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Bauchschmerzen durch Kirschen und Wasser?

Kirschen: bloß kein Wasser nachtrinken, oder....?

Kirschen: bloß kein Wasser nachtrinken, oder….?

Es ist ein verbreitetes Gerücht: Wer Kirschen isst und zugleich Wasser trinkt, bekommt angeblich Bauchschmerzen. Mythos oder Wahrheit?

Frage:Bekommt man Bauchschmerzen, wenn man Kirschen oder anderes Steinobst isst und danach Wasser trinkt?
Antwort:nicht erforscht
Erklärung:Wir fanden weder wissenschaftlichen Studien noch dokumentierte Fallberichte, die zeigen, dass Wasser trinken nach dem Verzehr von Kirschen zu Beschwerden führt.

Schon Oma hat davor gewarnt: wer Kirschen isst und danach Wasser trinkt, dem platzt der Bauch – zumindest aber bekommt man schreckliche Bauchschmerzen. Und dann ist da noch der bei Kindern bekannte Abzählreim „Kirschen gegessen – Wasser getrunken – Bauchweh gekriegt – tot!“.

Anderen Quellen zufolge sollen nicht nur Kirschen, sondern auch andere Steinfrüchte in Kombination mit Wasser quälende Bauchschmerzen auslösen. Vielen ist in der Jugend wohl die Lust auf ein durstlöschendes Glas kühlen Nasses nach einer Portion Kirschen und Co vergangen. Als Erwachsener glauben die wenigsten an Ammenmärchen – dennoch fragt sich so mancher, ob an dem Kindheits-Mythos nicht doch etwas dran ist.

Von der Wissenschaft ignoriert?

Die Forscher dieser Welt scheint das potentielle Risiko dieser Nahrungsmittel-Kombination nicht sonderlich zu beunruhigen. Offenbar hat niemand von ihnen bisher eine Untersuchung dazu angestellt – zumindest konnten wir in unserer aufwändigen Recherche keine einzige finden. Auch Berichte über spektakuläre Einzelfälle von Patienten, die nach dem Verzehr von Früchten und Wasser an Verdauungsbeschwerden litten, wurden offenbar nie publiziert.

Das ist umso verwunderlicher, weil sich selbst zu den seltensten Erkrankungen einzelne Fallberichte finden. So ist beispielsweise dokumentiert, dass ein Mann nach dem Verzehr eines Esslöffels Chia-Samen – gefolgt von einem Glas Wasser – ins Spital musste. Der Grund: die Samen waren durch das Wasser so stark aufgequollen, dass sie seine Speiseröhre verstopften [1]. Bekannt ist auch, dass das Trinken von extrem großen Mengen Wasser zum Tod führen kann [2]. Kirschen waren dabei jedoch niemals beteiligt.

Kurz gesagt: es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die zeigen, dass Wasser trinken nach dem Verzehr von Kirschen zu Beschwerden führt.

Gärende Kirschen kein Grund für Bauchschmerzen

Woher der großelterliche Mythos stammt, ist unklar. Dem Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann zufolge könnte das in Kriegs- und Nachkriegszeiten nicht immer hygienisch einwandfreie Trinkwasser schuld gewesen sein. Demnach könnten Hefen und Bakterien auf den Kirschen zusammen mit Keimen im Wasser bewirkt haben, dass der Zucker in den Früchten im Bauch zu gären beginnt. Und das wiederum könnte Bauchschmerzen und Durchfall auslösen [3].

Normalerweise ist die saure Umgebung im Magen ein Schutz gegen viele Krankheitserreger. Es gibt aber die Theorie, dass Wasser die Magensäure stark verdünnen soll. Somit würden die die Keime das Säurebad unbeschadet überstehen und munter an der Vergärung des Zuckers arbeiten [4] [5].

Untersuchungen zeigen, dass Getränke und Speisen die Magensäure für kurze Zeit generell stark verdünnen [6]. Das Problem besteht theoretisch also nicht bloß bei Wasser. Zudem nehmen wir Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen nicht nur mit Kirschen zu uns, sondern auch mit vielen anderen Nahrungsmitteln. Und zu den meisten Mahlzeiten trinken wir auch Wasser oder andere Getränke. Dennoch bekommen wir dabei nicht regelmäßig quälende Bauchschmerzen.

Wenn Kirschen auch ohne Wasser blähen

Kirschen enthalten wie andere Obstsorten viel Fruchtzucker. Manche Personen können diese Zuckerart nur unvollständig aus dem Dünndarm aufnehmen. Der Fruchtzucker gelangt dann weiter in den Dickdarm und wird dort von Darm-Mikroorganismen zersetzt. Dabei können beträchtliche Mengen an Gasen entstehen, die manchmal unangenehme Bauchschmerzen auslösen. Menschen, die an einer solchen Fruchtzucker-Unverträglichkeit leiden, hilft es, auf Fruktose-haltige Lebensmittel zu verzichten [7].

Kirschen und anderes Steinobst enthalten auch bestimmte, zuckerähnliche Substanzen. Werden diese durch Darmbakterien zersetzt, kann das auch bei Personen ohne Fruktose-Unverträglichkeit Blähungen und Bauchschmerzen auslösen [7]. Kirschen, Marillen (Aprikosen), Zwetschken (Pflaumen) und Co können also auch ganz ohne Wasser Beschwerden verursachen, wenn man nur genug davon isst.

 

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Wipplinger, N. Matyas)

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Quellen

[1] Rawl u.a. (2014)
Rawl R, Browne L. Watch It Grow: Esophageal Impaction With Chia Seeds. In: AMERICAN JOURNAL OF GASTROENTEROLOGY 2014. S. S244-S245. (Fallbericht in voller Länge)

[2] Toxnet
Toxnet – Toxicology Data Network. Water. US National Library of Medicine. Abgerufen am 30.3.2016 unter http://toxnet.nlm.nih.gov/cgi-bin/sis/search2/r?dbs+hsdb:@term+@DOCNO+8183

[3] Leitzmann (2010)
Leitzmann, C. (2010). Die 101 wichtigsten Fragen-Gesunde Ernährung (Vol. 7025). CH Beck. S. 151

[4] Stuttgarter Zeitung
Abgerufen am 30.3.2016 unter www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.mythen-rund-ums-essen-4-nach-steinobst-kein-wasser-trinken.03f59696-84a8-4299-aaa5-15daad9f9126.html

[5] Zeit Online
Abgerufen am 30.3.2016 unter www.zeit.de/1998/30/199830.stimmts_kirschen.xml

[6] Smith (2003)
Smith JL. The role of gastric acid in preventing foodborne disease and how bacteria overcome acid conditions. J Food Prot. 2003 Jul;66(7):1292-303. (Zusammenfassung der Studie)

[[7] UpToDate (2016)
Abraczinskas D, Goldfinger SE. Intestinal gas and bloating. In Grover S (ed.). UpToDate. Abgerufen am 30. 3. 2016 unter www.uptodate.com/contents/intestinal-gas-and-bloating