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Nichtraucherschutz: Rauchverbote nachweislich sinnvoll

Passivrauch ist gesundheitsschädlich

Rauchverbote sind Nichtraucher(innen)schutz

Rauchen in öffentlichen Gebäuden und Lokalen ist in Österreich inzwischen teilweise verboten. Das nützt auch der Gesundheit von Menschen, die selbst nicht rauchen.

Frage:Bringen gesetzliche Rauchverbote gesundheitliche Vorteile für Nichtraucherinnen und Nichtraucher?
Antwort:wahrscheinlich Ja
Erklärung:Durch Rauchverbote sinkt wahrscheinlich die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und -Notfälle in der Gesamtbevölkerung. Auch die Sterblichkeit dürfte zurückgehen. Bisher nicht eindeutig nachweisen lässt sich, ob sich Rauchverbote auch auf Atemwegserkrankungen positiv auswirken.

Zigarettenrauch ist eine Gefahr für die Gesundheit aller, die ihn einatmen. Trotz der bekannt hohen Risiken greifen in Österreich täglich 1,8 Millionen Menschen zur Zigarette. Das ist jede und jeder Vierte ab 15 Jahren. Diese Menschen setzen ihre eigene Gesundheit bewusst aufs Spiel [5]. Darüber hinaus gefährden sie aber auch die Menschen in ihrer Umgebung.

Passivrauchen: mehr als eine Belästigung

Etwa ein Fünftel aller Österreicherinnen und Österreicher, die nicht oder nicht täglich selbst rauchen, sind regelmäßig dem Qualm anderer ausgesetzt. Besonders betroffen sind Junge zwischen 15 und 30 Jahren: Hier gehört Mitrauchen für ein Drittel zum Alltag. 15 bis 30 ist auch die Altersgruppe mit den meisten Nikotinabhängigen [5]. Belastbare Zahlen, wie viele Kinder daheim „mitrauchen“ müssen, fehlen.

In geschlossenen Räumen entfaltet Zigarettenrauch bei allen Anwesenden seine gesundheitsschädigende Wirkung, ob sie nun selbst rauchen oder eigentlich Nichtraucher sind [6]. Wer regelmäßig passiv raucht, kann ebenfalls typische Raucherkrankheiten bekommen. Zwar ist das Risiko, daran zu sterben, niedriger als bei Rauchern und Raucherinnen, aber doch deutlich erhöht im Vergleich zu Personen, die dem blauen Dunst nicht regelmäßig ausgesetzt sind.

An Lungenkrebs zum Beispiel erkranken um ein Fünftel mehr Menschen, die häufig mitrauchen, als Leute, die sich in rauchfreien Umgebungen aufhalten. Auch die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt wird durch Passivrauchen um ein Fünftel erhöht [3].

Seit 2009 gelten in Österreich schärfere Gesetze gegen das Rauchen, vor allem in der Gastronomie und am Arbeitsplatz. Gibt es Studien, die zeigen, dass solche Verbote Gesundheitseffekte haben?

Ja: Rauchverbote sind Nichtraucher(innen)schutz

Eine Studie betrachtete Arbeiten über Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden wie Universitäten, Krankenhäusern oder Gefängnissen [4]. Durch die Verbote ging das Passivrauchen in den Einrichtungen zurück. In den Krankenhäusern und Gefängnissen starben weniger Menschen an rauchbedingten Erkrankungen. Auch die Zahl der aktiven Raucherinnen und Raucher sank. In den Spitälern zum Beispiel schafften es nach Einführung von Rauchverboten mehr Angestellte und mehr Patientinnen und Patienten, von Zigaretten loszukommen. In den Gefängnissen ging zwar die Belastung durch Passivrauch zurück, die Zahl der Raucher oder Raucherinnen hingegen nahm nicht ab [4].

Eine weitere Zusammenfassung bisheriger Studienergebnisse analysierte, welche Gesundheitseffekte durch gesetzliche Rauchverbote für Nichtraucher und -raucherinnen entstehen und ob Verbote das Rauchverhalten insgesamt verändern [2].

Es zeigt sich ein Rückgang bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Notfällen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, die eine Krankenhauseinweisung nötig machen. Es gibt zudem Hinweise, dass nach Rauchverboten weniger Menschen an rauchbedingten Krankheiten sterben. Vor allem die Einführung von umfassenden Rauchverboten am Arbeitsplatz, in Lokalen (Bars, Restaurants) und anderen öffentlich zugänglichen Räumen scheinen die Zahl rauchbedingter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle zu vermindern. Bei teilweisen Verboten mit Ausnahmen für Bars und Restaurants waren die Ergebnisse nicht so deutlich.

