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Medikamente oder Sport – was hilft besser?

©iStockphoto.com/roberthyrons

Sollten Ärzte mehr zu Sport raten?

Nach wie vor sterben die meisten Menschen in Österreich an den Folgen von Herz-Kreislauferkrankungen. Patienten mit einer Erkrankung des Herzens werden fast immer medikamentös behandelt. Laut Science.orf.at gibt es aber auch eine alternative Behandlungsmöglichkeit: Sport. Demzufolge sterben besonders Schlaganfallpatienten seltener, wenn sie Sport einer medikamentösen Behandlung vorziehen.

Zeitungsartikel: Sport kann so nützlich sein wie Medikamente(2.10.2013, science.orf.at)
Frage:Kann Sport frühzeitigen Todesfällen nach Herzinfarkten, Schlaganfällen, bei Herzschwäche sowie einer Vorstufe von Diabetes genauso wirksam vorbeugen wie Medikamente?
Antwort:Eine Auswertung mehrerer Meta-Analysen liefert Hinweise, dass Sport frühzeitigen Todesfällen nach Schlaganfällen vorbeugen kann. Nach Herzinfarkten oder bei Diabetes-Vorstufen scheint Sport demnach ähnlich wirksam wie entsprechende Medikamente zu sein. Bei Herzschwäche dürften Medikamente jedoch besser helfen. Dass Sport Medikamente ersetzen kann, lässt sich daraus aber keinesfalls verallgemeinern.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die bessere Wirksamkeit nach Schlaganfällen, vergleichbare Wirksamkeit nach Herzinfarkten und bei Diabetes-Vorstufen und für schlechtere Wirksamkeit bei Herzschwäche.

„Sport ist Mord“ – oder doch nicht? Eine neue Auswertung mehrerer Meta-Analysen untersuchte, ob Sport bei verschiedenen Erkrankungen das Sterberisiko verringern kann. Und ob eine Verschreibung von Sport sogar effektiver ist als die Verabreichung von Medikamenten. Zu den untersuchten Erkrankungen gehörten neben der Herzschwäche auch der Schlaganfall und Vorstufen des Diabetes. Dafür sammelten die Studienverfasser alle in Frage kommenden Meta-Analysen,also Zusammenfassungen über die Auswirkungen von Sport und Medikamenten auf die Sterberate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetesvorstufen. Dabei wird eines schnell klar: Bis jetzt gibt es keine Studien, die beide Behandlungen direkt miteinander vergleichen. Die Autoren griffen daher auf einen statistischen Trick zurück, um die Auswirkung von Sport mit der von Medikamenten indirekt vergleichen zu können.

Nach Schlaganfällen könnte Sport helfen

Bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, verringern gängige Medikamente wie Blutfett-Senker (Statine), Blutdrucksenker (ACE-Hemmer, Beta-Blocker) oder Arzneien, die die Bildung von Blutgerinnseln hemmen, auf jeden Fall die Wahrscheinlichkeit, frühzeitig zu sterben [1]. Sport scheint der Studie zufolge ähnlich schützend zu wirken wie diese Medikamente, zumindest fanden die Forscher keinen Unterschied in der Wirkung von Sport oder medikamentöser Behandlung. Dass Sport alleine das Sterberisiko bei Personen mit bereits einem Herzinfarkt verringern kann, ist jedoch nicht ganz gesichert [1].

Bei Personen mit Herzschwäche ging aus dem direkten Vergleich zwischen Sport und Medikamenten jedoch klar das Medikament als Sieger hervor: Bei der Langzeit-Anwendung von entwässernden Arzneimitteln (Diuretika) starben nur etwa ein Viertel soviele Patienten frühzeitig wie bei regelmäßiger sportlicher Betätigung. Bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist das Herz zu schwach, das Blut ausreichend durch den Körper zu pumpen. Sie entsteht häufig in Folge von Herzerkrankungen wie etwa einem Herzinfarkt, aber auch zum Beispiel durch jahrelangen Bluthochdruck.
Auch bei der Behandlung von Diabetes-Vorstufen scheint sich die Wirkung von regelmäßigem Sport nicht wesentlich von der Einnahme verordneter Medikamente zu unterscheiden. Beide Maßnahmen scheinen das frühzeitige Sterberisiko in gleichem Ausmaß zu beeinflussen.

Sport förderlich, aber kein Ersatz für Medikamente

Die Analyse [1] liefert erste, vorsichtige Ergebnisse. Studien, die die Auswirkung von Sport direkt mit der Wirkung von Medikamenten vergleichen, fehlen jedoch. Die Autoren machen auch darauf aufmerksam, dass Studien zu Sport als alternative Behandlungsmethode fehlen. Für Aussagen dazu, ob Sport anstelle von Medikamenten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes-Vorstufen geeignet ist, ist es noch zu früh. Was jedoch mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko senkt, eine solche Erkrankung überhaupt zu bekommen. Und zu einem gesunden Lebensstil gehört unweigerlich auch ein moderates Maß an Sport.

(Autoren: K. Regnat, B. Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Naci, Ioannidis (2013)
Studientyp: Meta-Analyse mehrerer Meta-Analysen.
Eingeschlossene Studien: 305 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 339.274
Fragestellung: Vergleich zwischen medikamentöser Behandlung und sportlicher Betätigung auf die Sterblichkeit durch Herzerkrankungen, Schlaganfälle oder Prädiabetes
Interessenskonflikte: keine angegeben

Titel: Comparative effectiveness of exercise and drug intervention on mortality outcomes: metaepidemiological study
http://www.bmj.com/highwire/filestream/664593/field_highwire_article_pdf/0/bmj.f5577

Weitere Quellen

Tod durch Herz- Kreislauferkrankungen