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Schröpfen soll Schmerzen lindern

Schröpf-Behandlung

Schröpf-Behandlung

[Aktualisiert, ursprünglich veröffentlicht 27. 9. 2012] Laut Kleiner Zeitung kann eine alternativmedizinische Schröpfbehandlung das Leiden von Patienten mit chronischen Nacken-und Rückenschmerzen lindern. Auch wenn sich vorsichtige Hinweise darauf finden, sind für eine Beurteilung der Wirksamkeit besser durchgeführte, wissenschaftliche Studien nötig.
 
 

 

Zeitungsartikel: Mit Schröpfen Schmerzen lindern (28.3.2012, Kleine Zeitung)
Frage:Lindert Schröpfen chronische Nacken- und Rückenschmerzen?
Antwort:Es gibt vorsichtige Anzeichen dafür, dass eine Schröpftherapie bei Patienten mit chronischen Nacken- und Rückenschmerzen zu einer Besserung führen kann. Für eine Beurteilung der Wirksamkeit sind aber besser durchgeführte klinische Studien nötig.
Beweislage:
Unzureichende wissenschaftliche Beweislage

(Aktualisiert am 28.4.2014) Kugelförmige Gläser, die sich über eine kreisrunde Öffnung an der Haut ansaugen, sollen der Kleinen Zeitung zufolge Schmerzen lindern können. Bei der beschrieben Technik handelt es sich um das sogenannte Schröpfen, die dabei verwendeten Gläser werden als Schröpfköpfe bezeichnet. Die Methode reicht bereits mehr als 2000 Jahre zurück und wurde früher in den verschiedensten Kulturkreisen praktiziert. Durch den medizinischen Fortschritt geriet diese alternative Heilmethode jedoch immer mehr in Vergessenheit, freut sich aber heutzutage wachsender Beliebtheit.

Es gibt viele unterschiedliche Schröpf-Methoden, wobei in westlichen Ländern am häufigsten das sogenannte „trockene Schröpfen“ angewendet wird. Dabei werden mehrere Schröpfköpfe mit Unterdruck an bestimmten Punkten auf der Haut angesaugt. Zur Lokalisierung der Punkte werden zuerst Muskelverhärtungen und andere auffällige Stellen ertastet. Auf diese Punkte werden dann die Schröpfköpfe angesetzt und für ca. 15 Minuten sitzen gelassen. Während der Behandlung wird die Haut durch das Vakuum etwas angesaugt – dies soll die Durchblutung anregen und angeblich heilsame Kräfte wirksam werden lassen.

Die Behandlung mit den Schröpfköpfen ist schmerzfrei und wird von Patienten oft als entspannend beschrieben. Jedoch kann es nach einer Sitzung zu Rötungen, Blutergüssen und auch blauen Flecken an den behandelten Stellen kommen. Für gewöhnlich heilen diese aber nach 2-3 Tagen wieder ab.

Aber auch das blutige Schröpfen und die Schröpfmassage sind gängige Therapiemethoden. Schröpft man blutig, so ritzt der behandelnde Alternativmediziner die Haut leicht, an bevor er das Glas mit Unterdruck aufsetzt. Durch das Anritzen und den entstehenden Unterdruckdruck der aufgesetzten Schröpfköpfe kommt es zu einer kontrollierten Blutung.

Ob nun blutig oder trocken geschröpft wird ist der zugrundeliegenden Philosophie zufolge abhängig von der zu behandelnden Krankheit.
Schröpfen soll bei vielen verschiedenen Krankheitsbildern und Symptomen Hilfe bieten können. Häufig suchen Patienten mit Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden aber auch bei Husten einen Alternativmediziner auf, der Schröpftherapie anbietet.

Schröpftherapie gegen Schmerzen?

Ein Artikel in der Kleinen Zeitung behauptet nun, dass die Schröpftherapie chronische Rücken- und Nackenschmerzen zwar nicht heilen, aber sehr wohl lindern kann. Was ist dran an dieser Behauptung? Kann die Schröpftherapie Schmerzen tatsächlich nachweislich reduzieren?

