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Kältekammer: Wie hilfreich ist der Frostschock?

Wie wirksam und sicher sind Kältekammern?

Wie wirksam und sicher sind Kältekammern?

Der Kurzaufenthalt in Kältekammern soll viele positive Effekte haben wie Schmerzen, Entzündungen oder Depressionen lindern. Bisherige Studien überzeugen allerdings nicht.


Frage:Gibt es Anwendungen für die Ganzkörperkryotherapie bzw. Kältekammer, die nachweislich zu Verbesserungen führen?
Antwort:nicht (ausreichend) erforscht
Erklärung:Trotz der relativ breiten Anwendung der Ganzkörperkältetherapie ist die Studienlage unbefriedigend. Viele – auch gängige – Anwendungsgebiete sind kaum untersucht. In Studien wird häufig von sehr positiven Effekten berichtet, während es kaum Nebenwirkungen geben soll. Doch sind die Studien klein und von schlechter Qualität. Derzeit ist deshalb weder eine verlässliche Aussage über die Sicherheit noch die (vor allem längerfristige) Wirksamkeit von Kältekammern möglich.

Kälte wird seit Jahrtausenden therapeutisch genutzt. Schon Hippokrates erwähnte sie lange vor unserer Zeitrechnung in seinen berühmten Schriften. Wer eine Kneipp-Kur macht, übt sich im Kaltwasser-Treten, in Kindergärten wissen schon die Winzlinge, dass sie „Coolpacks“ auf ihre Beulen drücken sollen, kalte Umschläge sind gängige Praxis von der Prellung bis zum entzündeten Gelenk. Kein Wunder, dass irgendwann auch jemand auf die Idee kam, Menschen im Ganzen in eisige Kammern zu stecken, um ihre Leiden zu lindern…

Der japanische Rheumatologe Toshiro Yamauchi war der erste. 1978 setzte er auf die Extremtemperatur von –175°C zur Ganzkörperbehandlung von rheumatoider Arthritis.

Rasch wurde die Kältekammer für weitere Anwendungsgebiete getestet. Heute werden die teuren und energieintensiven „Wunder“-Kammern für zahlreiche und unterschiedlichste Zwecke angepriesen. Angeblich sollen sie zum Beispiel [1–11]:

  • bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis und Rheuma Entzündungen lindern,
  • im (Leistungs-)Sport Muskelkater verhindern und die sportliche Leistung insgesamt erhöhen,
  • chronische Schmerzen wie Fibromyalgie, Rücken- oder Schulterschmerzen lindern, sodass weniger Medikamente nötig sind und physiotherapeutische Übungen besser durchgeführt werden können,
  • bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte den Juckreiz lindern,
  • psychische Beschwerden wie Depressionen und Angststörungen verbessern,
  • als Wellness-Angebot zum Beispiel in Thermen das Immunsystem ankurbeln, zu gutem Schlaf beitragen, einen nicht näher beschriebenen Anti-Aging-Effekt bewirken, beim Abnehmen helfen, die Herz-Kreislauf-Funktion oder ganz einfach rundum die Befindlichkeit verbessern…

Wir wurden gefragt, was dran ist an all diesen Versprechen: In welchen Bereichen ist es erwiesenermaßen sinnvoll – und sicher! –, den doch erheblichen Kälteschock auf sich zu nehmen?

Viel heiße Luft um kalte Kammern

Wir haben die wissenschaftlichen Datenbanken auf alle Arten von Ganzkörperkältetherapie durchforstet. Doch trotz der langjährigen Anwendungspraxis fanden wir kaum überzeugende Studien zu dem Thema.

Es gibt Studien – zum Beispiel eine Studie zu den diffusen Ganzkörperschmerzen bei Fibromyalgie [8], Studien zu chronischen Rückenschmerzen [5–7] oder zu starken chronischen Schmerzen der Schulter („Frozen Shoulder“) [4], zu Neurodermitis [2], Depressionen und Angststörungen [2] oder „ruhelosen Beinen“, dem sogenannten Restless Legs Syndrome [9].

