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Jungfräuliche Empfängnis häufiger als gedacht?

Gibt es jungfräuliche Empfängnis?

Gibt es jungfräuliche Empfängnis?

Eine von 200 US-Frauen wird als Jungfrau schwanger, glaubt man einer auf ORF.at erwähnten Studie. Mögliche Ursachen für dieses Phänomen sind bisher kaum erforscht. Nicht völlig ausschließen können Wissenschaftler allerdings, dass die fraglichen Mütter fehlerhafte Angaben gemacht haben. Ein Medizin-Transparent-Weihnachtsbeitrag mit Augenzwinkern.

 
 

 

Zeitungsartikel: Jungfräuliche Empfängnis: Ein Irrtum (18.12.2013, Science.ORF.at)
Frage: Gibt es jungfräuliche Empfängnis?
Antwort: Bisher wurde nur eine einzige Studie zu dieser Fragestellung durchgeführt. Die wissenschaftliche Beweislage anhand dieser Studie lässt keine eindeutige Beantwortung zu.
Beweislage:
Unzureichende wissenschaftliche Beweislage

Die unbefleckte Empfängnis – für viele Menschen ein wichtiger Teil der christlichen Weihnachtsgeschichte – könnte neuen Studienergebnissen zufolge auch heute noch häufiger auftreten als angenommen. Denn eine von 200 Schwangerschaften in den USA entstünde ohne Intimkontakte, beschreibt ORF.at die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung. Ein Blick in die Originalstudie [1] zeigt: Tatsächlich betrifft das Phänomen sogar eine von 125 Schwangerschaften (0,8 Prozent aller Schwangerschaften).

Für die Untersuchung füllten mehr als 7000 Frauen viermal innerhalb von 14 Jahren einen Fragebogen aus. Über 5000 davon hatten in diesem Zeitraum Kinder bekommen. Tatsächlich hatte im Durchschnitt eine von 125 Schwangeren überzeugt angegeben, bisher nie Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

Gewisse Unsicherheit bei Befragung möglich

Über Ursachen und Hintergründe tappt die Wissenschaft noch im Dunkeln. Bisher ist die Befruchtung ohne sexuelle Kontakte – Biologen bezeichnen sie mit dem Fachbegriff Parthenogenese – nur von wenigen Tierarten bekannt. Beispiele dafür sind Schlangen wie Grubenotter oder Boa Constrictor sowie Haie und Komodo-Warane [1]. Beim Menschen ist das Phänomen noch kaum erforscht, die vorliegende Studie ist bisher die einzige wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Thema.

Nicht gänzlich ausschließen kann Studienleiterin Amy Herring, dass die Ergebnisse aufgrund eines Missverständnisses beim Ausfüllen der Fragebögen zustande gekommen sind. So fragten die Wissenschaftler zwar explizit, ob die Frauen bisher Geschlechtsverkehr gehabt hatten, doch eventuell ist selbst dieser Begriff missverständlich. Theoretisch wäre auch denkbar, dass Sexualpraktiken wie Petting unbeabsichtigt auch ohne explizites Eindringen des Penis zu einer Befruchtung geführt haben könnten. Um das Phänomen der unbefleckten Empfängnis genauer erforschen zu können, sollten künftige Studien diese Möglichkeit daher ausschließen.

Interessant ist auch, dass die Eltern der jungfräulichen Mütter eher Schwierigkeiten damit hatten, mit ihren Töchtern über Sexualität und Verhütung zu reden als Eltern nicht-jungfräulicher Mütter. Insgesamt waren alle befragten Jungfrauen (kinderlose sowie jene mit Kind) deutlich gläubiger als Nicht-Jungfrauen [1]. Ob die befragten Mütter aufgrund ihrer religiösen Überzeugung sexuelle Kontakte einfach nicht zugeben wollten, wurde in der Studie nicht gesondert untersucht.

Einen Mythos konnten die Studienautoren jedoch widerlegen: Jungfräuliche Schwangerschaften führen nicht häufiger zur Geburt von Buben, und treten auch in der Adventzeit nicht öfter auf [1].

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Wipplinger )

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Herring u.a. (2013)
Studientyp: Kohortenstudie
Teilnehmer: repräsentative Stichprobe aus 7870 US-Teenagerinnen zwischen 12 und 18 Jahren.
Studiendauer: 14 Jahre
Fragestellung: Wie häufig sind Schwangerschaften, bei denen die Mütter angaben, dennoch Jungfrauen zu sein
Mögliche Interessenkonflikte: keine

Herring, A. H., S. M. Attard, et al. (2013). „Like a virgin (mother): analysis of data from a longitudinal, US population representative sample survey.“ BMJ 347. (Studie in voller Länge)