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Rauchen: Aufhören verlängert Leben

Mit dem Rauchen aufzuhören verlängert das Leben.

Ein Rauchstopp verlängert das Leben.

Rauchen ist zweifelsfrei ungesund. Aber wie steht es um die Lebenserwartung von Männern und Frauen, die es geschafft haben, mit dem Qualmen aufzuhören?

 

Frage:Verlängert es das Leben, mit dem Rauchen aufzuhören?
Antwort:Ja
Erklärung:Die Antwort ist eindeutig: Ja. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann das eigene Risiko, verfrüht zu sterben, stark reduzieren. Und je früher der Rauchstopp gelingt, umso mehr nähert sich das Risiko an jenes von Leuten an, die nie geraucht haben.

In vielen Ländern Europas sind die Zahlen der Nikotinabhängigen in den letzten Jahren gesunken. In Österreich ist dieser Trend nur teilweise festzustellen. Das Land zählt zu den europäischen Schlusslichtern, was Prävention und Nichtraucherschutz angeht.

2014 rauchte hierzulande jeder und jede Vierte ab 14 Jahren täglich (27 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen), weitere 6 Prozent Männer und 5 Prozent Frauen rauchen gelegentlich. Während bei Männern der Anteil der täglichen Raucher seit den 1970er Jahren stetig sinkt (von damals 39 Prozent), haben Mädchen und Frauen nachgezogen. 2014 griff schon eines von fünf Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren jeden Tag zur Zigarette, bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren waren es sogar fast 30 Prozent [6].

Die Folgen sind bekannt. Die drei häufigsten Krankheiten, die durch das Rauchen ausgelöst oder stark befördert werden, sind Herz-Kreislauf Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, Lungenkrebs sowie die umgangssprachlich als „Raucherlunge“ bezeichnete chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD [7].

In vielen Fällen verlaufen die Krankheiten tödlich. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jedes Jahr sechs Millionen Menschen weltweit an den Folgen von Tabakrauch sterben. Darunter sind auch 600.000 Menschen, die selbst gar nicht rauchen, sondern durch Passivrauchen geschädigt werden [7, 8].

Doch es gibt gute Nachrichten: Wer es schafft, sich vom Glimmstängel loszusagen, kann die eigenen Überlebenschancen wieder erhöhen.

Aufhören senkt Risiko bei Frauen

In einer großen englischen Studie hatten Frauen, die bereits zu Beginn der Studie Raucherinnen waren, ein dreimal höheres Sterberisiko als Frauen, die nie geraucht hatten. Der regelmäßige Griff zur Zigarette verkürzte das Leben der Raucherinnen um durchschnittlich zehn oder mehr Jahre [1].

Ein Rauchstopp hingegen senkte das Risiko für einen frühzeitigen Tod wieder deutlich – je früher, umso mehr. Gelang es den Frauen bis zu einem Alter von 35, mit dem Rauchen wieder aufzuhören, lag ihr Risiko vorzeitig zu versterben nur noch wenig höher als bei eingefleischten Nichtraucherinnen. Unter den Frauen, die den Rauchstopp bis 45 schafften, lag es nur um ein Fünftel höher als bei Nikotin-Abstinenten.

Nicht ganz wegzukriegen war allerdings der Schaden, den die Zigaretten an den Lungen bereits verursacht hatten: Selbst bei den frühen Ex-Raucherinnen war die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu sterben, noch immer doppelt so hoch wie bei den Nichtraucherinnen [1].

Auch Männer und Ältere profitieren vom Rauchstopp

Auf Zigaretten und andere Rauchwaren zu verzichten, bringt auch Männern Lebenszeit zurück, fand beispielsweise eine britische Studie an Ärzten, die über einen Zeitraum von 50 Jahren hinweg begleitet wurden [3].

Auch hier hatten die frühen Aussteiger die besten Chancen: Ärzte, die mit 30 Jahren zu rauchen aufgehört hatten, konnten ihr Leben um zehn oder mehr Jahre verlängern. Spät-nicht-mehr-Zünder, die erst mit 60 Jahren das Rauchen sein ließen, gewannen im Vergleich zu ihren weiterrauchenden Kollegen immerhin noch drei Lebensjahre.