Aber all diese Studien haben große Mängel. Vor allem untersuchten sie alle nur sehr wenige Patientinnen und Patienten – viel zu wenige, um zu einem verlässlichen Ergebnis kommen zu können. Darüber hinaus sind sie ungenau – sehr oft fehlen beispielsweise entscheidende Angaben – und/oder sind schlecht aufgebaut. Ob die Behandlung Beschwerden auch längerfristig bessern kann, wurde erst gar nicht untersucht.

Anhand dieser Daten ist es keinesfalls möglich zu beurteilen, ob eine Ganzkörperkältetherapie wirksam und sinnvoll ist. Auch Sicherheitsfragen bleiben ungeklärt. Zum Beispiel werden Nebenwirkungen oft entweder gar nicht erhoben oder in den Studien nicht erwähnt [1].

Es lebe der Sport!

Im Leistungssport ist die Ganzkörperkältetherapie besonders beliebt. Bei sehr niedrigen Temperaturen sollen sich die Muskeln nach dem Training angeblich besser entspannen können. Die Kälte soll auch die Leistungsfähigkeit im Wettkampf steigern. Dafür müssen Sportlerinnen und Athleten längere Zeit in Kaltwasserbädern verbringen oder sogar in „Eistonnen“ tauchen [1].

Die trockene und deshalb als angenehmer empfundene Kälte der Kryo-Kammern scheint da als Alternative zum eisigen Nass durchaus willkommen.

Doch bisher ist es nicht gelungen nachzuweisen, dass diese Form der Behandlung Muskelkater überhaupt verbessert bzw. dass sie besser wirkt als einfaches Pausieren [1]. Zudem fehlen Untersuchungen darüber, was mit Leuten passiert, die sich sehr oft in Kältekammern aufhalten. Muskelkater als eine vorübergehende und sehr harmlose Nebenwirkung von Sport scheint deshalb kein ausreichender Grund, sich den möglichen Gesundheitsrisiken durch derartige Extremtemperaturen auszusetzen [1].

Risiken und Nebenwirkungen

Gesundheitsrisiken? Davon sprechen die Fans der trockenen Eiseskälte ungern. Aber bei Temperaturen bis weit unter minus 100°C gibt es die natürlich.

Mögliche Nebenwirkungen sind Veränderungen der Haut, angefangen von Rötungen und Juckreiz bis hin zu Frostbeulen oder Erfrierungen bei unvorsichtiger Anwendung. Möglich sind Unterkühlung, Infekte, Schwindel, Atemnot, Blutdruckanstieg oder eine Verschlechterung der Symptome [1, 2].

Kältekammern müssen außerdem bei einer ganzen Reihe von Krankheiten und Beschwerden unbedingt gemieden werden [2] [4]. Dazu zählen

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie hoher Blutdruck, Angina pectoris, Thrombose(neigung), ein Herzschrittmacher oder ein nicht lange zurück liegender Herzinfarkt,
  • Atemschwäche oder Atemwegserkrankungen,
  • offene Wunden oder Geschwüre,
  • Fieber und Infekte,
  • Suchterkrankungen,
  • Nierenprobleme,
  • Klaustrophobie,
  • die seltene „Kälteallergie“ (eine Überempfindlichkeit gegen Kälte).

Bei Krankheiten, durch die die oberen Gewebsschichten des Körpers schlechter durchblutet werden, zum Beispiel bei Diabetes, Nervenerkrankungen oder Rückenmarksverletzungen, kann die extreme Kälte leichter zu Unterkühlung führen. Auch hier wird von einer Ganzkörperkältetherapie abgeraten [2].

Die Vielfalt der Ausschlussgründe und möglichen Nebenwirkungen zeigt, dass Kältekammern ein durchaus nicht unerhebliches Schadenpotenzial haben [2]. Das muss vor jeder Anwendung bedacht werden.

