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Ist Bioresonanz mehr als esoterische Stromvergeudung?

Bioresonanz

Schwingung gegen Schwingung?

Können die negativen Schwingungen eines erkrankten Patienten einfach wieder mit positiven Schwingungen gelöscht werden, wie es die Bioresonanz-Therapie angeblich tut?

Frage:Hilft die Bioresonanz- Therapie bei gesundheitlichen Beschwerden?
Antwort:möglicherweise Nein
Erklärung:Gute Studien zu der Frage sind kaum zu finden. Aufgrund des fehlenden Wirknachweises, der Gefahr von Fehldiagnosen und der mangelnden Plausibilität warnen Fachverbände schon länger vor Bioresonanz.

Wie viele eher suspekte Behandlungsmethoden wird Bioresonanz gerne bei Allergien verwendet – und zwar nicht nur zur Behandlung, sondern auch schon zur Diagnose. Dagegen verwehren sich einige Fachverbände, denn einen Wirkungsnachweis gibt es nicht.

Eindeutige Stellungnahmen

2006 hat eine Fachkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie ihre Sichtweise klar dargelegt. „Bioresonanz diagnostiziert nicht vorhandene Gesundheitsprobleme, die dann mit wirkungsloser Therapie behandelt werden…Patienten glauben eine von vorherein nicht vorhandene Allergie gelöscht zu haben“.

Dabei bezieht sich die Kommission in erster Linie auf physikalische Gutachten, die angeblich zeigen, dass die Grundlagen der Bioresonanz falsch sind [1], erwähnt aber auch drei klinische Studien, welche eine Wirkungslosigkeit gezeigt hätten.

Was man über Bioresonanz wissen sollte

Es gibt keine aussagekräftigen Studien die der Bioresonanz eine Wirksamkeit bescheinigen, zwei kleine klinische Studien hingegen sprechen deutlich dagegen [7][9]. Abgesehen davon ist noch wichtig zu wissen, dass Bioresonanz nichts mit Biofeedback zu tun hat, letzteres wird unter anderem als Entspannungstechnik eingesetzt.

Ob es sich lohnt, etwas über die Theorie hinter Bioresonanz zu wissen, ist fraglich. Sie basiert auf der Vorstellung, dass ein kranker Körper nicht genauer definierte negative Schwingungen ausstrahlt, die mit positiven Schwingungen gelöscht werden können. Das ist vom Vorgang her weder nachweisbar noch wissenschaftlich plausibel. Die Hersteller von Bioresonanzgeräten halten sich mit einer detaillierten Darstellung, was ihre Geräte genau machen, zurück.

Bei einer Behandlung wird der Patient an Elektroden angeschlossen, meist hält er sie einfach in den Händen, es gibt aber auch Hauben oder Handschuhe. Angeblich wird über die Elektroden ein Signal aufgenommen, umgewandelt und wieder an den Körper zurückgeschickt. Laut Anwendern sind mehrere Sitzungen notwendig. Gelernt wird der Umgang mit Bioresonanzgeräten in Wochenendworkshops der Hersteller [1].

 

Die Studien im Detail

Die drei schon in der Stellungname erwähnten Studien zeigen einerseits deutlich, dass die Methode nicht geeignet ist, um Allergien zu diagnostizieren [8], andererseits sind sie als Überprüfung der Wirksamkeit nur bedingt aussagekräftig – einfach aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen [7] [9].

Seit 2006 sind einige Studien veröffentlicht worden, die angeblich für die Bioresonanz sprechen, die meisten davon sind allerdings wissenschaftlich wertlos. Entweder handelt es sich um Fallberichte von Bioresonanzanwendern ohne jegliche Kontrolle [3][4], oder um kleine klinische Studien mit schweren methodischen Mängeln wie beispielsweise mangelnde Verblindung [5][6].

Eine aktuelle Studie von 2014 kommt zu dem Ergebnis, dass Bioresonanz dabei helfen kann, mit dem Rauchen aufzuhören. Das wäre sensationell, darf aber aus methodischen Gründen ebenfalls bezweifelt werden: Die Zuordnung zwischen Behandlungsgruppe und Plazebogruppe war mit einer ungeeigneten Methode gemacht worden, die Gruppen unterschieden sich in einigen Punkten schon vor der Untersuchung und einige interessante Parameter wurden zwar extra erhoben, aber kommen dann in der Auswertung nicht vor [2].

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Wüthrich u.a. (2006)
Studientyp: Stellungnahme der Fachkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie zu den Bioresonanz- und Elektroakupunkturgeräten zur Diagnostik und Therapie von (vermeintlichen) Allergien.
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Bioresonanz – diagnostischer und therapeutischer Unsinn. Stellungnahme der Fachkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie zu den Bioresonanz- und Elektroakupunkturgeräten zur Diagnostik und Therapie von (vermeintlichen) Allergien.
[2] Pihtili u.a. (2014)
Pihtili A, Galle M, Cuhadaroglu C, Kilicaslan Z, Issever H, Erkan F, Cagatay
T, Gulbaran Z. Evidence for the efficacy of a bioresonance method in smoking
cessation: a pilot study. Forsch Komplementmed. 2014;21(4):239-45.
Zusammenfassung

[3] Rahlfs u.a. (2008)
Rahlfs VW, Rozehnal A: Wirksamkeit und Verträglichkeit der Bioresonanzbehandlung. EHK 2008;57: 462–468.

[4] Herrmann u.a. (2008)
Herrmann E, Galle M: Retrospective surgery study of the therapeutic effectiveness of MORA bioresonance therapy with conventional therapy resistant patients suffering from allergies, pain and infection diseases. Eur J Integr Med 2011;3:e237–e244

[5] Schuller, Galle (2007)
Schuller J, Galle M. [Study on the clinical effectiveness of electronically
stored nosodes from tooth diseases and articular rheumatism on persons with
rheumatic diseases]. Forsch Komplementmed. 2007 Oct;14(5):289-96.
Zusammenfassung

[6] Nienhaus, Galle (2006)
Nienhaus J, Galle M. [Placebo-controlled study of the effects of a
standardized MORA bioresonance therapy on functional gastrointestinal
complaints]. Forsch Komplementmed. 2006 Feb;13(1):28-34.
Zusammenfassung

[7] Schöni u.a. (1997)
Schöni MH, Nikolaizik WH, Schöni-Affolter F. Efficacy trial of bioresonance in
children with atopic dermatitis. Int Arch Allergy Immunol. 1997
Mar;112(3):238-46.
Zusammenfassung

[8] Wantke u.a. (1993)
Bioresonanz-Allergietest vs Pricktest und RAST; Allergologie, Jarhgang 16, Nr. 4/1993, S.144-145

[9] Kofler u.a. (1996)
Bioresonanz bei Pollinose; Allergologie, Jahrgang 19, Nr. 3/1996, S 114-122