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Krampfadern mit Superkleber heilen

Sport beugt Krampfadern vor

Sport beugt Krampfadern vor

Aktualisiert: „Garantiert Krampfader-freie Sommer-Beine“ erlangt man der Onlineausgabe der Zeitschrift Woman zufolge durch die Venaseal™ Methode der Firma Sapheon. Dabei werden Krampfadern mit einer Art Superkleber verschlossen. Eine klinische Studie, die die Wirksamkeit untersucht, liegt bis heute jedoch nicht vor. (Ursprünglich veröffentlicht am 29.8.2013)
 

 

Zeitungsartikel: (K)ein Krampf mit den Adern (19.6.2013, Woman.at)
Frage:Hilft eine Behandlung mit Cyanoacrylat (beispielsweise Sapheon Venaseal™) gegen Krampfadern ähnlich gut oder besser als andere Methoden?
Antwort:unklar
Erklärung:Bisher gibt es keine Ergebnisse aus klinischen Studien zu dieser Methode. Die Wirksamkeit im Vergleich mit anderen Behandlungen ist daher unklar.

[Aktualisiert am 15.7.2014: Eine Suche nach neuen Studien bringt keine inhaltlichen Änderungen]

Meist sind sie einfach nur unansehnlich, bei manchen Menschen verursachen Krampfadern aber auch Beschwerden: Geschwollene, müde Beine, Schmerzen, Juckreiz und nächtliche Beinkrämpfe können Begleiterscheinungen sein. Über lange Zeit können mitunter Venenentzündungen bis hin zu Geschwüren die Folge sein. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele, bis hin zur Operation. Woman.at hebt eine besonders hervor: die Sapheon Venaseal™ – Methode verleiht angeblich „garantiert Krampfader-freie Sommer-Beine“, nach der Behandlung sei man „sofort wieder fit“.

Ziel der Behandlung ist es, die kranken Venen mit Cyanoacrylat, einer Art Superkleber, zu verschließen. Der Kleber wird direkt in die Vene gespritzt und sorgt im Idealfall dafür, dass kein Blut mehr durch das betroffene Blutgefäß fließt, sondern in andere, gesunde Venen umgeleitet wird. Dem Hersteller zufolge soll der Vorteil der Methode unter anderem darin liegen, dass die Patienten nach der Behandlung keine Kompressionsstrümpfe tragen müssten und schnell wieder ihrem Alltagsleben nachgehen könnten.

Venenkleber kaum untersucht

Wie gut die Therapie der Firma Sapheon allerdings tatsächlich wirkt, ist unklar. Der Hersteller führt laut der ClinicalTrials.gov – Datenbank zur Vorab-Registrierung klinischer Studien zurzeit eine randomisiert-kontrollierte klinische Studie durch [5]. Darin soll die Cyanoacrylat-Methode mit der bereits in klinischen Studien erprobten Zerstörung von Krampfadern durch Hitze (Radiofrequenzablation) verglichen werden. Deren Ergebnisse werden aber frühestens im Sommer 2014 vorliegen.

Andere wissenschaftliche Untersuchungen zum Verschließen von Krampfadern mit Cyanoacrylat gibt es zwar, diese entsprechen jedoch nicht gängigen wissenschaftlichen Anforderungen. In einer Machbarkeitsstudie [1] wurden 38 Personen mit Krampfadern mit dem Venenkleber behandelt. Ein Jahr danach waren zumindest bei knapp der Hälfte (18 Personen) keine Krampfadern mehr sichtbar. Genau lässt sich die Wirksamkeit allerdings nicht beurteilen, da die Studienautoren ihre Methode nicht mit einer anderen Behandlung oder einer Scheinbehandlung verglichen hatten. Knapp ein Viertel (neun Personen) hatten unerwünschte Nebenwirkungen. Bei acht Patienten kam es zu teils schmerzhaften Entzündungen. Bei einer Person entstand eine Hautverfärbung, die auch nach einem Jahr nicht zurückgegangen war.