Wie funktioniert die Ganzkörperkältetherapie?

Eine Kältekammer besteht aus einem stark gekühlten Vorraum, in dem sich der Körper unter anderem auf die Kälte einstellen kann. Danach geht es in den Hauptraum, der auf unter –100°C abgekühlt ist. Üblich sind Temperaturen um –110°C, vereinzelt werden bis zu –180°C erreicht.

Vor dem Betreten werden die empfindlichsten Körperstellen geschützt: Ohren und Stirn sowie Brustwarzen werden bedeckt. Handschuhe, dicke Socken und Schuhe verhindern das Abfrieren von Fingern und Zehen, ein Mundschutz soll Kälteschäden an der Lunge verhindern.
Der Aufenthalt in der Hauptkammer dauert maximal drei Minuten. Dabei wird die Hautoberfläche empfindlich abgekühlt, während die Kerntemperatur des Körpers fast normal bleibt [2].

Alternative Cryosauna?

Vor allem im Leistungssport und Wellness-Bereich gewinnt als Alternative die deutlich kleinere so genannte „Cryosauna“ an Beliebtheit: ein oben offenes, tonnenförmiges Gerät, das um den Körper geschlossen und mit dem Dampf von flüssigem Stickstoff gefüllt wird. Es sieht wirklich spektakulär aus, wie der Körper in waberndem Nebel badet, während der Kopf im Freien bleibt. weshalb es sich korrekterweise bei der Cryosauna eigentlich auch nur um eine „Teilkörperkältetherapie“ handelt [1]).

Was löst der Kälteschock im Körper aus?

Eine große Zahl von Studien versuchte und versucht zu klären, welche Prozesse der Temperatursturz im Organismus anstößt. Unter anderem kommt es bei extremer Kälte zu Veränderungen des Blutdrucks, der Gefäße, der Durchblutung, der Sauerstoffversorgung des Gewebes, der Muskelspannung, der Geschwindigkeit, mit der die Nerven Reize weiterleiten, bei der Bildung und Ausschüttung zahlreicher Botenstoffe oder von Immunzellen [1, 2] [4].

Doch Veränderungen messen zu können bedeutet noch lange nicht, dass die eng miteinander vernetzten Abläufe im Körper auch verstanden sind [2][11]. Außerdem bessern sich Beschwerden nicht automatisch, weil sich ein paar Messwerte verändern.

Natürlich ist es prinzipiell interessant, was sich im Körper bei großer Kälte so alles abspielt. Doch ob diese Prozesse auch zu Symptomverbesserungen führen, die im Alltag der Anwender und Anwenderinnen spürbar sind, müsste in guten Studien nachgewiesen werden.

Warnung einer Behörde

Da Kältekammern und vor allem die Cryosauna in den USA auf dem Vormarsch sind, hat sich kürzlich die oberste amerikanische Gesundheitsbehörde FDA näher mit ihnen beschäftigt [11]. Nach Durchsicht der Studienlage gab sie eine Warnung vor unbewiesenen Heilsversprechen aus: Kein einziges der Geräte sei offiziell für eine therapeutische Behandlung zugelassen und keine der Behauptungen, egal ob von medizinischen oder von Wellness-Einrichtungen, sei derzeit wissenschaftlich abgesichert. Hingegen gebe es durchaus gesundheitliche Bedenken. Unter anderem warnt die FDA vor möglichen Schäden an Atemwegen oder Augen durch den Stickstoffdampf.

Unser Fazit:

Fallberichte und Ministudien, die positiv über Kältekammern berichten, sind so zahlreich wie die Werbeversprechen der Hersteller (vor allem jene der Cryosauna). Aber Theorien, Einzelberichte oder schlecht durchgeführte Einzelstudien reichen nicht für eine Beurteilung oder gar Empfehlung. Das geht nur mit ausreichend großen, gut gemachten und miteinander vergleichbaren Untersuchungen. Trotz über 30 Jahren Anwendung fehlen die für die Ganzkörperkältetherapie.