Es gibt noch Forschungsbedarf

Uneinheitlich waren die Ergebnisse bei Atemwegserkrankungen. Es gab Studien, die einen Rückgang bei Raucherhusten (COPD) und Asthma in der Bevölkerung fanden, nachdem Rauchverbote erlassen worden waren, andere Studien sahen hingegen keine Verbesserungen [2].

Gar nicht beantwortet werden konnte auf Basis der bisherigen Daten, ob neu geborene Babys dank Rauchverboten gesünder sind.

Ein weiterer Punkt, der mehr Forschung braucht, ist die Frage, ob Rauchverbote die Menschen dazu bringt, insgesamt weniger zu rauchen oder sogar ganz darauf zu verzichten. Auch hier zeigten einige Studien Rückgänge, andere keine [2].

Noch keine Ergebnisse zu Krebs

Zigarettenrauch besteht aus über 4000 chemischen Verbindungen, mindestens 50 davon sind krebserregend. Bekannt ist, dass das Rauchen Lungenkrebs oder Mundhöhlenkrebs fördern oder sogar auslösen kann. Doch es treten auch zahlreiche andere Krebsarten bei Menschen, die regelmäßig zur Zigarette greifen, öfter auf, wie Brustkrebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenkrebs, Bauchspeicheldrüsen- oder Dickdarmkrebs [7].

Ob Rauchverbote in der Gesamtbevölkerungn zu weniger Krebserkrankungen führen, können die bisher durchgeführten Studien nicht beantworten. Hier ist zu bedenken, dass die meisten landesweiten Rauchverbote erst vor kurzer Zeit eingeführt wurden. Bis Krebs entsteht, kann es hingegen viele Jahre dauern. Lungenkrebs etwa entwickelt sich sehr langsam und oftmals unauffällig (siehe dazu den Artikel „Lungenkrebs: Früherkennungs-Untersuchungen mit Risiken“ auf Medizin-Transparent). Eventuell werden zukünftige Untersuchungen über die Krebshäufigkeit nach einem Rauchverbot Aufschluss geben können.

Klare Botschaft

Trotzdem noch einige Fragen offen sind, zeigt die bisherige Forschung doch klar, dass gesetzliche Rauchverbote eine sinnvolle Gesundheitsmaßnahme zum Schutz von Menschen sind, die selbst nicht rauchen.

Dass es das Leben verlängert, mit dem Rauchen ganz aufzuhören, haben wir in einem anderen Beitrag beleuchtet.

[Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels erschien am 21.12.2012. Er wurde neben der inhaltlichen Aktualisierung auch umfassend bearbeitet.]

 

Die Studie im Detail

In einer systematischen Übersichtsarbeit des unabhängigen Wissenschaftsnetzwerks Cochrane wurden alle relevanten Studien zusammengefasst, die untersucht hatten, ob nationale Rauchverbote zu einem Rückgang bei rauchbedingten Erkrankungen führen, und die zweitens den Einfluss eines landesweiten Rauchverbots auf das Verhalten der Raucherinnen und Raucher erhoben hatten [2].

Insgesamt wurden 77 Studien berücksichtigt. Zwölf davon waren schon Teil einer früheren Cochrane-Übersichtsarbeit zu dem Thema aus dem Jahr 2010 [1], 65 Studien sind neu hinzugekommen. Die meisten Studien stammen aus den USA, Schottland, Irland, Italien, Spanien, Norwegen, Neuseeland, Kanada und Finnland. Nur jeweils eine Studie untersuchte die Rauchverbote in Frankreich, England, den Niederlanden und Schweden. Aus Österreich liegen keine aussagekräftigen Studien vor.

Weniger Herzinfarkte und Herztote

Die Gesundheitsdaten, die die einzelnen Länder auswerteten, stammten üblicherweise aus Krankenhäusern. Deren Zahlen zeigen, ob sich Einweisungsraten aufgrund bestimmter Erkrankungen oder die Anzahl der Todesfälle verändern. In den meisten Arbeiten wurden Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht, vor allem akute Fälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die zusammengefassten Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung von Rauchverboten profitiert, vor allem durch weniger Herz-Kreislauf-Probleme. Es gibt auch Hinweise, dass es zu weniger Todesfällen kommt.