Von einer weiteren ähnlichen Studie an 69 Patienten ist nur eine Zusammenfassung der Ergebnisse öffentlich einsehbar [2]. Details dazu haben die Studienleiter bisher nicht veröffentlicht, die Ergebnisse lassen sich daher nicht überprüfen. Auch in dieser Untersuchung nahmen die Studienautoren aber keinen Vergleich mit anderen, bereits etablierten Behandlungen vor – eine Grundvoraussetzung, um die Wirksamkeit einer Therapie einschätzen zu können.

Operationen am besten erprobt

Krampfadern entstehen, wenn sich das Blut in den oberflächlichen Beinvenen zurückstaut, anstatt zum Herz gepumpt zu werden. Einen solchen Rückstau verhindern normalerweise die Venenklappen – kleine Ventile im Inneren der Blutgefäße. Funktionieren diese nicht mehr richtig, sammelt sich das Blut in den Beinen und es bilden sich mit der Zeit Krampfadern.

Die am besten untersuchte Behandlungsmethode ist das Herausoperieren des betroffenen Blutgefäßes [3]. Das ist möglich, weil das Blut nur zu einem geringen Teil durch die oberflächlichen Venen fließt. Wird eine oberflächliche Vene chirurgisch entfernt, können andere Venen problemlos deren Aufgabe übernehmen. Beim sogenannten Stripping wird sowohl in Leistennähe als auch in Knie- oder Knöchelgegend ein kleiner Schnitt gesetzt und die Vene anschließend mithilfe eines Drahtes herausgezogen. Bei der Phlebektomie werden kleine Schnitte entlang der betroffenen Vene gesetzt und diese dann durchtrennt und mit Häkchen herausgezogen. Mit dem Verfahren sollen Narben, die bei größeren Schnitten entstehen, verhindert werden.

Nach einer Operation kann es zu Schmerzen, Blutungen, Schwellungen, Narbenbildung und Hautverfärbung kommen. Selten können auch ernsthafte Nebenwirkungen wie Entzündungen, Thrombosen (Blutgerinnsel) oder Nervenverletzungen auftreten. Bei einigen Patienten kehren die Krampfadern nach einiger Zeit zurück und machen eine neue Behandlung erforderlich [7].

Neuere Methoden als Alternative

Bei der Radiofrequenzablation wird eine Sonde in die Vene eingeführt, die elektromagnetische Wellen erzeugt und so das Blutgefäß mithilfe von Hitze versiegelt. Bei der endovenösen Lasertherapie wird mithilfe von Laser Hitze erzeugt und so von innen das Blutgefäß versiegelt. Beide Methoden scheinen bisherigen Studien zufolge zumindest gleich gut zu funktionieren wie herkömmliche Operationen, zum direkten Vergleich gibt es aber noch kaum Studien. Nebenwirkungen können zum Beispiel Schmerzen, blaue Flecken oder Narben sein. Zu ernsthaften Komplikationen wie Nervenschäden oder Entzündungen scheint es aber seltener zu kommen als bei Operationen [4] [7].

Beim Trivex-Verfahren wird die Vene von innen mit einem kleinen, rotierenden Messer zerschnitten und das Gewebe danach abgesaugt. Wie gut das Verfahren im Vergleich zu anderen Methoden ist, wurde noch nicht ausreichend untersucht [7].

Ohne Operation funktioniert die sogenannte Sklerotherapie. Dabei wird eine bestimmte reizende Flüssigkeit oder ein Schaum in die betroffene Vene gespritzt und diese somit verödet. Kurzfristig scheint die Sklerotherapie Symptome besser lindern zu können und weniger Nebenwirkungen zu verursachen als herkömmliche Operationen. Auf lange Sicht bringt sie aber weniger Erfolg [8].

Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist die häufigste Selbstbehandlung. Die engen Strümpfe erhöhen den Druck auf die Beingefäße und sollen so helfen, das venöse Blut zum Herz zu befördern. Ob Kompressionsstrümpfe verlässlich helfen, wurde bisher jedoch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht. Das bedeutet nicht, dass die Strümpfe keine Hilfe bringen, zur Beurteilung der Wirksamkeit sind jedoch aussagekräftigere Studien erforderlich. Viele Patienten berichten auch, dass das Hochlagern der Beine Beschwerden wie Schmerzen kurzfristig lindert [7].

Was Krampfadern fördert

Die knotigen, bläulichen Adern am Bein treten bei rund 30 von 100 Personen in der Bevölkerung auf. Bei Frauen sind sie häufiger als bei Männern [6].

