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Mediterrane Kost für ein gesundes Herz?

Gemüse und Obst als gesunder Bestandteil der Mittelmeerküche

Gemüse und Obst als gesunder Bestandteil der Mittelmeerküche

Die Mittelmeer-Küche scheint besonders gesund zu sein. Die Rede ist allerdings nicht von Pizza und Tiramisu, sondern von Gemüse, Obst, Vollkorn und Olivenöl.

Frage:Senkt eine mediterrane Ernährungsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Antwort:wahrscheinlich Ja
Erklärung:Mehrere große Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährungsweise wahrscheinlich vor Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems schützen kann.

Immer wieder erwähnen Medien und Ratgeber-Bücher die gesundheitsfördernde Wirkung der mediterranen Ernährung. In Mittelmeer-Ländern wie Portugal, Italien, Frankreich oder Spanien ist die Anzahl der Herztoten europaweit am niedrigsten, viele vermuten die Ursache in der dortigen Ernährungsweise.

Gemeint sind mit mediterraner Ernährung allerdings nicht populäre Gerichte wie Pizza, Tiramisu, gegrillten Gyros-Fleischspieße oder spanischer Rohschinken. Die Empfehlungen beziehen sich auf die Ernährungsgewohnheiten, die in den 40er und 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Griechenland, Süditalien und Spanien verbreitet waren. Unter mediterraner Ernährung verstehen Experten demnach vor allem viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Nüsse, wobei Olivenöl die Haupt-Fettquelle darstellt. Milchprodukte (vor allem Käse und Joghurt), Fisch, Geflügel, Eier und Wein sind nur in moderaten Mengen Teil dieser Ernährungsempfehlung, rotes Fleisch soll überhaupt nur selten auf den Speisezettel [4].

Breite Zustimmung

Die zusammengefassten Ergebnisse großer Langzeit-Beobachtungsstudien an an insgesamt über zwei Millionen Studienteilnehmern zeigen: Die mediterrane Ernährung scheint das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden, tatsächlich um rund ein Drittel [2] zu verringern. Neben der Ernährung können sich jedoch auch Dinge wie Rauchen, wenig Bewegung, Übergewicht und vieles andere auf das Herz-Kreislauf-Risiko auswirken. Der Studientyp der Beobachtungsstudien kann nicht ausschließen, dass andere Faktoren als die Mittelmeer-Kost die Ursache für die bessere Herzgesundheit der Studienteilnehmer sind.

Es gibt jedoch klare Hinweise darauf. So sank das Risiko umso stärker, je strenger sich Studienteilnehmer an die Ernährungsempfehlung hielten. Wer nur auf Olivenöl umstellte, aber weiterhin täglich rotes Fleisch und Eier aß, erzielte einen geringeren Effekt als wenn er seine Ernährung konsequent änderte. Studienteilnehmer, die sich in moderatem Ausmaß an die mediterranen Ernährungsrichtlinien hielten, konnten ihr Risiko schon um zehn Prozent verringern. Jene, die sich demnach voll und ganz einer mediterranen Ernährung verschrieben, schienen ihr Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um bis zu einem Viertel gesenkt zu haben [3].

Bekräftigung durch kontrollierte Studien

Streng durchgeführte, randomisiert-kontrollierte Studien können im Gegensatz zu Beobachtungsstudien mit großer Sicherheit ausschließen, dass etwas anderes als die Ernährung für die gefundene Risiko-Veränderung verantwortlich ist. Dabei werden die Teilnehmer zu Studienbeginn zufällig einer von zwei Ernährungsweisen zugelost. Während eine Gruppe eine mediterrane Ernährung vorgeschrieben bekommt, soll sich die Kontrollgruppe im Großen und Ganzen wie bisher ernähren. Am Ende ermitteln Forscher, ob sich Risikofaktoren wie Blutfettwerte im Vergleich zur Kontrollgruppe messbar verbessert haben.

Die zusammengefassten Ergebnisse solcher randomisiert-kontrollierten Studien [5] bekräftigen die bisherigen Erkenntnisse. Auch wenn in den analysierten Studien Herz-Kreislauf-Erkrankungen selbst nicht untersucht worden waren – die zusammengefassten Ergebnisse zeigen eine deutliche Senkung des Cholesterinspiegels. Und der hängt stark mit dem Herz-Kreislaufrisiko zusammen.