Sollte die Therapie tatsächlich so wirksam und sicher sein, wie die Befürworter versprechen, müsste das auch in guten Studien belegbar sein.

Denkbar ist zum Beispiel, dass eine starke Schmerzlinderung unmittelbar nach der Anwendung, wie sie in vielen der nicht aussagekräftigen Studien berichtet wird, erlaubt, physiotherapeutische Übungen effizienter durchzuführen, was zu mehr Beweglichkeit beitragen könnte, was zu besserem Üben beitragen könnte, was zu weniger Schmerzen führen könnte… also insgesamt tatsächlich zu einer Verbesserung.

Wie wenig sicher die Daten sind, zeigt sich auch darin, dass es bis heute keine standardisierten Angaben für Kältekammer-Anwendungen gibt. Offene Fragen sind zum Beispiel:

  • Gibt es möglicherweise Anwendungsgebiete, für die sich die Ganzkörperkältetherapie besser eignet als andere – einfachere, kostengünstigere, auch weniger energieintensive – Therapieformen? Der Unterschied müsste so deutlich sein, dass er den Einsatz der nicht risikoarmen Methode rechtfertigt [1].
  • Falls es solche Anwendungsgebiete gibt: Was wäre die ideale Behandlungsdauer? Bei welcher Temperatur? Wie oft und wie lange könnten sich Menschen der Extremkälte aussetzen, ohne Schaden zu nehmen? Über welche Zeiträume dürfte die Therapie verabreicht werden?

Solange Fragen wie diese nicht geklärt sind, kann über Sicherheit und Wirksamkeit von Kältekammern keine (positive) Aussage gemacht werden.

 

Die Studien im Detail

Die bisherigen Studien zu Kältekammern können nicht überzeugen. In allen wurden viel zu wenige Personen beobachtet, um zu einer auswertbaren Datenmenge zu kommen. Darüber hinaus ist die Durchführung mangelhaft: Die Studien sind uneinheitlich aufgebaut, sodass sie kaum vergleichbar sind. In den meisten fehlen wichtige Daten, zum Beispiel über Vorerkrankungen oder Medikamente. Oft werden Behandlungs- und Kontrollgruppen nicht nach dem Zufallsprinzip gebildet. Doch diese sogenannte Randomisierung ist eine Voraussetzung einer guten Studie: Damit wird ausgeschlossen, dass – ob bewusst oder unbewusst – „besser“ geeignete Personen einer der Gruppen zugeteilt werden, was das Ergebnis verzerrt. Zudem wussten die Behandelten bzw. Behandelnden meistens Bescheid, wer welcher Gruppe angehört hatte.

Es ist erwiesen, dass jeder dieser Punkte dazu führen kann, dass die Wirkung einer Behandlung zu optimistisch eingeschätzt wird. Unter anderem lässt sich so nicht sagen, ob die Erkrankung nicht auch ohne Kältekammer besser geworden wäre.

Meistens enden die Studien außerdem kurz nach der letzten Anwendung. Hier ist dann zwar gerne von relevanten Symptomverbesserungen, vor allem Schmerzlinderung, beispielsweise ein, zwei Stunden nach der Therapie die Rede [1, 2] [10]. Aber ohne längere Beobachtung ist es nicht möglich zu sagen, ob diese Besserungen einige Zeit lang oder sogar dauerhaft anhalten. Ebenso wenig lässt sich damit sagen, ob die Behandelten erst später unerwünschte Wirkungen bemerken.

Sport

Eine gut gemachte Übersichtsarbeit der unabhängigen Cochrane Collaboration fasste alle Studien zusammen, die die Effekte einer Kältekammer nach dem Sport auf Muskelkater bzw. Muskelschmerzen von jungen, gesunden Personen untersucht hatten [1].

