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Krebsvorsorge: Was der HPV-Test kann

Zuverlässige Krebs-Früherkennung?

Zuverlässige Krebs-Früherkennung?

Der HPV-Test soll bei der Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs effektiver sein als der übliche Krebsabstrich, schreibt der Kurier Ob der Test allerdings vermehrt zu Überdiagnosen und unnötigen Behandlungen führt, bleibt offen.

 
 

 

Zeitungsartikel: HPV-Test effektiver als Krebs-Abstrich (4. 11. 2013, Kurier)
Frage: Kann der HPV-Test effektiver vor Gebärmutterhalskrebs schützen als ein üblicher Krebsabstrich (PAP-Test)?
Antwort: Es gibt Hinweise, dass ein HPV-Test alleine oder in Kombination mit einem Krebsabstrich (PAP-Test) die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs senken kann. Das muss aber durch weitere Studien abgesichert werden. Zudem ist noch unklar, wie groß die Anzahl an Überdiagnosen und dadurch ausgelösten Ängsten und unnötigen Behandlungen ist.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislage für die effektivere Vermeidung von Krebsfällen

Ein spezieller HPV-Test soll dem Kurier zufolge zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs deutlich effektiver sein als der übliche Krebsabstrich. Der HPV-Test kann eine Infektion mit bestimmten Humanen Papillomaviren (HPV) feststellen.

Diese Viren sind weit verbreitet, rund drei Viertel der erwachsenen Bevölkerung infizieren sich durch sexuellen Kontakt bis zum 50. Lebensjahr mit HPV [3]. Das klingt bedrohlich, doch solche Infektionen sind meist harmlos und verschwinden häufig von selbst wieder. Manchmal kann es jedoch zu einer langanhaltenderen Infektion vor allem mit HP-Viren des Hochrisiko-Typs (HPV 16 und HPV 18) kommen. Daraus kann sich in seltenen Fällen nach Jahren oder Jahrzehnten Krebs entwickeln [4].

HPV-Test möglicherweise effektiver

Die Vorsorgeuntersuchung durch den HPV-Test scheint mehr Krebsfälle verhindern zu können als herkömmliche Krebsabstrich-Untersuchungen. Das ist das Ergebnis einer zusammenfassenden Analyse bisheriger klinischer Studien [1] [2]. Trotz regelmäßiger Krebsabstriche zur Früherkennung erkranken rund 30 unter 100.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Bei Frauen, die anstelle von Krebsabstrichen oder zusätzlich zu diesen regelmäßig HPV-Tests machen lassen, sind es hingegen nur 5 von 100.000 [1] [5].

Der HPV-Test kann nur eine Infektion des Gewebes im Gebärmutterhals mit HP-Viren des Hochrisikotyps feststellen. Das bedeutet aber nicht, dass die untersuchte Frau auch Krebs hat oder jemals an Krebs erkranken wird. Solche Infektionen sind häufig und verschwinden in den meisten Fällen nach ein paar Monaten wieder von selbst [5].

Der Krebsabstrich (auch Zellabstrich-Untersuchung oder Pap-Test genannt) kann unter dem Mikroskop zeigen, ob sich Schleimhautzellen des Gebärmutterhalses auffällig verändert haben. Solche veränderten Zellen bilden sich aber häufig wieder zurück. Nur in seltenen Fällen entwickeln sie sich im Laufe von Jahren zu Krebs weiter.

Beide Früherkennungsmethoden sind nur bedingt zuverlässig. So kann es vorkommen, dass beide Verfahren keine auffälligen Ergebnisse finden, obwohl bereits Gebärmutterhals-Zellen durch HP-Viren befallen und in Richtung Krebs verändert sind. Andererseits können beide Tests auch zu falschen Alarmen führen [6] und dadurch bei betroffenen Frauen unnötige Ängste auslösen.

Schaden durch Überbehandlungen?

Praktisch nicht untersucht ist der Schaden, den Testergebnisse durch falsche Alarme auslösen. So ist es möglich, dass der der ergänzende oder alleinige HPV-Test häufiger als der Pap-Test alleine zur Entdeckung von Zellveränderungen führt, die zwar behandelt werden, aus denen sich aber nie Krebs entwickelt hätte. In den analysierten Studien wurden etwa bereits gutartige mittelgradige Gebärmutterhals-Zellveränderungen behandelt. Diese bilden sich in vielen Fällen aber wieder von alleine zurück, Krebs entsteht aus ihnen nur selten [1] [4]. Ein auffälliges Testergebnis kann also dazu führen, dass eine gesunde Frau als Krebspatientin behandelt wird.