Den gleichen Effekt fanden weitere Untersuchungen – ob eine Zusammenfassung von 17 Studien an älteren Menschen [4], eine Arbeit aus Norwegen [2] oder eine kleine chinesische Studie, die Männer und Frauen über 35 Jahre hinweg begleitet hat [5]: Mit dem Rauchen aufzuhören verlängert die Lebenszeit. Vielleicht nicht ganz auf die Lebenserwartung von Menschen, die gar nie geraucht haben, aber doch deutlich im Vergleich zu jenen, die unbeirrbar weiterrauchen.

Und dieser Effekt gilt bis ins hohe Alter – eine besonders ermutigende Erkenntnis für alle, die schon länger über einen Rauchstopp nachdenken. Ganz abgesehen von den vielen positiven Effekten, die sich bereits unmittelbar nach der letzten Zigarette einstellen – vom „guten Atem“ über die bessere geistige und körperliche Fitness bis hin zu mehr Geld in der Tasche –, dankt der Organismus selbst einen Rauchstopp mit 80 Jahren noch durch einem Zugewinn an Lebenszeit [4].

Fazit:

Die Zusammenschau aller Studien zeigt, dass es in jedem Alter Vorteile bringt, vom Rauchen wieder loszukommen. Je früher der Rauchstopp gelingt, umso mehr sinkt das Risiko, an einer der vielen Krankheiten zu sterben, die durch das Rauchen ausgelöst oder befördert werden.

Am allerbesten jedoch ist es ohne jeden Zweifel – und messbar in absoluter Lebenszeit –, erst gar nicht damit anzufangen.

[Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels erschien am 29.11.2012. Eine neuerliche Literatursuche brachte eine neue Studie, die die ursprüngliche inhaltliche Aussage unterstreicht. Sie wurde in die Aktualisierung vom 15.7.2014 aufgenommen. Im Jänner 2017 wurden Eckdaten aktualisiert, und der Text wurde ohne neuerliche Update-Suche überarbeitet. ]

 

Die Studien im Detail

Beim Rauchen ist es klarerweise nicht möglich, eine kontrollierte Versuchsanordnung „Rauchen gegen Nichtrauchen“ zu machen: Man kann ja nicht Menschen nach dem Zufallsprinzip den verschiedenen Gruppen zuteilen und sie dann zum Rauchen (oder Nichtrauchen) „zwingen“. In solchen Fällen ist die Medizin auf die Beobachtung der Bevölkerung angewiesen, um Aussagen treffen zu können. Bei einer ausreichend großen Anzahl von Studienteilnehmern und -teilnehmerinnen können auch aus solchen Kohortenstudien belastbare Ergebnisse abgeleitet werden – vor allem, wenn die Daten so eindeutig und gleichbleibend in eine bestimmte Richtung weisen, wie das beim Rauchen seit vielen Jahren der Fall ist.

Rauchende Frauen, …

So wurden in einer großen englischen Kohortenstudie rund 1,2 Millionen Frauen zwischen 50 bis 69 Jahren durchschnittlich zwölf Jahre lang beobachtet und auf ihr Rauchverhalten hin untersucht [1]. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die bereits zu Beginn der Studie Raucherinnen waren, ein dreimal höheres Sterberisiko hatten als Nichtraucherinnen. Insgesamt verkürzte fortgesetztes Rauchen die Lebenszeit der Studienteilnehmerinnen um durchschnittlich zehn oder mehr Jahre.

Wenn es die Frauen jedoch schafften, mit dem Rauchen aufzuhören, konnten sie dieses Risiko deutlich senken. Gelang der Rauchstopp schon früh bis zu einem Alter von 35, lag das Risiko für einen vorzeitigen Tod nur geringfügig höher als bei Frauen, die gar nie geraucht hatten. Jene, die bis 45 mit dem Rauchen aufhörten, hatten ein um ein Fünftel höheres Sterberisiko.

Ganz ungeschehen ließ sich das durch Zigaretten erhöhte Lungenkrebsrisiko allerdings nicht mehr machen: Von den Exraucherinnen der ersten Gruppe – Rauchstopp bis 35 –, starben noch immer fast doppelt so viele an Lungenkrebs wie unter den lebenslangen Nichtraucherinnen; bei Frauen, die bis 45 zu rauchen aufgehört hatten, war das Risiko dreimal so hoch.

… rauchende Ärzte…

Eine britische Kohortenstudie an 34 500 Ärzten, die über 50 Jahre hinweg begleitet wurden, weist in dieselbe Richtung: Jene Männer, die mit 30 Jahren zu rauchen aufgehört hatten, konnten damit ihr Leben durchschnittlich um zehn oder mehr Jahre verlängern [3]. Ärzte, die mit 60 Jahren das Rauchen sein ließen, gewannen im Vergleich zu ihren weiterhin rauchenden Kollegen immerhin noch drei Lebensjahre.