Da die meisten Studien methodische Mängel hatten, konnten in die Endauswertung nur vier sehr kleine Studien aufgenommen werden – und die Autorinnen und Autoren der Übersichtsarbeit bemängeln, dass sogar diese vier Studien jeweils Schwächen hatten, die ihre Glaubwürdigkeit herabsetzen. Unter anderem wurden Nebenwirkungen nicht aufgezeichnet oder erwähnt und es gab erhebliche Unterschiede bei der verwendeten Temperatur oder der Dauer und Häufigkeit der Kältekammer-Anwendungen, was einen Vergleich schwierig macht.

Die Schlussfolgerung der Arbeit fällt nicht zu Gunsten der Kältekammer aus: Muskelkater oder Muskelschmerzen nach dem Training seien vorübergehende Symptome, die außerdem mit Kaltwasserbädern kostengünstig und sicher behandelt werden könnten. Da es gesundheitlich nicht unbedenklich sei, sich einmal oder gar wiederholt Extremtemperaturen auszusetzen, reichten die bisherige vorgelegten Studien nicht aus, um Kältekammern nach dem Training zu empfehlen [1].

Kältekammern bei entzündlichen Erkrankungen…

Eine Übersichtsarbeit zu verschiedenen Arten der Kälte- oder Kryotherapie bei rheumatischen Erkrankungen fand den größten Rückgang der Schmerzen bei Ganzkörperkältetherapie [3]. Die Autorinnen und Autoren verglichen die Behandlungsarten aber in ihrer statistischen Auswertung nicht direkt miteinander, sondern führten lediglich für jede Behandlungsform einzeln Vorher-Nachher-Werte an. Damit ist nicht eindeutig, welche Form der Kälte am besten wirkt. Zudem warfen sie Studien unterschiedlicher Qualität ohne Unterscheidung in einen Topf. Das Ergebnis dieser Analyse ist deshalb nicht aussagekräftig.

… und anderen Erkrankungen des Bewegungsapparats

Ein Überblick der Studien zu rheumatoiden Erkrankungen und chronischen Schmerzen fasste acht Arbeiten zusammen [2]. Erwähnt werden hier auch die (nicht aussagekräftigen) Einzelarbeiten zu Neurodermitis und Depressionen/Angsterkrankungen. Es handelt sich um die Aktualisierung eines älteren Berichts und behandelt nur deutsche und englische Studien. Zudem wurde er nur von einer Autorin verfasst.

Diese kritisiert zu geringe Fallzahlen und methodische Mängel in sämtlichen Studien und kommt zu dem Schluss, dass die Daten keine Empfehlung der Kältekammer erlauben. Außerdem warnt sie vor einem nicht klar definierbaren Schadenpotential der Ganzkörperkältetherapie vor allem für Personen mit Vorerkrankungen.

Erstarrte Schulter

Eine koreanische Arbeit verglich zwei Behandlungsarten bei einer chronisch schmerzhaft versteiften Schulter („Frozen Shoulder“): 15 Personen erhielten Physiotherapie und physikalische Therapie (Wärmepackungen, Elektrotherapie und Ultraschall), 15 Personen bekamen Physiotherapie, physikalische Therapie und Ganzkörperkältetherapie [4]. Obwohl die Studie – im Gegensatz zu anderen – jedes Detail sorgfältig anführt, also gut nachvollziehbar ist, hat sie Schwächen, die ihre Aussagekraft stark einschränken: Abgesehen von der geringen Personenzahl und der fehlenden Verblindung kann wegen der umfangreichen zusätzlichen Behandlungen die berichtete Symptomverbesserung nicht eindeutig der Kältetherapie zugeschrieben werden.

