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Kein Heil durch Edelsteine

Nur hübsch

Ein Wasserkrug mit farbenfrohen Steinen ist kein unbewohntes Miniaquarium, sondern der Versuch, mit Heilsteinen das Wasser aufzuwerten. Wie soll das gehen?

 

Frage:Haben in Wasserkrüge gelegte Halbedelsteine eine gesundheitliche Wirkung?
Antwort:nicht erforscht
Erklärung:Dazu liegen keine Studien vor. Es gibt aber auch keinen Grund, das zu untersuchen – oder eine Wirkung anzunehmen.

In Irland gibt es keine Schlangen. Diese Reptilien haben es nach der letzten Eiszeit einfach nicht mehr auf die Insel geschafft [1]. Irland bedankt sich dafür grundlos beim Heiligen St. Patrick.

Eine weitere Nebenwirkung soll Irlands Schlangenlosigkeit haben: Angeblich helfen Steine aus Irland bei Schlangenbissen…

Edel und gut?

Die Begründung, warum irische Steine gegen Schlangenbisse helfen sollen, ist nicht schlechter oder eigenartiger als jede andere angebliche Begründung, warum „Heilsteine“ helfen sollten. Oft wird von „Schwingung“ und „Information“ gesprochen, Begriffe, die ohne genaue Definition aber keinen Sinn machen.

Besonders wenn Wasser mit im Spiel ist, häufen sich die wissenschaftlich klingenden Behauptungen. So auch, wenn es um (Halb-)Edelsteine geht, die das Trinkwasser verbessern sollen. Der Wasserchemiker Helge Bergmann fasst es so zusammen:

„Auf kaum einem anderen Gebiet der Wasseresoterik gibt es mehr unbewiesene Behauptungen als bei den Schwingungen des Wassers. Bei solchen Angaben werden die physikalisch realen Molekülschwingungen einfach mit esoterischen (nichtexistenten) Schwingungen auf dieselbe Stufe gestellt. In einigen Fällen werden sie auch als „feinstofflich“, „ultrafein“ oder „nicht nachweisbar“ bezeichnet, um Fragen der Wissenschaft über ihre Art und Wirkung zu umgehen.“[2]

Steinsud gegen bestes Trinkwasser

Viele dieser Steine, die in einem Wasserkrug zugegebenermaßen hübsch ausschauen (zumindest solange der Krug von den härteren Steinen nicht völlig zerkratzt ist), denen darüber hinaus aber auch „Wirkung“ zugeschrieben wird, sind Kristalle.

Theoretisch wäre denkbar, dass sich Mineralien oder andere Stoffe von diesen Steinen lösen und ins Wasser übergehen. Wir haben allerdings keine Studien gefunden, die gesundheitliche Auswirkungen diesbezüglich untersucht hätten.

Bei den meisten Steinen ist es aber ohnehin unwahrscheinlich, dass sich nennenswerte Mengen wovon-auch-immer im Wasser lösen. Denn in erster Linie werden ja Steine verwendet, die gerade nicht wasserlöslich sind.

Neben der Geschäftemacherei hat die Geschichte mit den Wassersteinen noch eine Nebenwirkung: Um die behauptete Verbesserung des Wassers verkaufen zu können, wird das Trinkwasser aus der Leitung oft schlechtgeredet. Dem Wasser wird unterstellt, keine „Energie“ mehr zu haben, sich im schlimmsten Fall sogar negativ auf die Gesundheit auszuwirken.

Doch Trinkwasser ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel überhaupt. Was in Österreich und Deutschland aus dem Hahn kommt, hat oft sogar bessere Qualität als Mineralwasser [3].

Tests wären möglich, aber sinnlos

Natürlich könnte die Wirkung von Steinen in Wasserkrügen wie jede andere Therapieform auch getestet werden.

Die Wissenschaft hat daran allerdings nur wenig Interesse, denn die Ideen dahinter sind vollkommen unplausibel. Zeit und Ressourcen sind auch in der Wissenschaft knapp. Da macht es wenig Sinn, sich Fragen zu widmen, hinter denen nichts steckt.

Noch weniger Interesse an gut gemachten Studien haben wahrscheinlich nur noch diejenigen, die mit den „Heilsteinen“ Geld verdienen. Schließlich fahren sie ganz gut damit, die bunten Steine allein mit unbewiesenen Versprechungen zu verkaufen…

[Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels erschien am 10. November 2015. Eine neuerliche Literatursuche brachte keine Änderung unserer Einschätzung.]

 

(Autor: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner)

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Quellen

[1] Die Zeit –Stimmt`s? vom 5. 2.2004 Abgerufen am 9.11.2015

[2] Helge Bergmann, wasser-hokuspokus.de

[3] Stiftung Warentest, zitiert beispielsweise im „Spiegel“