Übergewichtige Personen sowie Frauen, die zweimal oder öfter schwanger waren, haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, Krampfadern zu bekommen. Bei manchen Menschen sind aber auch erblich bedingt schwächere Venenwände und -klappen die Ursache.

Langes Stehen oder Sitzen – etwa in der Arbeit – trägt dazu bei, dass das Blut nicht gut aus den Beinen abtransportiert wird. Der ständige Stau in den Beinvenen kann die Blutgefäße ausdehnen und so die Entstehung von Krampfadern fördern [4]. Bewegung wie Gehen und Laufen hingegen unterstützt den Abtransport des Blutes, da die Beinmuskeln die tieferliegenden Venen zusammenpressen und mithelfen, das Blut zum Herz hochzupumpen.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Wipplinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Almeida u.a. (2013)
Studientyp: nicht-kontrollierte Machbarkeitsstudie
Teilnehmer: 38 Personen mit Krampfadern
Studiendauer: 1 Jahr
Fragestellung: Sind Injektionen mit Cyanoacrylat wirksam gegen Krampfadern?
Mögliche Interessenskonflikte: Finanzierung der Studie durch die Firma Sapheon Inc.

Jose I. Almeida, MD, Julian J. Javier, MD, Ed Mackay, MD, Claudia Bautista, MD, Thomas M. Proebstle, MD. First human use of cyanoacrylate adhesive for treatment of saphenous vein incompetence. Journal of Vascular Surgery: Venous and Lymphatic Disorders, Volume 1, Issue 2, April 2013, Pages 174–180 (Zusammenfassung der Studie)

[2] Proebstle u.a. (2013)
Studientyp: nicht-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 69 Personen mit Krampfadern
Studiendauer: 1 Jahr
Fragestellung: Sind Injektionen mit Cyanoacrylat wirksam gegen Krampfadern?
Mögliche Interessenskonflikte: Finanzierung der Studie durch die Firma Sapheon Inc.

Proebstle TM, Alm J, Rasmussen L, Dimitri S, Lawson JA, Whiteley M, Franklin IJ, Davies AH. The European Multicenter Study on Cyanoacrylate Embolization of Refluxing Great Saphenous Veins without Tumescent Anesthesia and without Compression Therapy. Journal of Vascular Surgery: Venous and Lymphatic Disorders 2013; 1:101 (Zusammenfassung der Studie)

[3] Tisi u.a. (2011)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 35 randomisiert-kontrollierte Studien und 4 systematische Übersichtsarbeiten
Fragestellung: Welche Behandlungsmethoden sind bei Krampfadern wirksam?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Tisi PV. Varicose veins. Clin Evid (Online). 2011 Jan 5;2011. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[4] Nesbitt u.a. (2011)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: 5 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 450 Patienten mit Krampfadern
Fragestellung: Sind Radiofrequenzablation und Laser-Ablation gleich wirksam oder wirksamer gegen Krampfadern als konventionelle Operationen?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Nesbitt C, Eifell RKG, Coyne P, Badri H, Bhattacharya V, Stansby G. Endovenous ablation (radiofrequency and laser) and foam sclerotherapy versus conventional surgery for great saphenous vein varices. Cochrane Database of Systematic Reviews 2011, Issue 10. Art. No.: CD005624. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[5] ClinicalTrials.gov (2013) VenaSeal Sapheon Closure System Pivotal Study (VeClose). http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01807585

[6] Alguire PC, Scovell S (2013). Overview and management of lower extremity chronic venous disease. In Collins KA (ed.). UpToDate. Abgerufen am 4.7. 2013 unter http://www.uptodate.com/contents/overview-and-management-of-lower-extremity-chronic-venous-disease

[7] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2013). Merkblatt: Krampfadern. Abgerufen am 8.7.2013 unter http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-krampfadern.332.de.html

[8] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2012). Krampfadern: Was sind die Vor- und Nachteile der Sklerotherapie, auch im Vergleich zur operativen Behandlung? Abgerufen am 8.7.2013 unter http://www.gesundheitsinformation.de/krampfadern-was-sind-die-vor-und-nachteile-der-sklerotherapie-auch-im.331.de.html