

Wir haben zwei Übersichtsarbeiten gefunden, die insgesamt sieben einzelne Studienergebnisse zusammenfassen [1,2]. Darin verwendeten über 700 Frauen während ihrer Regelblutung warme Umschläge, Wärme-Pads oder wärmende Infrarot-Gürtel am Unterbauch.

Die Studien deuten insgesamt auf einen schmerzlindernden Effekt von Wärme bei Regelschmerzen hin. Der Effekt von Wärmeanwendungen könnte genauso groß sein wie der von Schmerzmittel. Gesichert ist das allerdings nicht. Warum, das erklären wir weiter unten in den Studien im Detail.

Frauen, denen bisher während der Regelblutung die Wärmflasche am Bauch gute Dienste geleistet hat, haben nun auch die Wissenschaft auf ihrer Seite.

Kostenlos und ohne Nebenwirkungen

Es gibt zwar verschiedenste wärmende Produkte im Handel – von Pads zum Aufkleben bis hin zu Gürteln zum Umschnallen. Doch zum Glück ist Wärme für Betroffene (so gut wie) kostenlos erhältlich, in Form von Wärmflaschen, heißen Umschlägen oder Vollbädern. Das macht sie zu einer guten Ergänzung oder Alternative zu schmerzlindernden Medikamenten. Denn egal ob Wärme-Pads oder Infrarot-Produkte untersucht wurden: Unerwünschte Nebenwirkungen von Wärme wurde in keiner der Studien beobachtet.

Warum tut die Regelblutung weh?

Während der Regelblutung zieht sich die Gebärmutter krampfartig und unregelmäßig zusammen. So wird die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut am Ende des Zyklus zusammen mit Blut durch die Vagina (Scheide) abgestoßen. Diese krampfartigen Bewegungen der Gebärmutter-Muskulatur spüren viele Frauen als unangenehmes Ziehen. Bei manchen krampft sich die Muskulatur so stark zusammen, dass sie nur noch schlecht durchblutet wird und zu wenig Sauerstoff bekommt. Dann entstehen im Gewebe Abbauprodukte und Substanzen, die Schmerzen verursachen [4].

Jede Frau erlebt die Regelblutung anders

Wie stark Regelschmerzen erlebt werden – oder ob überhaupt – ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Jüngere Frauen haben häufiger Schmerzen als ältere, Frauen mit besonders starker Blutung häufiger als solche mit schwacher [4,5].

Bei vielen Frauen mit besonders starken Regelschmerzen kommen zusätzlich zu den Krämpfen im Unterbauch auch noch Schmerzen im Rücken oder in den Oberschenkeln, Übelkeit, Kreislauf- oder Verdauungsbeschwerden hinzu.

Starke Regelschmerzen sind nicht „normal“

Schmerzen gehören für viele Frauen zur Regelblutung dazu. Doch jeden Monat starke Schmerzen zu haben, sollte nicht „normal“ sein. Betroffene können sich Hilfe bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt holen, um die Ursache für die Beschwerden abzuklären.

Denn an besonders starken oder erst später im Leben auftretenden Regelschmerzen können Erkrankungen schuld sein, die sich behandeln lassen. Zum Beispiel gutartige Wucherungen in der Gebärmutter (Myome), oder auch Endometriose [5,6].

Endometriose als häufige Ursache der Schmerzen

Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut dort, wo sie eigentlich nicht hingehört, nämlich außerhalb der Gebärmutter. Die Schleimhaut kann sich zum Beispiel außen an der Gebärmutter, an den Eierstöcken, der Blase oder dem Darm befinden. Wenn diese sie mit der normalen Gebärmutterschleimhaut einmal im Monat „mitbluten“ kann das starke Schmerzen verursachen. In manchen Fällen kann Endometriose auch die Wahrscheinlichkeit verringern schwanger zu werden [7].

Endometriose wird oft erst spät oder gar nicht als Ursache der Beschwerden erkannt. Von Frauen mit starken Regelschmerzen haben Schätzungen zufolge die Hälfte Endometriose [5]. Die Dunkelziffer dürfte aber weitaus höher sein. Es dürften jedoch auch viele Frauen Endometriose haben, ohne etwas davon zu merken.

Ausführlichere Informationen zur Endometriose hat das unabhängige Gesundheits-Portal www.gesundheitsinformation.de/endometriose.

Regelschmerzen: mehr wissen

Informationen zur schmerzhaften Regelblutung – in der Fachsprache Dysmenorrhoe genannt – gibt es bei www.gesundheitsinformation.de/regelschmerzen oder auf gesundheit.gv.at.

Die Studien im Detail

Nach welchen Studien haben wir gesucht?