Bei einer solchen Behandlung nehmen Ärzte eine kleine Operation vor, bei der sie betroffene Gebewebestellen am Muttermund herausschneiden. Dieser Eingriff hat auch Nachteile: er kann zu Blutungen führen und erhöht das Risiko für eine Muttermundschwäche sowie eine Frühgeburt bei einer späteren Schwangerschaft [4]. Dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zufolge empfehlen Ärzte erst eine solche Behandlung, wenn sie hochgradige, aber noch gutartige Zellveränderungen (Krebsvorstufen) festgestellt haben, oder sich bereits oberflächlich Krebszellen gebildet haben.

Hat sich der Tumor bereits in umliegendes Gewebe ausgebreitet, entfernen Ärzte oft die ganze Gebärmutter sowie umliegende Lymphknoten. Eventuell führen sie auch eine Bestrahlung oder Chemotherapie durch. Bis sich aus gutartigen Vorstufen Gebärmutterhalskrebs entwickelt, vergehen aber meist Jahre bis Jahrzehnte [4].

Pap-Abstrich und HPV-Impfung

In Österreich ist die HPV-Impfung ab Februar 2014 kostenlos, die [7] gegen die beiden Hochrisiko-HPV-Stämme 16 und 18 sowie gegen zwei Niedrigrisikotypen, die keinen Krebs, aber Genitalwarzen verursachen können. Diese Impfung macht die Gebärmutterhals-Früherkennung jedoch nicht überflüssig, im Gegenteil. Lesen Sie mehr dazu unter „HPV-Impfung: nüchterne Fakten statt hitziger Diskussionen

Zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs wird in Österreich der Krebsabstrich (Pap-Test) regelmäßig eingesetzt. Seit den 1980er Jahren ist die Anzahl der Gebärmutterhalskrebs-Toten deutlich gesunken. Der Grund dafür liegt vor allem in den Pap-Früherkennungs-Untersuchen. Insgesamt erkranken der Statistik Austria zufolge etwa 6 bis 7 von 100 000 Österreicherinnen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs – nur rund 2 von 100.000 sterben auch daran.

Der HPV-Test wird zur Krebsvorsorge nicht eingesetzt, dazu müssen noch weitere Studien durchgeführt werden.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Wipplinger, C. Christof )

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] IQWIG (2011)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 6 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 235.613 Frauen
Fragestellung: Ist Screening mittels genetischem HPV-Test zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs effektiver als herkömmliche zytologische PAP-Tests?
Mögliche Interessenkonflikte: keine

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nutzenbewertung eines HPV-Tests im Primärscreening des Zervixkarzinoms: Abschlussbericht; Auftrag S10-01. 28.11.2011 (IQWiG-Berichte; Band 106). (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Murphy u.a. (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 7 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 123.027 Frauen zwischen 20 und 69 Jahren
Studiendauer: 2 bis 8 Jahre
Fragestellung: Ist Screening mittels genetischem HPV-Test zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs effektiver als herkömmliche zytologische PAP-Tests?
Mögliche Interessenkonflikte: keine

Murphy J, Kennedy EB, Dunn S, McLachlin CM, Fung Kee Fung M, Gzik D, Shier M, Paszat L. HPV testing in primary cervical screening: a systematic review and meta‐analysis. Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada.2012;34(5):443‐452. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

Weitere wissenschaftliche Quellen
[3] Palefsky JM (2013). Epidemiology of human papillomavirus infections. In Bloom A (ed.) UpToDate. Abgerufen am 29. 11. 2013 unter http://www.uptodate.com/contents/epidemiology-of-human-papillomavirus-infections

[4] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – IQWiG (2013). Überblick Gebärmutterhalskrebs. Abgerufen am 3. 12. 2013 unter http://www.gesundheitsinformation.de/gebaermutterhalskrebs-ueberblick.1020.de.html

[5] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – IQWiG (2012). Gebärmutterhalskrebs: Welchen Nutzen haben HPV-Tests in der Früherkennung? Abgerufen am 3. 12. 2013 unter http://www.gesundheitsinformation.de/gebaermutterhalskrebs-welchen-nutzen-haben-hpv-tests-in-der.1019.de.html

[6] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – IQWiG (2012). Gebärmutterhalskrebs: Früherkennung und Vorsorge. Abgerufen am 4. 12. 2013 unter
http://www.gesundheitsinformation.de/gebaermutterhalskrebs-frueherkennung-und-vorsorge.1022.de.html

[7] Bundesministerium für Gesundheit (2013). Abgerufen am 3. 12. 2013 unter http://www.bmg.gv.at/home/Startseite/aktuelle_Meldungen/HPV_Impfung_ab_Februar_gratis