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Kondome verhindern ungewollte Schwangerschaften und schützen vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Laut einem Artikel auf die-frau.at machen sie jedoch Frauen depressiv. Kann das stimmen?

Zeitungsartikel: Kondome machen Frauen depressiv (1.2.2013, die-frau.at)
Frage:Führt die Verwendung von Kondomen bei Frauen zu Depressionen?
Antwort:unklar
Erklärung:Eine Studie, die exakt diese Frage untersucht, wurde nicht gefunden. Einige wissenschaftliche Arbeiten mit breiter Fragestellung führen eher zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang von Depressionen und Kondomverwendung gibt.

Das Kondom hat mächtige Feinde: Die katholische Kirche und die Konzentrations-zerstörende Wirkung von sexueller Erregung. Während erstere den Gebrauch verbieten will, sorgt letztere dafür, dass der Gebrauch gelegentlich misslingt oder gar nicht erst zur Sprache kommt. Das ist dumm, denn das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV oder Tripper schützt. Wie jede Verhütungsmethode, hat auch das Kondom Nachteile, dass es bei Frauen Depressionen auslöst, ist jedoch nirgends dokumentiert.

Vielleicht weniger vergnüglich

Wir haben keine Studie gefunden, die genau untersucht, ob die Verwendung von Kondomen beim Sex bei Frauen zu Depressionen führen kann. Einige Studien, bei denen sowohl zu Depression als auch zu sexuell übertragbaren Krankheiten geforscht wurde, lassen auf sehr indirekte Weise Rückschlüsse zu: So zeigt beispielsweise eine Systematische Übersichtsarbeit von 2012, dass nach HIV-Vorsorge-Kampagnen sowohl der Gebrauch von Kondomen steigt als auch die Depressionen zurück gehen [1]. Eine ähnliche Entwicklung während der Studienphase war auch in einer Untersuchung über HIV-Therapie und geistige Gesundheit zu beobachten [2]. Würden Kondome Depressionen fördern, wäre es unwahrscheinlich, dass bei häufigerem Gebrauch die Depressionen zurückgehen.

Beide Studien untersuchen jedoch nicht die Wirkung von Kondomen auf Frauen, sondern völlig andere Fragen. Sie können also nur als Anregung für neue Studien gesehen werden, nicht als wissenschaftliche Beweislage für unsere Fragestellung.

Laut einer Fragebogenstudie im Jahr 2007 macht Sex mit Kondom weniger Spaß als ohne. Aber erstens war der Effekt bei Männern stärker als bei Frauen und zweitens wurde hier ebenfalls nicht nach Depressionen geforscht [3]. Und zu guter Letzt war die Studie auch methodisch nicht besonders gut.

Keine Verbindung

2012 haben sich die Forscherinnen Paterno und Jordan von der Universität in Baltimore angesehen, welche Faktoren mit ungeschütztem Sex in Verbindung stehen. Sie haben keine Zusammenhänge von Kondomverwendung und Depression gefunden [4]. Auch hier gilt die gleiche Einschränkung – es ist nur ein dezenter Hinweis, die Studie ist nicht geeignet, unsere Frage zu beantworten. Wobei wir nach Durchsicht der Studienlage auch nicht beantworten können, wie der Artikel auf die-frau.at auf die Idee kommt, dass Kondome bei Frauen zu Depressionen führen.

Risikofaktoren für Depression

In der Liste anerkannter Risikofaktoren sind Kondome jedenfalls nicht zu finden. Depressionen haben andere Hintergründe, von der erblichen Vorbelastung, über traumatische Erlebnisse bis hin zu Einsamkeit und Krankheit. Auch Alkohol, Medikamenten-oder Drogenabhängigkeit können Depressionen auslösen oder verstärken. Sowohl Stress als auch Unterforderung sind Risikofaktoren, bei manchen Menschen kann auch Lichtmangel eine Rolle spielen [a.]

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B.Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Lennon u.a. (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse
Teilnehmer insgesamt: 10 Studien mit insgesamt 4195 Frauen
Fragestellung: Sexuelles Risikoverhalten und Depression bei Frauen
Interessenskonflikte: Keine angegeben

Lennon CA, Huedo-Medina TB, Gerwien DP, Johnson BT. A role for depression in sexual risk reduction for women? A meta-analysis of HIV prevention trials with depression outcomes. Soc Sci Med. 2012 Aug;75(4):688-98.
Volltext

[2] Wagner u.a. (2012)
Studientyp: Kohortenstudie
Teilnehmer: 602
Fragestellung: : Spielt Depression eine Rolle bei sexuellem Risikoverhalten im Laufe einer antiretroviralen HIV-Therapie?
Interessenskonflikte: Keine angegeben

Wagner GJ, Ghosh-Dastidar B, Holloway IW, Kityo C, Mugyenyi P. Depression in the pathway of HIV antiretroviral effects on sexual risk behavior among patients in Uganda. AIDS Behav. 2012 Oct;16(7):1862-9
Zusammenfassung

[3] Randolph u.a. (2007)
Studientyp: Kohortenstudie
Teilnehmer: 115
Fragestellung: : Wie wirken sich Kondome auf das sexuelle Vergnügen aus?
Interessenskonflikte: Keine angegeben

Volltext

[4] Paterno, Jordan (2012)
Studientyp: Narrative Übersichtsarbeit
Fragestellung: : Welche Faktoren stehen bei jungen Frauen in den USA in Zusammenhang mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr?
Interessenskonflikte: Keine angegeben

Paterno MT, Jordan ET. A review of factors associated with unprotected sex among adult women in the United States. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs. 2012 Mar;41(2):258-74.
Zusammenfassung

Weitere wissenschaftliche Quellen

[a]IQWIG: Informationen über Depression http://www.gesundheitsinformation.de/depression.2125.de.html