Um die Wirksamkeit einer Behandlung zu erforschen, sind sogenannte randomisiert-kontrollierte Studien das Mittel der Wahl. Dabei werden möglichst viele Teilnehmende per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine erhält die zu untersuchende Behandlung, die andere keine Behandlung oder – idealerweise – ein Scheinmedikament (Placebo).

Wir fanden zwei Übersichtsarbeiten, die Studien zusammenfassten, bei denen es wenigstens eine Gruppe ohne Wärme-Behandlung zum Vergleich gab [1,2]. Manche der Studien verglichen Wärme-Anwendungen auch mit Schmerzmitteln (zum Beispiel Ibuprofen). Die verwendeten Wärme-Anwendungen waren sehr unterschiedlich, von warmen Umschlägen und Wärmflaschen, bis zu Gürtel oder Pads, die Infrarot-Licht abstrahlen und so den Bauch erwärmen sollen.

Während der Regelblutung und danach gaben die Teilnehmerinnen an, wie stark ihre Beschwerden waren. Mehr als 700 Frauen nahmen an den sieben analysierten Studien teil.

Wie aussagekräftig sind die Studien?

Sichere Ergebnisse liefern diese Studien aber nicht. Das hat vor allem zwei Gründe:

  • Die Aussagekraft der Studien war gering. Die meisten hatten nur sehr wenige Teilnehmerinnen und waren anfällig für Verzerrungen. So wussten zum Beispiel in den meisten Studien sowohl die Teilnehmerinnen als auch die Forschungsteams, wer welche Behandlung bekam. Das kann zu Erwartungen und damit zum sogenannten Placeboeffekt geführt haben. Außerdem ist in sämtlichen Studien fraglich, ob auch wirklich alles, was gemessen wurde auch berichtet wurde.
  • Auch die Qualität der beiden Übersichtsarbeiten, die die einzelnen Studienergebnisse zusammenfassten, lässt zu wünschen übrig. So ist fraglich, ob die Autorinnen und Autoren tatsächlich alle verfügbaren Studien gefunden und zusammengefasst haben.
  • Die Studien waren hinsichtlich der untersuchten Wärme-Anwendung, der Studiendauer und der Teilnehmerinnen sehr unterschiedlich. Das macht es schwierig, ihre Ergebnisse zu vergleichen.

Wir haben zusätzlich nach neuen Studien zum Thema gesucht, die erst nach Veröffentlichung der Übersichtsarbeiten erschienen sind. Wir fanden tatsächlich eine Studie, an der 20 Frauen mit Regelschmerzen teilgenommen haben [3]. Die Hälfte von ihnen wurde mit Pads zum Aufkleben behandelt, die durch Infrarotstrahlung Wärme spenden sollten, die andere Hälfte bekam Placebo-Pads. Das Studienteam scheint zwar eine Wirksamkeit der Infrarot-Pads beobachtet zu haben. Wir sind gegenüber diesem Ergebnis allerdings sehr misstrauisch. Zum einen sind 10 Teilnehmerinnen pro Gruppe viel zu wenig für ein verlässliches Ergebnis. Zum anderen ist unklar, wie die Zuteilung zu den Gruppen erfolgte und ob die beiden Gruppen dieselben Start-Bedingungen hatten. Außerdem fehlen wichtige Informationen und Ergebnisse. Die Studie wurde von der Herstellerfirma der Infrarot-Pads finanziert.

[1] Armour u.a. (2019)
Armour M, Smith CA, Steel KA, Macmillan F. The effectiveness of self-care and lifestyle interventions in primary dysmenorrhea: a systematic review and meta-analysis. BMC Complement Altern Med. 2019 Jan 17;19(1):22.

[2] Jo u.a. (2018)
Jo J, Lee SH. Heat therapy for primary dysmenorrhea: A systematic review and meta-analysis of its effects on pain relief and quality of life. Sci Rep. 2018 Nov 2;8(1):16252.

[3] Mori, M. M., et al. (2019). „Clinical monitoring of safety and functionality of a non-medicated patch for pain alleviation associated to dysmenorrhea.“ Acta bio-medica 90(3): 287‐292.

[4] UpToDate (2023)
Dysmenorrhea in adult females: Clinical features and diagnosis. Abgerufen am 22.6.2023 unter https://www.uptodate.com/contents/dysmenorrhea-in-adult-females-clinical-features-and-diagnosis (Kostenpflichtiger Zugang)

[5] Gesundheitsinformation.de (2023)
Regelschmerzen. Abgerufen am 22.6.2023 unter https://www.gesundheitsinformation.de/regelschmerzen.html

[6] Gesundheit.gv.at (2021)
Dysmenorrhoe. Abgerufen am 22.6.2023 unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sexualorgane/weibliche-hormone-zyklus/dysmenorrhoe.html

[7] Gesundheitsinformation.de
Endometriose. Abgerufen am 26.6.2023 unter https://www.gesundheitsinformation.de/endometriose.html

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