… und die Allgemeinbevölkerung

Gleichlautend das Ergebnis einer systematischen Übersichtsarbeit von 17 Kohortenstudien mit insgesamt 1,2 Millionen älteren Menschen [4]. Auch hier lebten ehemalige Raucher und Raucherinnen im Durchschnitt zwar kürzer als Menschen, die niemals geraucht haben, aber deutlich länger als Menschen, die gar nicht vom Nikotin wegkamen.

Es starben beinahe doppelt so viele Raucher und Raucherinnen einen vorzeitigen Tod wie eingefleischte Nikotinverweigerer. Mit dem Rauchen aufzuhören senkte dieses Risiko. Im Vergleich zu Nichtrauchern verstarben nur um ein Drittel mehr Ex-Raucher oder Ex-Raucherinnen vorzeitig. Der positive Effekt eines Rauchstopps wirkte sogar noch im hohen Alter. Selbst wer erst mit 80 das Rauchen sein ließ, konnte noch Lebenszeit gewinnen.

(AutorIn: A. Kny, B. Kerschner, Review: M. Flamm, C. Christof, V. Ahne)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Pirie u.a. (2012)
Studientyp: Kohortenstudie
Studiendauer: durchschnittlich 12 Jahre
Teilnehmerinnen insgesamt: 1 311 943 Frauen
Fragestellung: Welche Gefahren hat das Rauchen für Frauen und was sind die Vorteile eines Rauchstopps? Mögliche Interessenkonflikte: keine laut Autoren

The 21st century hazards of smoking and benefits of stopping: a prospektive study of one million women in the UK. Lancet. 2012 Oct 26 (Studie im Volltext)

[2] Vollset u.a. (2006)
Studientyp: Kohortenstudie
Studiendauer: 10 Jahre
Teilnehmende insgesamt: 24 505 Frauen und 25 034 Männer
Fragestellung: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Rauchen und Tod bei Menschen zwischen 40 und 70 Jahren?
Mögliche Interessenkonflikte: keine laut Autoren

Smoking and Deaths between 40 and 70 Years of Age in Women and Men. Ann Intern Med. 2006 Mar 21;144(6):381-9 (Zusammenfassung der Studie)

[3] Doll u.a. (2004)
Studientyp: Kohortenstudie
Studiendauer: durchschnittlich 50 Jahre
Teilnehmer insgesamt: 34 439 männliche Ärzte
Fragestellung: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Sterblichkeit und Rauchen bei Männern?
Mögliche Interessenkonflikte: keine laut Autoren

Mortality in relation to smoking: 50 years observations on male British doctors. BMJ, 2004 Jun 26;328(7455):1519 (Volltext der Studie)

4) Gellert u.a. (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 17 Kohortenstudien
Teilnehmende insgesamt: 1.228.366
Fragestellung: Zusammenhang von Rauchen und Mortalität bei älteren Menschen
Mögliche Interessenkonflikte: keine laut Autoren

Smoking and All-Cause Mortality in Older People“ Arch Intern Med. 2012 Jun 11;172(11):837-44 (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[5] He u.a. (2014)
Studientyp: Kohortenstudie
Teilnehmende: 1696
Dauer: 35 Jahre
Fragestellung: Reduziert ein Rauchstopp das Risiko für Tabak-assoziierte Erkrankungen mit Todesfolge im Vergleich zu Personen, die weiterrauchen?
Mögliche Interessenkonflikte: keine laut Autoren

He Y, Jiang B, Li LS, Li LS, Sun DL, Wu L, Liu M, He SF, Liang BQ, Hu FB, Lam TH. Changes in smoking behavior and subsequent mortality risk during a 35-year follow-up of a cohort in Xi’an, China. Am J Epidemiol. 2014 May 1;179(9):1060-70 (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[6] Statistik Austria
Rauchen. Abgerufen am 19.1.2017 unter http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/gesundheitsdeterminanten/rauchen/index.html#index1

[7] UpToDate (2012)
Rigotti u.a. Benefits and risks of smoking cessation. Abgerufen am 19.1.2017 unter http://www.uptodate.com/contents/benefits-and-risks-of-smoking-cessation?source=search_result&search=rauchen&selectedTitle=3%7E150

[8] WHO Media Center (2016)
Fact Sheet Tobacco. Updated June 2016. Abgerufen am 20.1.2017 unter http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs339/en/