Ebenfalls erhoben wurden in vielen Studien Atemwegserkrankungen wie akute Bronchitis bzw. COPD, Asthma und die Lungenfunktion. Hier waren die Ergebnisse uneinheitlich. Einige der Studien hatten Verbesserungen gefunden, andere nicht.

Die Daten zur Gesundheit von neugeborenen Babys reichten nicht aus, um eine eindeutige Aussage treffen zu können.

Auch ob die Zahl der Raucher und Raucherinnen durch Rauchverbote sinkt oder ob die Menschen durch Rauchverbote weniger Zigaretten rauchen, konnte nicht eindeutig beantwortet werden [2].

Rauchverbote an Institutionen zeigen Wirkung

Eine zweite systematische Übersichtsarbeit des Cochrane-Netzwerks fasste 17 Beobachtungsstudien zusammen, die Rauchverbote an Universitäten, in Krankenhäusern oder in Gefängnissen begleitet hatten. Beantwortet werden sollte die Frage, ob institutionelle Rauchverbote die Häufigkeit von Passivrauchen, die Erkrankungshäufigkeit und die Zahl der Rauchenden reduzieren helfen [4].

Wenig überraschend sank durch die Verbote überall das Passivrauchen. In Krankenhäusern und Gefängnissen ging in der Folge die Zahl der Todesfälle durch rauchbedingte Erkrankungen zurück. Zudem änderte sich die Zahl der Raucherinnen und Raucher. In den Spitälern zum Beispiel schafften es nach Einführung eines Rauchverbots mehr Angestellte oder Patientinnen und Patienten, von den Zigaretten loszukommen. In Gefängnissen nahm zwar die Passivrauch-Belastung ab. Die Daten zeigten aber keinen Rückgang bei der Zahl der Raucher bzw. Raucherinnenhingegen gab es hier keine Änderungen.

Eine Schwäche der Übersichtsarbeit – das merken auch die Autorinnen und Autoren kritisch an – ist die Tatsache, dass nur Beobachtungsstudien ausgewertet werden konnten. Damit sind die Ergebnisse nur bedingt aussagekräftig. Neue, gut gemachte Studien könnten hier in Zukunft mehr Klarheit bringen.

(Autorinnen: A. Kny / V. Ahne, Review: B. Kerschner, M. Flamm)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Callinan u.a. (2010)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 50 Beobachtungsstudien
Fragestellung: Haben gesetzliche Rauchverbote gesundheitliche und andere Auswirkungen?
Interessenkonflikte: keine angegeben

Legislative smoking bans for reducing secondhand smoke exposure, smoking prevalence and tobacco consumption. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 4. Art. No.: CD005992 (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Frazer u.a. (2016)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 77 Beobachtungsstudien
Fragestellung: Welche gesundheitlichen und anderen Auswirkungen haben gesetzliche Rauchverbote?
Interessenkonflikte: keine angegeben

Legislative smoking bans for reducing harms from secondhand smoke exposure, smoking prevalence and tobacco consumption. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 2. Art. No.: CD005992 (Volltext)

[3] Jaakkola u.a. (2006)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: keine näheren Angaben
Fragestellung: Welche Auswirkungen haben Rauchverbote am Arbeitsplatz?
Interessenkonflikte: keine angegeben

Impact of smoke-free workplace legislation on exposure and health: possibilities for prevention. Eur Respir J. 2006 Aug;28(2):397-408 (Übersichtsarbeit im Volltext)

[4] Frazer u.a. (2016)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 17 Beobachtungsstudien
Fragestellung: Welche Auswirkungen haben Rauchverbote in Institutionen wie Universitäten, Krankenhäusern und Gefängnissen?
Interessenkonflikte: keine angegeben

Impact of institutional smoking bans on reducing harms and secondhand smoke exposure. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 5 (Volltext der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[5] Statistik Austria (2015)
Rauchen. Abgerufen am 27.01.2017 unter http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/gesundheitsdeterminanten/rauchen/index.html

[6] UpToDate (aktualisiert 2016)
Samet u.a., Secondhand smoke exposure: Effects in adults. In Lin FH (ed.). Abgerufen am 31.1.2017 unter https://www.uptodate.com/contents/secondhand-smoke-exposure-effects-in-adults?source=search_result&search=secondhand%20smoke&selectedTitle=2~129

[7] Deutsche Krebsgesellschaft (aktualisiert 2017)
Rauchen und Krebs. Abgerufen am 31.1.2017 unter https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/rauchen-und-krebs.html