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Schützt Rauchverbot vor Frühgeburten?

©iStockphoto.com/kuzma

Nutzen Rauchverbote?

Manche empfinden Rauchverbote als Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit, aber die Wirksamkeit als Gesundheitsmaßnahme bestätigt sich. Laut vol.at und anderen Medien führen die Rauchverbote sogar zu weniger Frühgeburten.

Zeitungsartikel: Weniger Frühgeburten durch Rauchverbote (28.2.2014, Vorarlberg Online)
Frage:Führen Rauchverbote zu weniger Frühgeburten?
Antwort:Ja. Eine große aktuelle Übersichtsarbeit zeigt ein um zehn Prozent verringertes Risiko für Frühgeburten. Aufgrund einiger Einschränkungen ist die Beweislage dennoch niedrig, weitere Studien aus unterschiedlichen Ländern werden vermutlich bald Klarheit bringen.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die Wirksamkeit

Rauchen tötet jährlich fünf bis sieben Millionen Menschen [1]. Laut Statistik Austria raucht ca. ein Viertel aller über 15jährigen Österreicherinnen und Österreicher [a]. Seit 2009 hat Österreich seine Rauchergesetze etwas verschärft, und damit eine Maßnahme gesetzt, die aller Wahrscheinlichkeit nach Leben rettet; wie berichtet führen Rauchverbote zu weniger Herzinfarkten und haben auch sonst positive Auswirkungen: http://www.medizin-transparent.at/rauchverbote-nachweislich-sinnvoll [2][3]

Auch Ungeborene profitieren

Eine neue Übersichtsarbeit weist auf weitere positive Auswirkungen von Rauchverboten hin: Die Zahl von Frühgeburten geht um etwa zehn Prozent zurück, wird aus der Analyse von elf Studien mit insgesamt über 2,5 Millionen Geburten geschlossen [1]. Auch Kleinkinder profitieren: Die Zahl ihrer Krankenhausbesuche wegen Asthma geht ebenfalls um 10 Prozent zurück.
 
Gerade für die Gesundheit von Kindern haben gesetzliche Rauchverbote also ein enormes Potenzial. Kinder sind speziell empfindlich auf Passivrauch, weil Lungen und Immunsystem sich noch entwickeln. Weltweit sind 40 Prozent aller Kinder Passivrauch ausgesetzt. Rauchverbote führen dazu, dass Mütter in der Schwangerschaft weniger rauchen und Ungeborene so weniger Passivrauch ausgesetzt sind. Und es gibt auch mehr rauchfreie Haushalte, das Rauchen wird also nicht einfach von der Öffentlichkeit in die Häuser verlegt [1][2]. Dies gilt zumindest für hochindustrialisierte Staaten, in denen ein Großteil der Einzelstudien durchgeführt wurde.

Einschränkungen

Die Übersichtsarbeit von 2014 ist die erste, die sich im großen Umfang die Auswirkungen von Rauchverboten auf Frühgeburten und frühkindliches Asthma angesehen hat. Es ist eine methodisch sehr gute Arbeit, dennoch gelten für die Aussagen einige Einschränkungen: Die Ergebnisse der Einzelstudien schwanken stark, ob der reale Effekt wirklich bei jeweils zehn Prozent liegt, werden erst künftige Studien klären können.

Außerdem liegen Hinweise auf einen „Publikationsbias“ bei den Studien zu Frühgeburten vor, es könnte also sein, dass es einige Studien gibt, die keine gesundheitlichen Folgen gefunden haben, aber nicht veröffentlicht wurden. Das würde das Ergebnis verzerren.

Nichtraucher schützen

Raucher haben es theoretisch einfach, etwas für ihre Gesundheit zu tun: Raucher profitieren tatsächlich, wenn sie mit dem Rauchen aufhören: http://www.medizin-transparent.at/rauchen-aufhoren-verlangert-leben Durch ein staatliches Rauchverbot werden Nichtraucher geschützt, und so wie es derzeit aussieht, bereits die ungeborenen Nichtraucher.

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, P. Mahlknecht)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Been u.a. (2014)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 11 Beobachtungsstudien mit über 2,5 Millionen erfassten Geburten
Fragestellung: Gesundheitliche Auswirkungen gesetzlicher Rauchverbote rund um die Geburtszeit und auf Kleinkinder
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Been JV, Nurmatov UB, Cox B, Nawrot TS, van Schayck CP, Sheikh A. Effect of
smoke-free legislation on perinatal and child health: a systematic review and
meta-analysis. Lancet. 2014 Mar 27. pii: S0140-6736(14)60082-9.
Zusammenfassung

[2] Callinan u.a. (2010)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 50 Beobachtungsstudien
Fragestellung: Gesundheitliche und sonstige Auswirkungen gesetzlicher Rauchverbote
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

„Legislative smoking bans for reducing secondhand smoke exposure, smoking prevalence and tobacco consumption.“ Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 4. Art. No.: CD005992.
Zusammenfassung

[3] Lin u.a. (2013)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 18 Beobachtungsstudien
Fragestellung: Auswirkungen gesetzlicher Rauchverbote auf das Herzinfarktrisiko
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Lin H, Wang H, Wu W, Lang L, Wang Q, Tian L. The effects of smoke-free
legislation on acute myocardial infarction: a systematic review and
meta-analysis. BMC Public Health. 2013 May 31;13:529.
Zusammenfassung

Weitere wissenschaftliche Quellen

[a] Statistik Austria

Abgerufen am 11.4.2014