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Knoblauchextrakt gegen hohen Blutdruck

Bluthochdruck ist in westlichen Ländern weit verbreitet

Bluthochdruck ist in westlichen Ländern weit verbreitet

Knoblauch senkt angeblich einen zu hohen Blutdruck und das Herz-Kreislauf-Risiko. Belege für eine solche Wirkung gibt es bisher jedoch keine.

Frage:Kann Knoblauchextrakt zu hohen Blutdruck und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken?
Antwort:unklar
Erklärung:Bisherige Studien liefern vorsichtige Hinweise auf eine blutdrucksenkdende Wirkung von Knoblauch. Sie sind jedoch von zu geringer Qualität, um eine Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge von Bluthochdruck belegen zu können.

Bluthochdruck ist relativ verbreitet, so weist etwa mehr als ein Viertel der österreichischen Bevölkerung überhöhte Blutdruckwerte auf [2]. Diese lösen selten unmittelbare Beschwerden aus, Betroffene spüren über lange Zeit wenig davon. Allerdings gilt Bluthochdruck als Hauptrisikofaktor für die Entwicklung eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

Knoblauch gilt als Naturheilmittel, das angeblich einen zu hohen Blutdruck senken kann. Doch ist das auch wissenschaftlich belegt?

Knoblauch – schlechte Studien ohne Aussagekraft

Wissenschaftliche Untersuchungen zur vermuteten blutdrucksenkenden Wirkung von Knoblauch gibt es mehrere. Die meisten davon sind aber von zu geringer Qualität und haben zu wenige Teilnehmer untersucht, um zu einem verlässlichen Ergebnis zu kommen.

Ein Wissenschafts-Team des Cochrane-Netzwerkes machte es sich zur Aufgabe, die besten verfügbaren wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema zu analysieren. Aufgrund zahlreicher Mängel in der Studiendurchführung konnten die Forscher aber einem Großteil der Studien nicht vertrauen. Zwei besser durchgeführte randomisiert-kontrollierte Studien liefern zwar vorsichtige Hinweise darauf, dass Knoblauch zu hohen Blutdruck senken kann [1]. Doch selbst die Ergebnisse dieser beiden Studien sind zu wenig stichhaltig für eine klare Einschätzung [1].

Ob Knoblauch regelmäßig eingenommen zu hohen Blutdruck senken kann und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erniedrigt, bleibt vorerst unklar. Eine Antwort können nur strenger und an einer größeren Teilnehmeranzahl durchgeführte Untersuchungen zeigen.

Zumindest in der Theorie könnte es außerdem zu Wechselwirkungen mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten oder zu Nebenwirkungen bei Personen mit Blutungsneigung kommen, da für Knoblauch eine gerinnungshemmende Wirkung vermutet wird. Zudem könnten Extrakte der weißen Gewürzknolle die Blutzuckerregulation beeinflussen. Zur Anwendung durch Personen mit Diabetes oder Menschen, die zu Unterzuckerung neigen, gibt es aber keine Untersuchungen [4].

Änderung des Lebensstils senkt hohen Blutdruck

Bei den meisten Patienten ist der Grund für zu hohen Blutdruck nicht bekannt. Können nicht etwa Probleme mit den Nieren oder der Nebennierenrinde als Ursache ausgemacht werden, ist meist der Lebensstil ein wesentlicher Faktor. So ist bekannt, dass Rauchen, Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum, mangelnde Körperbewegung und wahrscheinlich zu hoher Salzkonsum wesentliche Risikofaktoren sind. Allerdings steigt auch das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln, wenn ein oder beide Elternteile betroffen sind – die Vererbung kann also auch eine Rolle spielen.

Dementsprechend lässt sich ein zu hoher Blutdruck oft bereits durch eine Änderung des Lebensstils senken – und damit auch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sportliche Betätigung wirkt sich genauso wie Gewichtsabnahme bei Übergewicht nachweislich positiv auf den Blutdruck aus. Aber auch weniger Alkohol, weniger Salz sowie der vermehrte Verzehr von Obst und Gemüse können ein Absinken der Werte bewirken [3].

Blutdrucksenkende Medikamente werden üblicherweise erst dann angewandt, wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Lebensstiländerungen nicht zum erwünschten Erfolg geführt haben.

Als optimaler Blutdruck gelten Werte von ungefähr 120 / 80 mmHg (Milimeter Quecksilbersäule). Der erste Wert entspricht dabei dem Druck während der Anspannungsphase des Herzens (systolischer Druck), der zweite Wert dem in der Entspannungsphase (diastolischer Druck).

Der Blutdruck ist allerdings natürlicherweise ständigen Schwankungen unterworfen und liegt beispielsweise in Ruhe um einiges niedriger als bei körperlicher Anstrengung. Daher sprechen Ärzte erst bei wiederholt festgestellten Werten ab 140 / 90 mmHg von Bluthochdruck.

[Aktualisiert, ursprünglich veröffentlich am 17. 1. 2012, aktualisiert am 11. 6. 2014. Eine Suche nach neuen Studien bringt keine Änderung]

(AutorIn: B. Kerschner, Review: M Strobelberger, C. Christof)

 

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Stabler (2012)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit der Cochrane-Collaboration
Eingeschlossene Studien: 2 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 87 Personen mit Bluthochdruck
Fragestellung: Auswirkung von Knoblauchextrakten auf den Blutdruck bei Personen überhöhtem Blutdruck, verglichen mit Placebo
Interessenskonflikte: keine laut Autoren

Stabler SN, Tejani AM, Huynh F, Fowkes C. Garlic for the prevention of cardiovascular morbidity and mortality in hypertensive patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 8. Art. No.: CD007653. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] Rieder A (2004). Awareness and control of hypertension in Austria. J Hum Hypertens. 2004 Aug;18(8):535-7. (Eintrag auf Pubmed)

[3] Basile J, Bloch MJ (2016). Overview of hypertension in adults. In Forman, JP (ed.). UpToDate. Abgerufen unter www.uptodate.com/contents/overview-of-hypertension-in-adults am 26.7. 2016

[4] Garlic (Allium sativum): Natural drug information. UpToDate. Abgerufen unter www.uptodate.com am 12. 1. 2012