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Rauchverbote nachweislich sinnvoll

Was nützen Rauchverbote?

Was nützen Rauchverbote?

Rauchen an öffentlichen Plätzen und in Lokalen ist in Österreich bereits großteils verboten. Dass dieses Gesetz auch der Gesundheit von Nichtrauchern nützt, belegen zahlreiche Studien: so zeigte sich zum Beispiel eine Reduktion von Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkten.
 
 

 

Zeitungsartikel: Rauchverbot contra Krebs zeigt erste Erfolge (21.9.2012, Der Standard)
Frage:Können gesetzliche Rauchverbote das Herzinfarktrisiko senken?
Antwort:Ja, die Einführung von strengeren Rauchverboten in Restaurants, Cafés und am Arbeitsplatz reduziert die Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen aufgrund eines Herzinfarkts.
Beweislage:
Mittlere wissenschaftliche Beweislagefür die Wirksamkeit

Zigarettenrauch besteht aus über 4000 chemischen Verbindungen, wobei davon mehr als 50 krebserregend sind. Trotzdem greifen in Österreich täglich 1,6 Millionen Menschen zur Zigarette und setzen sich so bewusst gesundheitlichen Gefahren aus [3]. Leider gefährden sie damit aber nicht nur sich selbst, sondern auch Menschen in ihrer unmittelbareren Umgebung. Passivrauchen ist mehr als nur eine Belästigung, mittlerweile ist klar, dass Rauchen in geschlossenen Räumen auch die Gesundheit der anwesenden Nichtraucher gefährdet [4]. Laut Statistik Austria sind etwa ein Zehntel der nichtrauchenden Bevölkerung hierzulande zuhause Tabakrauch ausgesetzt, bei den Jugendlichen sind gar knapp ein Viertel betroffen [3].

Passivraucher haben zwar ein niedrigeres Risiko als Raucher, an typischen Raucher- Krankheiten zu sterben, verglichen mit Personen, welche dem blauen Dunst nicht regelmäßig ausgesetzt sind, ist es ist aber deutlich erhöht. So erkrankt knapp ein Fünftel mehr Passivraucher an Lungenkrebs als Personen, die keinem Passivrauch ausgesetzt sind. Auch die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt ist durch Passivrauchen um ein Fünftel höher [2].

Seit 2009 gelten in Österreich schärfere Gesetze gegen das Rauchen, vor allem in der Gastronomie und am Arbeitsplatz. Der Standard berichtete in seiner online Ausgabe, dass das Herzinfarkt-Risiko seit Einführung des strikten Rauchverbotes zurückgegangen sei. Ist dies tatsächlich wissenschaftlich belegt?

Rauchverbote schützen Nichtraucher

In einer systematischen Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wurden alle relevanten, bisher veröffentlichten Studien zu dieser Fragestellung zusammengefasst. Insgesamt wurden 50 Studien einbezogen, die sich mit generellen Auswirkungen eines Rauchverbots befassten. Davon untersuchten 12 Studien die Auswirkungen auf Atemwegssymptome, 10 die Beeinträchtigung von Augen-, Nase und Hals, und 12 Studien erfassten die Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen aufgrund eines akuten Herzinfarktes. [1]. Dabei zeigte sich, dass es nach in Kraft treten von Nichtrauchergesetzen in verschiedenen Ländern zu weniger Atemwegssymptomen sowie Beeinträchtigung von Augen, Nase und Hals kam. Am beständigsten war der Zusammenhang zwischen der Einführung von Rauchverboten und einer Verringerung von akuten Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkten bei Passivrauchern [1].

Studien zu den Auswirkungen der österreichischen Nichtraucherschutz-Gesetze wurden in der 2010 erschienenen Übersichtsarbeit keine berücksichtigt, da die entsprechenden österreichischen Regelungen erst im Jänner 2009 in Kraft getreten sind. Die Ergebnisse stammen zum Großteil aus den USA, Schottland, Irland, Italien, Spanien, Norwegen, Neuseeland, Kanada und Finnland. Jeweils eine der einbezogenen Studien untersuchten zudem die Auswirkungen der Einführung von Rauchverboten in Frankreich, England, den Niederlanden und Schweden.

Ob das Rauchverbot auch Auswirkungen auf die Krebsentstehung hat, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht beantworten – darauf geben bisher durchgeführte Studien keine Antwort. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Lungenkrebs sich sehr langsam und oftmals unauffällig entwickelt (siehe dazu den Artikel „Lungenkrebs: Früherkennungs-Untersuchungen mit Risiken“ auf Medizin-Transparent). Eventuell werden zukünftige Untersuchungen über die Krebshäufigkeit nach Einführung von Anti-Rauchergesetzen Aufschluss geben können.

Eines zeigen bisher durchgeführte Studien jedoch klar: gesetzliche Rauchverbote sind eindeutig eine sinnvolle Gesundheitsmaßnahme zum Schutz von Nichtrauchern.

(Autoren: A. Kny, B. Kerschner, M. Flamm)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Callinan u.a. (2010)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 50 Beobachtungsstudien
Fragestellung: Gesundheitliche und sonstige Auswirkungen gesetzlicher Rauchverbote Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Titel: „Legislative smoking bans for reducing secondhand smoke exposure, smoking prevalence and tobacco consumption.“ Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 4. Art. No.: CD005992. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Jaakkola u.a. (2006)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: keine näheren Angaben
Fragestellung: Auswirkungen von Rauchverboten am Arbeitsplatz
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Titel: „Impact of smoke-free workplace legislation on exposure and health: possibilities for prevention.“ Eur Respir J. 2006 Aug;28(2):397-408. (Übersichtsarbeit im Volltext)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] Statistik Austria. Abgerufen am 20. 12. 2012 unter http://www.statistik.at/web_de/dynamic/statistiken/gesundheit/gesundheitsdeterminanten/rauchen/031115

[4] Samet JM (2012). Secondhand smoke exposure: Effects in adults. In Lin FH (ed.). UpToDate. Abgerufen am 20.12. 2012 auf www.uptodate.com