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Gold zum Trinken: Prosit Bling-Bling?

Gold: Nicht alles, was glänzt, ist gesund

Gold: Nicht alles, was glänzt, ist gesund

Gold ist kostbar. In Form feinster Goldpartikel in einer Lösung soll es sogar gegen Krankheiten helfen. Belege für die angepriesenen Wirkungen von „kolloidalem Gold“ fehlen allerdings.

Frage:Ist kolloidales Gold gut für die Gesundheit?
Antwort:unklar
Erklärung:Aussagen über einen möglichen gesundheitlichen Nutzen von „trinkbarem Nanogold“ sind nicht möglich, da es keine guten Studien dazu gibt. Gold kann in anderer Form zwar bei Rheuma und anderen Krankheiten helfen, allerdings treten dabei häufig Nebenwirkungen auf.

Gold hat die Menschheit seit jeher fasziniert. Schon vor 5000 Jahren wurde in Ägypten und Nubien danach geschürft. Die Suche und Verarbeitung des Edelmetalls prägte ganze Kulturen. Schmuck, Münzen und Königskronen, aber auch Zahnfüllungen, Computer-Einbauteile oder Olympiamedaillen bestehen aus dem wertvollen Material. Wer es besonders edel will, kann Sekt mit Goldplättchen schlürfen, in Gourmetrestaurants Blattgold-dekorierte Speisen essen oder sich Luxuscremes mit Goldpartikeln auf die Haut schmieren.

Vergoldung für Innen

Im Internet wird Gold darüber hinaus als Naturheilmittel angeboten: in Form von kolloidalem Gold. Das sind Flüssigkeiten, die winzige Goldpartikel enthalten sollen – „kolloidal“ bedeutet „sehr fein verteilt“. Der nur wenige Nanometer kleine Goldstaub verleiht den wässrigen Lösungen eine intensiv rote Färbung.

Die Flüssigkeit soll bei allerlei Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis vorbeugend oder heilend wirken, so die Versprechungen der Hersteller. Kolloidales Gold soll auch Denkprozesse verbessern, Impotenz bekämpfen, die Stimmung heben, den Alterungsprozess verlangsamen, Erschöpfung und Depressionen lindern oder gegen Krebs helfen – um nur einige der Lobpreisungen anzuführen.

Suche nach dem Lebenselixier

Die Idee, fein zerkleinertes Gold als Getränk zu schlürfen, ist nicht neu. Schon die Alchemisten versuchten sich in der Herstellung von „aurum potabile“ – trinkbarem Gold. In der Renaissance wurde weiter mit Gold-Tränken experimentiert, beispielsweise zur Blutreinigung. Vor rund 125 Jahren spekulierte der Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch darüber, ob es möglich sei, Tuberkulose mit Hilfe von antibakteriell wirkenden Goldsalzen zu behandeln [1] [2].

Aber was ist dran am flüssigen Gold?

Klinische Studien können das nicht beantworten – denn es gibt schlicht keine. Offenbar wurde nie an Menschen untersucht, ob oder welche vorbeugenden und heilenden Wirkungen trinkbare Gold-Nanopartikel haben könnten. Die unzähligen Gesundheitsversprechen sind also zumindest gewagt.

Wegen möglicher Risiken und unklarer Inhaltsstoffe erscheint es aber ohnehin nicht empfehlenswert, diese Produkte zur Vorbeugung oder Therapie zu konsumieren. Zu diesem Schluss kam auch die Wiener Umweltanwaltschaft: Sie warnte vor Lösungen mit Silber- und Gold-Nanopartikeln, da über deren mögliche Schädlichkeit zu wenig bekannt sei [5].

Gold gegen Rheuma

Ein Urteil über kolloidales Gold ist aufgrund fehlender wissenschaftlicher Beweise also nicht möglich. Hingegen ist die Anwendung von anderen Goldformen in einigen medizinischen Bereichen durchaus erprobt – zum Beispiel bei den Autoimmunkrankheiten Lupus erythematodes und Pemphigus, Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet.

Bei rheumatoider Arthritis, kurz Rheuma genannt, erhalten manche Patientinnen und Patienten als Basistherapie Tabletten mit Gold. Alternativ werden manchmal auch Goldsalze in den Körper gespritzt. Diese Behandlung kann beispielsweise bewirken, dass sich Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit in den Gelenken bessern [3].

Nebenwirkungen häufig

Allerdings sind Goldbehandlungen bei rheumatoider Arthritis nicht das Mittel der ersten Wahl. Sie werden normalerweise erst eingesetzt, wenn andere Therapien nicht fruchten. Denn die langfristige Goldtherapie erfordert eine engmaschige Kontrolle. Häufige Nebenwirkungen führen auch immer wieder zum Abbruch der Behandlung. Manche Effekte erscheinen vergleichsweise harmlos, wie Juckreiz, Hautausschlag und Entzündungen der Mundschleimhaut; es kann aber auch zu ernsten und dauerhaften Nebenwirkungen kommen, etwa Schäden an Blutsystem, Leber und Lunge [4].

Dennoch sind einige Forschungsgruppen vom Potenzial des Goldes als Nanopartikel überzeugt und erproben beispielsweise, ob das Edelmetall künftig bei der Diagnose und Behandlung von Krebs oder bei Infektionskrankheiten hilfreich sein kann.

Weitere Informationen

Über den fraglichen Nutzen und die möglichen Gefahren von Nanosilber haben wir bereits berichtet: Der Schatz im Silbersocken

 

Die Studien im Detail

Es gibt keine gut gemachten Studien, die die Wirksamkeit von kolloidalem Gold untersucht haben.

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 29. September 2015. Eine neuerliche Literatursuche fand keine weiteren Studien.]

(AutorIn: J. Harlfinger, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Quellen

[1] Arvizo u. a. (2012)
Arvizo RR, Bhattacharyya S, Kudgus RA, Giri K, Bhattacharya R, Mukherjee P. Intrinsic therapeutic applications of noble metal nanoparticles: past, present and future. Chem Soc Rev. 2012 Apr 7;41(7):2943-70. (Artikel in voller Länge)

[2] Norton (2008)
A brief history of potable gold. Mol Interv. 2008 Jun;8(3):120-3. (Zusammenfassung)

[3] UpToDate (2014)
Use of gold compounds in rheumatic diseases. Abgerufen am 15.09.2016 unter http://www.uptodate.com/contents/use-of-gold-compounds-in-rheumatic-diseases?source=search_result&search=use+of+gold&selectedTitle=2%7E150

[4] UpToDate (2014) Major side effects of gold therapy. Abgerufen am 15.09.2016 unter http://www.uptodate.com/contents/major-side-effects-of-gold-therapy?source=search_result&search=side+effects+gold+therapy&selectedTitle=1%7E150

[5] Wiener Umweltanwaltschaft (2013)
Kolloidale Silber- und Goldlösungen (03/2013). Abgerufen am 15.09.2016 unter http://wua-wien.at/umwelt-und-gesundheit/nanotechnologie/kolloidale-silber-und-goldloesungen