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Rauchen: Aufhören verlängert Leben

Rauchstopp verlängert Leben

Rauchstopp verlängert Leben

Aktualisiert: Rauchen ist ungesund, dies ist mittlerweile jedem bekannt. Aber wie steht es um die Gesundheit von Ex-Rauchern? Mit dem Rauchen aufzuhören bringe zumindest Frauen viele Lebensjahre zurück, schreibt „Heute“. Bisher veröffentlichte Studien zeigen: dies gilt auch für Männer. (Ursprünglich veröffentlicht am 29.11.2012)
 
 

Zeitungsartikel: Rauchstopp bringt Frauen längeres Leben (13.11.2012, Heute online)
Frage:Verlängert mit dem Rauchen aufzuhören das Leben?
Antwort:Ja
Erklärung:Ja, gibt man das Rauchen auf, kann man sein persönliches Risiko verfrüht zu sterben stark reduzieren. Je früher man Nichtraucher wird, desto mehr nähert sich das Risiko an jenes der Leute an, die noch nie geraucht haben.

[Aktualisiert am 15.7.2014: Eine neue Studie [5] unterstreicht die inhaltliche Aussage (Änderungen kursiv)]

„Wer das Rauchen aufgibt, verringert das Risiko tödlicher Herz- und Lungenerkrankungen.“ Dieser Satz mag einigen Rauchern bekannt vorkommen – er ist auf Zigarettenpackungen in ganz Österreich zu lesen. Dass Nichtrauchen gesünder ist als Rauchen ist seit langem bekannt. Aber wie verändert sich das Krankheits- und Sterberisiko tatsächlich, wenn man das Rauchen aufgibt?

„Heute online“ berichtet in einem Artikel, dass Frauen, welche vor ihrem 40.Geburtstag mit dem Rauchen aufhören ganze 9 Lebensjahre dazu gewinnen im Vergleich zu denen, die weiterrauchen. Stimmt das? Und gilt diese Aussage nur für Frauen, oder profitieren auch Männer von einem frühen Rauchstopp?

In Österreich frönte im Jahr 2006/07 ca. jeder 4. Mann und jede 5. Frau dem blauen Dunst [6]. 6 Millionen Menschen weltweit sterben jährlich an den Folgen von Tabakrauch, für das Jahr 2030 werden gar 8 Millionen Todesfälle jährlich prognostiziert [7]. Die drei häufigsten, mit dem Rauchen assoziierten Erkrankungen sind Herz-Kreislauf Erkrankungen (wie Herzinfarkt oder Schlaganfall), Lungenkrebs und die umgangssprachlich als „Raucherlunge“ bezeichnete chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) [7].

Aufhören senkt Risiko bei Frauen

Eine groß angelegte Kohortenstudie aus Großbritannien beobachtete rund 1,2 Millionen Frauen zwischen 50 bis 69 Jahren durchschnittlich 12 Jahre lang und analysierte deren Rauchverhalten [1]. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die bereits zu Beginn der Studie Raucher waren, ein 3-mal höheres Sterberisiko hatten als Nichtraucherinnen.

Dieses Risiko konnte durch einen Rauchstopp allerdings deutlich gesenkt werden. Der Anteil derjenigen Frauen, die verfrüht starben, war unter Raucherinnen, die bis zum Alter von 35 aufgehört hatten, nur geringfügig höher als unter Frauen, die nie geraucht hatten. Dabei war Lungenkrebs dennoch annähernd doppelt so häufig die Todesursache wie bei Nichtraucherinnen. Der Anteil verfrüht gestorbener Frauen, die sich das Rauchen vor dem 45. Geburtstag abgewöhnt hatten, war um etwa ein Fünftel größer als bei Nichtraucherinnen. Lungenkrebs stellte dabei mehr als dreimal häufiger die Todesursache dar [1]. Insgesamt verkürzte fortgesetztes Rauchen die Lebenszeit bei Frauen um durchschnittlich 10 oder mehr Jahre [1].

Eine wesentlich kleinere Kohortenstudie aus Norwegen führte zu ähnlichen Ergebnissen, wobei hier sowohl männliche als auch weibliche Probanden untersucht wurden [2]. Ein chinesisches Wissenschaftlerteam kommt in einer sehr kleinen Kohortenstudie über 35 Jahre zum selben Schluss: mit dem Rauchen aufzuhören verlängert die Lebenszeit [5].