Studien, die sich mit Schröpftherapie und deren Wirkung beschäftigen, gibt es viele. Die meisten davon sind jedoch in chinesischer Sprache verfasst und oft auch von niedriger wissenschaftlicher Qualität. Für eine systematische Übersichtsarbeit übersetzte eine Gruppe von Wissenschaftlern all diese Studien aus dem Zeitraum von 1992 bis einschließlich 2010 und fasste anschließend die Ergebnisse zusammen. Dabei kamen die Autoren zu dem Schluss, dass eine Wirksamkeit der Schröpftherapie nicht ausgeschlossen werden kann. Auf Grund der meist schlecht durchgeführten Studien lässt sich dies jedoch nicht eindeutig wissenschaftlich belegen [1].

Eine aktuellere, randomisiert-kontrollierte Studie aus dem Jahr 2011 untersuchte 50 Patienten mit chronischen Nackenschmerzen. Nach 5 Schröpfbehandlungen konnte eine Schmerzreduktion gegenüber den unbehandelten Patienten festgestellt werden [2]. Ob die Behandlung allerdings tatsächlich besser wirkt als eine Scheinbehandlung, wurde bei dieser Studie nicht untersucht.

Eine weitere randomisiert-kontrollierte Studie mit 39 Patienten, welche an Rückenschmerzen litten, brachte kein eindeutiges Ergebnis. So konnte die Wirkung weder bestätigt noch ausgeschlossen werden [3]. [Aktualisiert 28.4.2014] Auch eine randomisiert-kontrollierte Studie aus dem Jahr 2013 [4] führte nur zu unklaren Resultaten. 61 Patienten mit chronischen Nackenschmerzen gaben zwar an, sich nach 12 Wochen Schröpftherapie wohler zu fühlen als Patienten, die Muskelentspannungstherapie bekamen. Die Schmerzen waren allerdings im Vergleich zu dieser nach Behandlungsende nicht geringer.

Wissenschaftliche Studien guter Qualität fehlen

Obwohl es viele Studien mit vorsichtigen Hinweisen auf die Wirksamkeit von Schröpfen bei chronischen Nacken- und Rückenschmerzen gibt, lässt sich dies bis heute nicht ausreichend wissenschaftlich beweisen. Um eine eindeutige Aussage über die Wirksamkeit treffen zu können, werden groß angelegte, nach strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführte Studien benötigt.

(Autoren: A.Kny. B. Kerschner,  K. Thaler, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Cao u.a. (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 135 randomisiert-kontrollierte Studien
Fragestellung: Effekte von Schroepftherapie auf unterschiedliche Krankheistbilder und Symptome
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „An updated review of the efficacy of cupping therapy“. PLoS One. 2012;7(2):e31793. Epub 2012 Feb 28. (Studie im Volltext)

[2] Lauche u.a. (2011)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 50 Patienten mit chronishcen Nackenschmerzen
Studiendauer: 25 Tage mit einem 2 wöchigen Behandlungszyklus (5 Schroepfbehandlungen)
Fragestellung: Kann eine mehrmalige Schröpfbehandlung chronische Nackenschmerzen lindern?
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „The influence of a series of five dry cupping treatments on pain and mechanical thershold in patients with chronic non-specific neck pain – a randomised controlled pilot study.“ BMC Complement Altern Med. 2011 Aug 15;11:63. (Studie im Volltext)

[3] Kim u.a. (2011)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 32 Patienten mit Rückenschmerzen
Studiendauer: 2 Wochen mit je 3 Behandlungen,
Fragestellung: Hilft eine Schröpftherapie Patienten mit Rückenschmerzen?
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „Evaluation of wet-cupping therapy for persistent non-specific low back pain: a randomised, waiting list controlled, open-label, parallel-group pilot trial.“ Trials. 2011 Jun 10;12:146. (Studie im Volltext)

[4] Lauche u.a. (2013)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 61 Patienten mit chronischen Nackenschmerzen
Studiendauer: 12 Wochen
Fragestellung: Kann eine mehrmalige Schröpfbehandlung chronische Nackenschmerzen besser lindern als Muskelentspannungstherapie?
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Lauche R, Materdey S, Cramer H, Haller H, Stange R, Dobos G, Rampp T. Effectiveness of home-based cupping massage compared to progressive muscle relaxation in patients with chronic neck pain–a randomized controlled trial. PLoS One. 2013 Jun 7;8(6):e65378. (Studien in voller Länge)