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Mit Ultraschall gegen Hausstaubmilben

Die Hausstaubmilbe ernährt sich von abgefallenen Hautschuppen

Kleine Spinnentiere bevölkern zu tausenden unsere Matratzen. Für Allergiker ist das ein Gesundheitsproblem. Können Ultraschallgeräte helfen?

Frage:Helfen Ultraschallgeräte gegen Hausstaubmilben?
Antwort:unklar
Erklärung: Es existieren nur dubios veröffentlichte Studien, deren Qualität und Aussagekraft nicht beurteilt werden kann. Die Wirksamkeit der Ultraschallgeräte ist folglich ungeklärt.

Die Vorstellung ist zugegebenermaßen nicht sehr appetitlich: In jeder Matratze leben tausende kleine Milben. Für sie ist dieser Lebensraum aufgrund von unserem nächtlich abgesondertem Schweiß und abgestorbener Haut das reinste Schlaraffenland.
 
Aber auch wenn uns der Gedanke an die kleinen Spinnentiere nicht gerade in verschlafene Kuschelstimmung versetzt, stellen sie für die meisten Menschen keine gesundheitliche Beeinträchtigung dar. Anders ist es für Hausstaub-Allergiker – die reagieren mit Niesen, Hautirritationen und zugeschwollenen Augen. Und wollen die Tierchen entsprechend loswerden.

Ultraschall ultra-wirksam?

Allergien sind oft langwierig und die auslösenden Stoffe können in vielen Fällen kaum vermieden werden. Das führt nicht nur zu anhaltenden Beeinträchtigungen, sondern auch zu einem riesigen Markt an Produkten für Allergiker.
 
Für die Hausstaubgeplagten wird ein Gerät angeboten, das angeblich mit Hilfe von Ultraschall die Milbenflut reduzieren kann. Der Hersteller behauptet, das Gerät “sendet Ultraschallimpulse aus, die die Fortpflanzungsorgane der Milben schädigen und sie dadurch nach und nach eliminieren. Schon nach 3 Wochen hat sich die Milbenpopulation drastisch reduziert. Die Effektivität ist wissenschaftlich erwiesen. Klinische Studien liegen vor.”
 
Also einfach das steckerartige Ding in die Steckdose befördern und schon ist die Milbenplage überstanden? Leider nein, denn die Beweise, dass das Gerät funktioniert fehlen und ob der Ultraschall überhaupt etwas ausrichtet, wird auch von einer Expertin bezweifelt.

Unveröffentlicht

Auf der Seite eines Herstellers [a] werden zwar tatsächlich Studien angegeben, drei davon sind allerdings nur als kurze Zusammenfassungen bei Konferenzen veröffentlicht. Diese Zusammenfassungen enthalten zu wenig Information, um die Aussagekraft der Studien überprüfen zu können.
 
Auch bei der vierten Arbeit fehlen sowohl genaue Angaben über die Methode als zur statistischen Auswertung der Ergebnisse.
Immerhin hat das Gerät auch eine blaue Leuchtdiode und kann so als kleines Nachtlicht den Geplagten ins Bett helfen.

Was tun bei Allergie?

Laut dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) lässt sich die Belastung durch Hausstaubmilben am ehesten durch ein ganzes Maßnahmenpaket lindern [b]: den Boden feucht wischen, Bettzeug regelmäßig mit über 55 Grad Celsius waschen und die Matratze mit einem milbendichten Bezug ausstatten.
 
Zusätzlich sollten Staubfänger wie Polstermöbel oder dicke Teppiche wenn möglich entfernt werden. Eventuell können auch Anti-Milben-Sprays mit Pestiziden gegen Milben und Zecken helfen, indem sie unter die Matratzenbezüge gesprüht werden.

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner)

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Quellen

[a] Drontek Ltd., Electronic Device against Mite Allergy – Scientific Documentation, 2006, http://www.livingiseasy.co.uk/Research%20Files/dust_mite_controller_research_clinical_trials_3.pdf

[b] IQWIG über allergischen Schnupfen und die Vermeidung von Allergenen https://www.gesundheitsinformation.de/allergischer-schnupfen-nicht-medikamentose.2419.de.html?part=vorbeugung-hi