Noch aussagekräftiger ist es, wenn eine randomisiert-kontrollierte Studie über einen langen Zeitraum läuft und sich am Ende die Zahl der Teilnehmer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zwischen beiden Gruppen unterscheidet. Die Studie von Estruch [1] ist die bisher größte solche Studie. Die Forscher untersuchten rund 7500 Personen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko. Nach knapp 5 Jahren hatten mediterran ernährende Teilnehmer deutlich weniger ernste Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekommen als in der Vergleichsgruppe, sodass die Studie vorzeitig beendet wurde. Auf zehn Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Vergleichsgruppe waren nur sieben in der Gruppe mit der Mittelmeerkost entfallen.

Mediterrane Ernährung als Allround-Prävention?

Neben einer geringeren Zahl an Herz-Kreislauf-Erkrankten ist auch die Krebsrate in südeuropäischen Mittelmeer-Ländern geringer. Auch hierfür wird der Grund in viel Obst, Gemüseungesättigtem Olivenöl und Co vermutet. Obwohl noch nicht geklärt ist, wie genau dieser Schutz aussieht, unterstützen Ergebnisse von Beobachtungsstudien die Hinweise auf ein verringertes Risiko für das Auftreten von Krebs. Dabei erkrankten um sechs Prozent weniger Teilnehmer an Krebs, wenn diese sich mediterran ernährten [3,4]. Das gilt nicht nur für Krebs oder die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Eine Umstellung auf Mittelmeerkost könnte ganz allgemein die Wahrscheinlichkeit verringern, frühzeitig zu sterben [6].

[Aktualisiert, ursprünglich veröffentlicht am 30.4.2013: Eine neue systematische Übersichtsarbeit [5] bekräftigt die inhaltlichen Aussagen.]

(AutorIn: B. Kerschner, Review: Claudia Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Estruch u.a. (2013)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 7447 Personen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko
Studiendauer: durchschnittlich 4,8 Jahre

Estruch R, Ros E, Salas-Salvadó J, Covas MI, Corella D, Arós F, Gómez-Gracia E, Ruiz-Gutiérrez V, Fiol M, Lapetra J, Lamuela-Raventos RM, Serra-Majem L, Pintó X, Basora J, Muñoz MA, Sorlí JV, Martínez JA, Martínez-González MA; PREDIMED Study Investigators. Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet. N Engl J Med. 2013 Apr 4;368(14):1279-90. (Studie in voller Länge)

[2] Mente u.a. (2009)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: Insgesamt 189 Studien (146 Kohortenstudien, 43 randomisierte kontrollierte Studien)
Teilnehmer: Insgesamt 36 413 (29 209 Kohorten, 7 204 RCT)
Fragestellung: Zusammenhang zwischen Ernährungsfaktoren und koronaren Herzerkrankungen
Mögliche Interessenkonflikte: keine Angaben

Mente A, de Koning L, Shannon HS, Anand SS. A systematic review of the evidence supporting a causal link between dietary factors and coronary heart disease. Arch Intern Med. 2009 Apr 13;169(7):659-69. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[3] Sofi u.a. (2008)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 12 Studien (4 zu kardiovaskulärem Risiko)
Teilnehmer: Insgesamt 1 574 299 (404 491 zu kardiovaskulärem Risiko)
Fragestellung: Auswirkungen einer mediterranen Ernährung auf die Gesundheit
Mögliche Interessenkonflikte: keine Angabe

Sofi F, Cesari F, Abbate R, Gensini GF, Casini A. Adherence to Mediterranean diet and health status: meta-analysis. BMJ. 2008 Sep 11;337:a1344. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[4] Sofi u.a. (2010)
Studientyp: Aktualisierung einer systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 7 zusätzliche Studien (3 zu kardiovaskulärem Risiko)
Teilnehmer: Insgesamt (mit Original) 2 190 627 (534 064 zu kardiovaskulärem Risiko)
Fragestellung: positive Auswirkungen einer mediterranen Ernährung auf die Gesundheit
Mögliche Interessenkonflikte: Keine

Sofi F, Abbate R, Gensini GF, Casini A. Accruing evidence on benefits of adherence to the Mediterranean diet on health: an updated systematic review and meta-analysis. Am J Clin Nutr. 2010 Nov;92(5):1189-96. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[5] Rees u.a. (2013)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 11 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 52.044 (davon der Großteil (48.835 Frauen) in einer Studie)
Fragestellung: Senkt eine mediterrane Ernährungsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Rees K, Hartley L, Flowers N, Clarke A, Hooper L, Thorogood M, Stranges S. ‚Mediterranean‘ dietary pattern for the primary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 8. Art. No.: CD009825. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[6] DynaMed. (2013, 10. April). Mediterranean diet. Ipswich, MA:EBSCO Publishing. Abgerufen am 24. 4. 2013 unter http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=dme&AN=164931&site=dynamed-live&scope=site