Auch Männer und Ältere profitieren

Auch Männern bringt das Aufhören mit dem Rauchen zusätzliche Lebenszeit zurück, wie die Ergebnisse einer britischen Kohortenstudie an 34.500 männlichen Ärzten über einen Zeitraum von 50 Jahren zeigen. Auch wenn die Anzahl der untersuchten Raucher viel geringer war als jene an 1,2 Millionen Frauen, sind die Daten vielversprechend. Jene Männer, die mit 30 Jahren aufhörten, verlängerten damit ihr Leben um 10 oder mehr Jahre. Doch auch jene, die erst mit 60 das Rauchen sein ließen, gewannen im Vergleich mit ihren weiter rauchenden Kollegen 3 Jahre zurück. [3].

Eine kürzlich veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse von insgesamt 17 Kohortenstudien an insgesamt 1,2 Millionen älteren Menschen zusammen. Darin zeigt sich einmal mehr, dass ehemalige Raucher im Durchschnitt zwar kürzer leben als Menschen, die niemals geraucht haben, aber doch deutlich länger als wenn weitergeraucht wird. So starben in den analysierten Studien etwas weniger als doppelt so viele Raucher verfrüht wie Nichtraucher. Unter jenen, die zu rauchen aufgehört hatten, waren es nur etwa ein Drittel mehr. Das Besondere an den Ergebnissen: selbst wer im hohen Alter, etwa mit 80 Jahren, das Rauchen sein lässt, kann Lebenszeit gewinnen [4].

Allgemein kann zusammengefasst werden, dass das Aufgeben von Rauchen in jedem Alter Vorteile mit sich bringt. Je früher dies geschieht, desto geringer sind die Risiken an einer Raucher-assoziierten Krankheit zu sterben. Jedoch ist das Risiko immer noch höher als bei Nichtrauchern, so ist es nach wie vor am besten, erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen.

(Autoren: A. Kny, B. Kerschner, M. Flamm, C. Christof)

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Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Pirie u.a. (2012)
Studientyp: Kohortenstudie
Studiendauer: durchschnittlich 12 Jahre
Teilnehmer insgesamt: 1 311 943 Frauen
Fragestellung:  Die Gefahr von Rauchen und die Vorteile von Rauchstopp bei Frauen
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „The 21st century hazards of smoking and benefits of stopping: a prospektive study of one million women in the UK“ Lancet. 2012 Oct 26. (Studie im Volltext)

[2] Vollset u.a. (2006)
Studientyp: Kohortenstudie
Studiendauer: 10 Jahre
Teilnehmer insgesamt: 24 505 Frauen und 25 034 Männer (40-70 Jahre)
Fragestellung: Zusammenhang zwischen Rauchen und Tod bei Menschen zwischen 40 und 70 Jahren
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „Smoking and Deaths between 40 and 70 Years of Age in Women and Men“ Ann Intern Med. 2006 Mar 21;144(6):381-9. (Zusammenfassung der Studie)

[3] Doll u.a. (2004)
Studientyp: Kohortenstudie
Studiendauer: durchschnittlich 50 Jahre
Teilnehmer insgesamt: 34.439 männliche Ärzte
Fragestellung: Zusammenhang zwischen Sterblichkeit und Rauchen bei Männern
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „Mortality in relation to smoking: 50 years observations on male British doctors“.BMJ. 2004 Jun 26;328(7455):1519. (Studie im Volltext)

4) Gellert u.a. (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 17 Kohortenstudien
Teilnehmer insgesamt: 1.228.366
Fragestellung: Rauchen und Mortalität bei älteren Menschen
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „Smoking and All-Cause Mortality in Older People“ Arch Intern Med. 2012 Jun
11;172(11):837-44. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[5] He u.a. (2014)
Studientyp: Kohortenstudie
Teilnehmer: 1696
Dauer: 35 Jahre
Fragestellung: Reduziert mit dem Rauchen aufzuhören das Risiko für Tabak-assoziierte Erkrankungen mit Todesfolge im Vergleich zu Personen, die weiterrauchen?
Mögliche Interessenskonflikte: keine laut Autoren

He Y, Jiang B, Li LS, Li LS, Sun DL, Wu L, Liu M, He SF, Liang BQ, Hu FB, Lam TH. Changes in smoking behavior and subsequent mortality risk during a 35-year follow-up of a cohort in Xi’an, China. Am J Epidemiol. 2014 May 1;179(9):1060-70. (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[6] Statistik Austria, abgerufen unter http://www.statistik.at am 14. 11. 2012

[7] Rigotti NA u.a. (2012). Benefits and risks of smoking cessation. In Lin FH(ed.).UpToDate. abgerufen unter http://www.uptodate.com am 14.11.2012