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Schwungvoll in die Schmerzfreiheit?

Klangschalen-Therapie

Klangschalen-Therapie


Die Schwingungen von Klangschalen sollen Schmerzen lindern, schreibt die Ubahn-Zeitung Heute. Das lässt sich Tirol nicht entgehen und baut die größte Klangschale der Welt. Eine Leserin von Medizin-Transparent will wissen: Ist das eine Hilfe gegen Schmerzen oder eine reine Touristenattraktion?
 
 

 

Zeitungsartikel: Entspannung für ganzen Körper: Größte Klangschale der Welt kommt aus Tirol. (22. 5. 2013, Heute)
Frage:Kann eine Behandlung mit Klangschalen Schmerzen lindern?
Antwort:Die Klangschalentherapie scheint zur Linderung von Schmerzen nicht wirksam zu sein.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagegegen die Wirksamkeit

Eine typische Sitzung bei einem Klangschalentherapeuten: Sie liegen auf dem Bauch und bekommen zwei unterschiedlich große Metallschalen auf Ihren Körper gelegt. Eine auf den schmerzenden Rücken, und eine auf den Nacken. Mit einem Klöppel angeschlagen geben diese Schalen kraftvolle, obertonreiche Schwingungen an Ihren Körper ab. Die Klangfarbe variiert zwischen den verschiedenen Schalen stark. Sie spüren, wie sich eine weitere Schale auf Ihren Hinterkopf senkt. Kleinere Schalen zwitschern wie Vöglein im Hintergrund. Sie sind umgeben von summenden, singenden, schwebenden Klängen. Entspannt? Ja, vielleicht. Aber auch schmerzfrei?

Große Artenvielfalt

Das beschriebene Szenario ist nur eine Variante Klangschalen anzuwenden. Nicht immer liegen sie direkt am Körper auf; nicht immer sind sie aus Metall. Unter Kennern herrscht Uneinigkeit: Traditionell tibetanische Metallschalen versus moderne Quarzschalen aus der Zentrifuge. Quarzschalen geben hochreine Sinusschwingungen ab, die bei Schalen aus Metalllegierungen angeblich nicht erreicht werden können. [1]

Laut Befürwortern löst Klangschalentherapie seelische und körperliche Verspannungen. Funktionieren soll das durch das Eindringen der abgegebenen Schallwellen in den Körper, wo sie angeblich Wasser in Bewegung setzen und die körpereigenen Zellen massieren. „Die Klangmassage stabilisiert, verlängert und fördert die Vitalität der Zellen [1].“ Es gibt noch andere Erklärungsversuche, die alles eines gemeinsam haben: wissenschaftliche Belege zu diesen Theorien existieren nicht.

Wirkung nur durch Placebo Effekt

In einer randomisiert-kontrollierten Studie nahmen 54 Personen mit chronischen Rückenschmerzen an einer Klangschalentherapie mit Quarzschalen teil. Eine Gruppe erhielt eine typische Klangbehandlung, während eine andere Gruppe nur scheinbar und eine Gruppe gar nicht therapiert wurde. Bei der Scheinbehandlung bekamen die Teilnehmer die Quarzschalen auf den Körper aufgelegt ohne sie anzuschlagen – die Schalen gaben keine Klänge ab. Während der Studiendauer sprach man deshalb auch nur von einer „Quarzschalentherapie“. Die Kontrollgruppe wusste also nicht, dass es um die therapeutische Wirkung der Klänge und nicht allein der Schalen ging.

Untersuchungsschwerpunkt war die Intensität der Rückenschmerzen und das allgemeine Befinden der Teilnehmer. Bei der Schmerzintensität gab es zwischen den Gruppen einen signifikanten Unterschied: Teilnehmer mit tatsächlicher und scheinbarer Klangschalenbehandlung verspürten eine Linderung der Schmerzen; Teilnehmer ohne Behandlung klagten über verstärkte Schmerzen. Gleiches ergab sich auch für das allgemeine Befinden der Teilnehmer. Eine tatsächliche Therapie durch Klangschalen, aber auch eine Simulation einer solchen Behandlung wirkten sich gleich positiv auf das Wohlbefinden aus. Die Teilnehmer fühlten sich sowohl nach der Behandlung wie auch nach der Scheinbehandlung deutlich entspannter, ruhiger und besser gestimmt. Eine Wirkung ist daher allein auf den Placebo Effekt zurückzuführen.

(Autoren: K. Regnat, J. Wipplinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Wepner (2008)
Studientyp: prospektiv randomisiert kontrollierte Studie
Studienteilnehmer: 54
Studiendauer: 6 Wochen
Fragestellung: Effekt von harmonischen Schwingungen einer Quarzschalenbehandlung auf Schmerzempfinden, subjektives Wohlbefinden und chronobiologische Vorgänge bei Patienten mit chronischen unspezifischen Wirbelsäulenschmerzen.
Mögliche Interessenkonflikte: keine Angabe

Wepner F. Hahne J. Teichmann A. Berka-Schmid G. Hördinger A. Quarzklangschalentherapie bei Wirbelsäulenbeschwerden und chronobiologische Vorgänge – eine randomisierte kontrollierte Studie. Friedrich M. Forsch Komplementmed 2008; 15:130–137 (Zusammenfassung der Studie)

Weitere Quellen

Paracelsus – Europäisches Ausbildungsinstitut für Heilpraktiker
http://www.paracelsus.de/ausbildung/Klangtherapie/klangtherapie.asp (28.5.2013)

Ein Klang sein http://www.ein-klang-sein.at/le_klang.htm