(Autorin: V. Ahne, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Costello u.a. (2015)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 4
Teilnehmende insgesamt: 64 gesunde, junge, sportliche Personen (60 davon Männer)
Fragestellung: Hilft eine Ganzkörperkältetherapie gegen Muskelkater nach dem Training?
Interessenkonflikte: keine laut Autoren

Whole-body cryotherapy (extreme cold air exposure) for preventing and treating muscle soreness after exercise in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Sep 18;(9):CD010789 (Volltext der Studie)

[2] Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit (Update HTA-Bericht)
Eingeschlossene Studien: 8
Fragestellung: Ist eine Ganzkörperkältetherapie hilfreich bei Erkrankungen des Bewegungsapparats?
Interessenkonflikte: keine Angabe

Ingrid Wilbacher: Kältekammertherapie bei muskuloskeletalen Erkrankungen – HTA-Bericht (Update 2012). Volltext abrufbar unter https://www.sozialversicherung.at/portal27/hvbportal/content?contentid=10007.694072&portal:componentId=gtneaa7ea97-b235-422f-be87-29b8068c3816&viewmode=content

[3] Guillot u.a. (2014)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 13 (7 zu lokaler Kältetherapie, 4 zu Ganzkörperkältetherapie, 2 zu einer Kombination von beidem)
Teilnehmende insgesamt: 257 Personen mit Rheumatoider Arthritis
Fragestellung: Lindern verschiedene Formen von Kältetherapie, darunter Ganzkörperkältetherapie, die Schmerzen bei Rheumatoider Arthritis?
Interessenkonflikte: keine laut Autoren

Cryotherapy in inflammatory rheumatic diseases: a systematic review. Expert Rev Clin Immunol. 2014 Feb;10(2):281-94 (Zusammenfassung der Studie)

[4] Ma u.a. (2013)
Studientyp: randomisiert kontrollierte Studie
Teilnehmende: 30 Personen mit chronisch schmerzhaft versteifter Schulter („Frozen Shoulder“)
Fragestellung: Lindert Ganzkörperkältetherapie in Kombination mit Physiotherapie und physikalischer Therapie die Schmerzen bei einer chronisch steifen Schulter besser als Physiotherapie/Physikalische Therapie alleine?
Interessenkonflikte: Für die Studie wurden die Geräte mehrerer Hersteller bereitgestellt.

Effects of whole-body cryotherapy in the management of adhesive capsulitis of the shoulder. Arch Phys Med Rehabil. 2013 Jan;94(1):9-16 (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Studien

[5] Nugraha u.a. (2015)
Effects of whole body cryo-chamber therapy on pain in patients with chronic low back pain: a prospective double blind randomised controlled trial. Eur J Phys Rehabil Med. 2015 Apr;51(2):143-8 (Zugang zum Volltext der Studie)

[6] Giemza u.a. (2015)
Effect of frequent WBC treatments on the back pain therapy in elderly men. Aging Male. 2015;18(3):135-42 (Zusammenfassung der Studie)

[7] Giemza u.a. (2014)
Effect of cryotherapy on the lumbar spine in elderly men with back pain. Aging Male. 2014 Sep;17(3):183-8 (Zusammenfassung der Studie)

[8] Bettoni u.a. (2013)
Effects of 15 consecutive cryotherapy sessions on the clinical output of fibromyalgic patients. Clinical Rheumatology, September 2013, Volume 32, Issue 9, pp 1337–1345 (Zusammenfassung der Studie)

[9] Happe u.a. (2016)
Whole body and local cryotherapy in restless legs syndrome: A randomized, single-blind, controlled parallel group pilot study. Journal of the Neurological Sciences, Volume 370, 15 November 2016, Pages 7–12 (Zusammenfassung der Studie)

Weitere Quellen

[10] Hermann (2009)
Kryotherapie. Z. Rheumatol. (2009) 68: 539-542 (Zusammenfassung auf Deutsch)

[11] US Food and Drug Administration FDA (2016)
Whole Body Cryotherapy (WBC): A “Cool” Trend that Lacks Evidence, Poses Risks. Abgerufen am 30.11.2016 unter http://www.fda.gov/ForConsumers/ConsumerUpdates/ucm508739.htm