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Mit engen Hosen gegen Cellulite

Kein Wundermittel gegen Orangenhaut

Kein Wundermittel gegen Orangenhaut

Manche Unterwäsche macht eine gute Figur. Laut einem Artikel auf kleinezeitung.at erreicht das ein bestimmtes Produkt nicht nur dadurch, dass es den Frauenkörper in eine ansprechende Form quetscht, sondern auch durch eine wirksame Bekämpfung der Cellulite mittels Massageeffekt und Wirkstoff.
 
 

Zeitungsartikel: Shapen wie die Stars: Marie bringt Sie in Form! (22.1.2014,KleineZeitung.at)
Frage:Helfen spezielle Kleidungsstücke mit dem Wirkstoff Liporeductyl gegen Cellulite?
Antwort:Es gibt nur kleine Studien, die weder methodischen Kriterien standhalten noch wissenschaftlich publiziert wurden. Eine nachhaltige Wirksamkeit ist nicht belegt, was nach derzeitigem Stand auf alle gängigen Mittel gegen Cellulite zutrifft.
Beweislage:
Unzureichende wissenschaftliche Beweislage

Die umgangssprachliche Bezeichnung Zellulitis klingt wie eine Krankheit und ist irreführend; Cellulite ist schließlich kein entzündlicher Prozess, sondern eine bei Frauen extrem weit verbreitete Erscheinung, meist im Bereich von Oberschenkeln und Gesäß. Nach der Pubertät ist die Orangenhaut so weit verbreitet, dass manche Studienautoren sie als „sekundäres weibliches Geschlechtsmerkmal“ verstehen [2]. Für viele Frauen stellt Cellulite jedoch ein kosmetisches Problem dar. Daher gibt es unzählige Therapien auf dem Markt, die dagegen helfen sollen.

Viele Mittel, wenig Studien

Auf kleinezeitung.at wird über Marie berichtet – eine Panty mit Massageeffekt die zusätzlich noch mit einem Wirkstoff besprüht wird. Die Kombination aus figurformender Kleidung und Anti-Cellulite-Kosmetik soll die Orangenhaut wirksam reduzieren. Auf der Herstellerseite wird mit einigen Studien geworben. Ein genauer Blick zeigt sehr schnell, dass deren Aussagekraft gering ist: In einer Studie geht es in erster Linie um die Verträglichkeit, nicht um die Wirksamkeit. Einige Untersuchungen sind Versuche an Zellkulturen, und bei den Studien mit betroffenen Frauen ist die Laufzeit zu kurz, um überhaupt auf langfristige Effekte testen zu können. Neben anderen methodischen Schwächen gibt es jeweils nur sehr wenige Studienteilnehmerinnen, und es wird nie mit aussagekräftiger Statistik gearbeitet.

Doch die im Zeitungsartikel beschriebene Panty mit dem immer wieder aufzutragenden Wirkstoff ist nicht das einzige Cellulite-Produkt, bei dem die Studien äußerst spärlich sind. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit über Anti-Cellulite- Kosmetika findet zwar immerhin 21 Studien, kritisiert aber insgesamt die schlechte Studienqualität, alle oben erwähnten Kritikpunkte finden sich auch hier wieder.[1] Trotzdem fassten die Forscher die Ergebnisse von sieben der 21 Studien in einer Meta-Analyse zusammen. Es zeigte sich ein Hinweis darauf, dass oberflächliche Behandlungen den Oberschenkelumfang reduzieren können. Die Autoren schreiben aber auch, dass diese Reduktion kein guter Maßstab für die Wirkung gegen Cellulite ist, weil diese nicht in erster Linie vom Umfang abhängt. Für keinen Wirkstoff konnte ein Effekt gefunden werden [1].

Was langfristig gegen Cellulite hilft

Nichts [1] [2]. Oder, um es vorsichtiger zu formulieren: Für keine der unzähligen Behandlungsformen existieren gut abgeleitete wissenschaftliche Belege, die für eine Wirksamkeit sprechen. Entsprechend fordern die Autoren der Übersichtsarbeit von 2014 dazu auf, Mittel gegen Cellulite in umfangreichen randomisiert-kontrollierten Studien zu testen. Eine Forderung, die sich kaum erfüllen wird, so lange sich die Mittel auch ohne echten Wirknachweis gut verkaufen.

Cellulite wird nicht nur oberflächlich bekämpft, sondern in manchen Therapien geht es ziemlich zur Sache: Ultraschall, Laser und Massage kommen zum Einsatz. Laut einer Übersichtsarbeit von 2008 erbringen sie einen ähnlich mäßigen Erfolg wie die kosmetischen Behandlungen [2]. Die Studien dokumentieren zwar gelegentlich kurzfristige Effekte, aber auch hier ist die Qualität so gering, dass keine erhellenden Erkenntnisse damit verbunden sind. Oder, wie es die Autoren formulieren: „Jedes Versprechen einer Verbesserung von Cellulite ist reine Spekulation.“

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Turati u.a. (2014)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 21, sieben davon für die Meta-Analyse
Fragestellung: Wie wirksam sind oberflächliche kosmetische Produkte zur Cellulite-Behandlung?
Interessenskonflikte: keine angeführt

Turati F, Pelucchi C, Marzatico F, Ferraroni M, Decarli A, Gallus S, LaVecchia C, Galeone C. Efficacy of cosmetic products in cellulite reduction: systematic review and meta-analysis. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2014 Jan;28(1):1-15
(Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Wanner, Avram (2008)
Studientyp: Nicht-systematische Übersichtsarbeit
Fragestellung: Lässt sich Cellulite wirksam behandeln?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angeführt

Wanner M, Avram M. An evidence-based assessment of treatments for cellulite. J Drugs Dermatol. 2008 Apr;7(4):341-5. Review. (Zusammenfassung der Arbeit)