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Mit Laser gegen Kurzsichtigkeit

©iStockphoto.com/IngaIvanova

Perfekt sehen ohne Brille?

Eine Laserbehandlung der Augen kann in vielen Fällen erreichen, dass Brille und Kontaktlinsen nicht mehr gebraucht werden. Die Technik entwickelt sich rasend schnell, News stellte die unterschiedliche Operationsmethoden vor – und wir prüfen auf Anfrage die Studienlage zu den drei wichtigsten Varianten.

Zeitungsartikel: Augen-OPs im Check (27.4.2013, News)
Frage:Welche der drei häufigsten Augen-OPs mit Laser erzielt die besten Ergebnisse und hat die geringsten Nebenwirkungen?
Antwort:Werden nur neue Studien betrachtet, so sind alle drei Techniken gleichermaßen erfolgreich. Wahrscheinliche Vorteile von LASIK: weniger Schmerzen nach der OP und rascher eine gute Sicht.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die geringe Überlegenheit von LASIK

LASEK, LASIK und PRK sind die jeweiligen Abkürzungen für die drei gängigsten Methoden, mit Hilfe eines Lasers die Fehlsichtigkeit im Zuge eines kurzen operativen Eingriffs zu korrigieren. Sie unterscheiden sich in der Art, wie die Hornhaut vor dem Eingriff mit dem Laser behandelt wird.

Die Methoden und ihre Vorteile

Bei der photorefraktiven Keratektomie (PRK) wird eine dünne Schicht (Epithelschicht) der Hornhaut entfernt und nach der Behandlung mit dem Laser nicht wieder verwendet. Diese Schicht muss sich nach dem Eingriff also wieder gänzlich regenerieren. Bei LASEK wird das Epithel mit Alkohol angelöst, zur Seite geschoben und nach dem Eingriff wieder dort platziert, wo es hingehört. Die Eingriffe werden unter einer lokalen Betäubung der zu behandelnden Oberflächen durchgeführt.

LASIK wiederum zeichnet sich dadurch aus, dass eine Tasche in die Epithelschicht geschnitten und zur Seite geklappt wird. Das kann mit einem chirurgischen Werkzeug oder einem Speziallaser erfolgen. Wie bei den anderen Methoden auch, wird dann die Hornhaut mit einem Laser bearbeitet. Dann wird die Tasche wieder zugeklappt. LASIK hat also den Vorteil, dass die Epithelschicht bis auf einen kleinen Schnitt nicht beansprucht wird. Aber hat das auch wirklich Vorteile für den Patienten?

Sichtbare Erfolge

Eine aktuelle Übersichtsarbeit vergleicht LASIK mit PRK [1] und findet tatsächlich, dass bei LASIK die Patienten schneller gut sehen und weniger Schmerzen nach der OP haben. Langfristig gesehen sind die Methoden allerdings gleich erfolgreich, was die Korrektur der Fehlsichtigkeit betrifft. Noch ist die Studienlage allerdings recht dünn, neue und große Studien könnten an dieser Einschätzung noch etwas ändern. Eine Übersichtsarbeit von 2010 [2] findet keine Unterschiede zwischen LASEK und PRK, weder bei den langfristigen Erfolgen, noch bei den Nebenwirkungen. Nach der OP kann die Sicht einige Zeit getrübt sein, bei der PRK ist das Risiko dafür höher. Bei allen Methoden wird nur in sehr seltenen Fällen nach sechs bis zwölf Monaten ein schlechteres Sehvermögen festgestellt. Bei Patienten mit schlechter Wundheilung kann es zu Narbenbildung auf der Hornhaut kommen, die ebenfalls das Sehvermögen beeinflussen kann [1].

Nach dem derzeitigen Stand führen alle drei Methoden also zu sehr guten Ergebnissen, die laut ersten Langzeitstudien [3] auch nachhaltig sein dürften. Die Entscheidung, welche Methode bei welchem Patienten zum Einsatz kommt, kann also ganz von den Eigenschaften und Wünschen des Patienten abhängig gemacht werden – denn nicht jede Methode ist für jeden Patienten geeignet. Ausschlaggebend sind unter anderem die Art und der Grad der Fehlsichtigkeit, der Zustand der Hornhaut und ob andere Erkrankungen vorliegen, die mit der Augen-OP wechselwirken könnten. Für den Erfolg sind außerdem der verwendete Laser, die Qualitätskontrolle in den Behandlungszentren und vor allem auch die Erfahrung des Operateurs entscheidend [1].

Ständig Neues

Die Technik auf diesem Gebiet macht rasende Fortschritte, ältere Studien führen daher zu anderen Ergebnissen als neuere [1]. Ergebnisse von vor ein paar Jahren sind heute nicht mehr aussagekräftig, weil sich die Behandlungsmethode verändert hat. Langzeitstudien beziehen sich folglich auch immer auf den Stand der damaligen Technik, lassen aber jetzt schon darauf schließen, dass die Laserbehandlungen sicher und nachhaltig sind [1][2][3].

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, P. Mahlknecht)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Shortt u.a. (2013)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: 13
Teilnehmer insgesamt: 1135
Fragestellung: Vergleich von PRK und LASIK
Mögliche Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Shortt AJ, Allan BDS, Evans JR. Laser-assisted in-situ keratomileusis (LASIK) versus photorefractive keratectomy (PRK) for myopia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 1. Art. No.: CD005135 (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Zhao u.a. (2010)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 13
Fragestellung: Vergleich LASEK mit PRK
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben.

Zhao LQ, Wei RL, Cheng JW, Li Y, Cai JP, Ma XY. Meta-analysis: clinical
outcomes of laser-assisted subepithelial keratectomy and photorefractive
keratectomy in myopia. Ophthalmology. 2010 Oct;117(10):1912-22.
(Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[3] Alio u.a. (2008)
Studientyp: Langzeitstudie (10 Jahre)
Teilnehmer insgesamt: 70 Patienten nach einem LASIK – Eingriff
Fragestellung: Langzeitwirkungen nach einer LASIK- Augenoperation
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Alió JL, Muftuoglu O, Ortiz D, Pérez-Santonja JJ, Artola A, Ayala MJ, Garcia
MJ, de Luna GC. Ten-year follow-up of laser in situ keratomileusis for myopia of
up to -10 diopters. Am J Ophthalmol. 2008 Jan;145(1):46-54.
(Zusammenfassung der Studie)

Weitere Quellen

Universitätsaugenklinik der PMU Salzburg Beschreibung der unterschiedlichen Techniken, abgerufen am 17. 9. 2013 unter http://www.visionplus.at/refraktive.html