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Lachyoga – nur ein schlechter Witz?

©iStockphoto.com/creatista

Lachen für die Gesundheit?

Laut einem Bericht auf kleinezeitung.at breitet sich Lachyoga erfolgreich aus: Weltweit existieren bereits 6000 Lachclubs in denen grundlos gelacht wird. „Lachen ist das Gesündeste, was man machen kann, es ist die beste Medizin“, behauptet der Erfinder von Lachyoga, der indische Arzt Madan Kataria. Ist das wissenschaftlich haltbar?

Zeitungsartikel: Lachen macht glücklich (9.1.2013, kleinezeitung.at),
Frage:Fördert simuliertes Lachen die Gesundheit?
Antwort:Zwar wird beinahe in allen medizinischen Disziplinen an der Wirkung von Humor und Lachen geforscht, aber zu den gesundheitlichen Auswirkungen von simuliertem Lachen gibt es kaum Studien. Die bisherige Forschung lässt keine Aussage über die Wirksamkeit zu, dafür bräuchte es methodisch bessere Studien mit geeigneten Kontrollgruppen.
Beweislage:
Unzureichende wissenschaftliche Beweislage

Lachyoga kommt ohne Humor aus. Eine Lachyoga-Runde wird von einer vom Verband zertifizierten Person geleitet, der Ablauf ist aber nicht immer genau gleich. Er besteht zumeist aus einem kurzen Einführungsgespräch, rhythmischen Klatschlauten, die dann von simulierten Lachlauten begleitet werden. Sind die Hemmungen abgebaut, kann aus dem simulierten Lachen ein echtes werden [1] [3] [Artikel und Video kleinezeitung.at]

Lachyoga mag eine interessante Erfahrung sein und in gewisser Weise Spaß machen, für die Behauptung, dass es eine gesundheitliche Wirkung hat, gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Beweislage. Eine narrative Übersichtsarbeit aus 2011 [1] zitiert drei randomisiert-kontrollierte Studien, von denen jedoch nur zwei in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht wurden: Eine vergleicht Lachyoga mit einem Bewegungsprogramm jeweils als Maßnahme gegen Depression [3]; die andere testet die Wirkung von Lachyoga auf Depression, Schlaf und Kognition [4]. Es zeigten sich im Vergleich zur Kontrollgruppe Verbesserungen sowohl innerhalb der Lachyogagruppe wie auch innerhalb der Bewegungsgruppe, aber keine der beiden Interventionen erwies sich im direkten Vergleich der anderen als überlegen. Doch die Studie hat methodische Mängel; vor allem kann sie nicht ausschließen, dass die positive Wirkung nicht auf andere Faktoren zurückgeht: Beispielsweise wurde das Lachyoga jeweils eingeleitet mit der Aufforderung, sich an positive Erlebnisse zu erinnern [3].

Die andere randomisiert-kontrollierte Studie [4] zeigt eine Wirkung von Lachyoga in einigen der untersuchten Punkte. Stark eingeschränkt wird die Aussagekraft durch die hohe Drop-Out-Rate: Von 200 Teilnehmern, die zu Beginn der Studie dabei waren, wurden nur die Daten von 109 ausgewertet. Die Übersichtsarbeit selbst fasst keine Studienergebnisse zusammen, sondern sondiert die gesamte Literatur zum Thema, ohne die Studien einer Qualitätsprüfung zu unterziehen und zeigt in erster Linie den Mangel an guten Studien.

Humor und echtes Lachen

Um überhaupt eine positive Wirkung auf die Gesundheit annehmen zu können, wird behauptet, dass der Körper nicht zwischen echtem und simuliertem Lachen unterscheiden kann. Für diese Behauptung gibt es keinen Beleg.

Im Zeitungsartikel wird behauptet, dass zahlreiche Wirkungen des Lachens nachgewiesen wären, von der Stärkung des Immunsystems bis hin zu besseren sozialen Beziehungen. Aber selbst diese Behauptung steht wissenschaftlich gesehen auf dünnen Beinen. Es gibt keine systematische Übersichtsarbeit dazu, viele Studien betrachten Faktoren, die nicht direkt Aussagen über die Gesundheit erlauben und oft stehen die Forscher vor methodischen Problemen [2][5], beispielsweise einer sauberen Trennung der Faktoren „Humor“ und „Lachen“. Eine Übersichtsarbeit [2] vom gleichen Autor wie [1], kommt dennoch zu dem Schluss, dass Lachen „physiologische, psychologische, soziale und spirituelle“ Wirkung hat und lobt zudem die geringen Kosten, wenig Nebenwirkungen und die grundsätzlich einfache Anwendbarkeit.

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, M. Flamm)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Mora-Ripoll (2011)
Studientyp: narrative Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: neun, davon drei randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 276 (in RCTs) und 225 (andere Studien)
Fragestellung: Welche gesundheitlichen Wirkungen hat simuliertes Lachen?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben, der Autor ist allerdings Mitglied in mehreren Verbänden für Lachtherapie.

Mora-Ripoll R. Potential health benefits of simulated laughter: a narrative
review of the literature and recommendations for future research. Complement Ther
Med. 2011 Jun;19(3):170-7.
(Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Mora-Ripoll (2010)
Studientyp: narrative Übersichtsarbeit
Fragestellung: Welchen therapeutischen Nutzen hat Lachen?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben, der Autor ist allerdings Mitglied in mehreren Verbänden für Lachtherapie.

Mora-Ripoll R. The therapeutic value of laughter in medicine. Altern Ther
Health Med. 2010 Nov-Dec;16(6):56-64. Review.
(Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[3] Shahidi ua. (2011)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer insgesamt: 70 alte Frauen mit zumindest leichten Depressionen
Fragestellung: Wie wirksam ist Lachyoga im Vergleich zu Bewegungstherapie gegen Depressionen?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Shahidi M, Mojtahed A, Modabbernia A, Mojtahed M, Shafiabady A, Delavar A,
Honari H. Laughter yoga versus group exercise program in elderly depressed women:
a randomized controlled trial. Int J Geriatr Psychiatry. 2011 Mar;26(3):322-7.
(Zusammenfassung der Studie)

[4] Ko, Youn (2011)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer insgesamt: 109 Frauen über 65
Fragestellung: Wie wirkt Lachyoga auf Depressionen, Schlaf und Kognition?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Ko HJ, Youn CH. Effects of laughter therapy on depression, cognition and sleep
among the community-dwelling elderly. Geriatr Gerontol Int. 2011
Jul;11(3):267-74.
(Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[5]Proyer ua. (2012)
Brief mehrerer Forscher als Reaktion auf [3]
Proyer RT, Ruch W, Rodden FA. Letter on Shahidi et al. (2011): „Laughter Yoga
versus group exercise program in elderly depressed women: a randomized controlled
trial“ I — first things first! Caveats in research on „laughter yoga“. Int J
Geriatr Psychiatry. 2012 Aug;27(8):873-4; author reply 875-6.
(Zusammenfassung der Studie)