Medizin transparent - Wissen was stimmt – unabhängig und wissenschaftlich geprüft

Jetzt anfragen

Sie fragen, wir antworten

Stimmt die Behauptung aus Internet, Werbung oder den Medien?

Artikel

Honig zur Wundheilung?

Bienenhonig

Bienenhonig

Aktualisiert: Er versüßt nicht nur Tee und Butterbrot; Honig soll auch Wunden heilen, behauptet das Webportal der Oberösterreichischen Nachrichten. Die Wissenschaft zeigt: leichtgradige Verbrennungen scheinen schneller zu verheilen. Verallgemeinern lässt sich die Wirksamkeit aber nicht. (Ursprünglich veröffentlicht am 6.2.2013)

Zeitungsartikel: Die Heilkraft von Honig, Propolis und Blütenpollen (18.1.2013, nachrichten.at)
Frage:Hat Honig eine wundheilende Wirkung?
Antwort:möglicherweise Ja
Erklärung:Honig kann möglicherweise die Heilung von Brandwunden etwas beschleunigen. Schwer heilende (chronische) Beingeschwüre kann Honig nicht bessern. Zudem verursacht er mehr Nebenwirkungen als andere Behandlungen.

[Aktualisiert 1.7.2014: Eine neuere Version einer Systematischen Übersichtsarbeit [1] bringt keine wesentlichen Neuerungen]

Das Webportal der Oberösterreichischen Nachrichten spricht Bienenprodukten allerlei gesundheitliche Vorteile zu. Honig im Speziellen sei nicht nur als Süßungsmittel im Tee „sinnvoll“, sondern habe auch „eine antibakterielle und wundheilende Wirkung“.

Bei leichten Verbrennungen möglicherweise wirksam

Ob die unkonventionelle Behandlung von Wunden mit Honig die Heilung beschleunigen kann, haben zahlreiche Forscher versucht herauszufinden. Wissenschaftler Andrew Jull aus Neuseeland fand insgesamt 25 randomisiert-klinische Studien dazu, die bis zum Jahr 2012 veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse dieser Studien fasste er in einer systematischen Übersichtsarbeit zusammen [1].

Zwei der Studien hatten an insgesamt knapp 1000 Teilnehmern die Heildauer von leichtgradigen Brandverletzungen untersucht. Das zusammengefasste Ergebnis beider Untersuchungen deutet darauf hin, dass Honig die Heilung von leichten Brandwunden beschleunigen könnte. Wurden andere Behandlungsmethoden angewandt, dauerte es zwischen 13 und 18 Tagen bis zur Heilung. Ein Honig-Verband konnte die Heilungszeit durchschnittlich um beinahe fünf Tage verkürzen. Bei Verbrennungen zweiten Grades könnte Honig die Heilung im Vergleich zum sofortigen Ausschneiden und einer Hauttransplantation um rund zwei Wochen verzögern [1].

Eine Empfehlung für den Einsatz von Honig zur Routinebehandlung bei leichtgradigen Verbrennungen wollen Jull und sein Team allerdings nicht abgeben. Dafür sei die Qualität der Studien zu gering, strenger durchgeführte randomisiert-kontrollierte Studien wären notwendig.

Ein Hersteller medizinischer Honigprodukte bezahlte das Forscherteam um Meme Wijesinghe für die Zusammenfassung bisheriger klinischer Studien [2]. Die Arbeit wurde nach wissenschaftlichen Kriterien gründlich durchgeführt. In der resultierenden systematischen Übersichtsarbeit zeigt sich ebenfalls, dass Honig die Wundheilung von Brandverletzungen möglicherweise beschleunigt. Die Autoren sehen jedoch für eine standardmäßige Behandlung von Brandwunden ebenfalls zu wenig verlässliche Beweise aufgrund der eingeschränkten Studienqualität.

Keine Anwendung bei chronischen Wunden

Bei der Behandlung von chronischen Wunden sieht die Sache anders aus. Schlecht verheilende Geschwüre an den Beinen sprechen auf eine Honigbehandlung nicht an. In zwei Studien an insgesamt 576 Patienten war es nach zwölf Wochen noch immer zu keiner deutlichen Besserung im Vergleich zur üblichen Behandlung gekommen. Zudem traten bei der Honigtherapie deutlich öfter unerwünschte Nebenwirkungen wie Schmerzen auf [1].

Die Ursache für chronische Beingeschwüre (Mediziner sprechen von einem Ulcus) ist häufig, dass das Blut aufgrund einer Venenstörung nicht ausreichend zurück zum Herzen fließen kann [3]. Das Blut staut sich und es kommt zu Gewebsentzündungen.

Um die Wirksamkeit von Honig für andere Wunden beurteilen zu können, fehlen noch aussagekräftige Studien.

Hintergrund: antibakterielle Wirkung von Honig

Bienenhonig besteht zum Großteil aus verschiedenen Zuckerarten und Wasser. Das zähflüssige Süßungsmittel enthält jedoch noch viele andere Stoffe, darunter Aminosäuren, Vitamine, Mineralien und Enzyme. Aus Laborexperimenten ist bekannt, dass Honig gegen verschiedene Krankheitserreger im Reagenzglas wirkt. Ein oder mehrere Inhaltsstoffe haben offenbar eine antibakterielle Wirkung. Bei Honig aus den Blüten des in Australien und Neuseeland heimischen Manuka-Strauchs scheint diese Eigenschaft besonders groß zu sein [1] [2].

Bakterien im Reagenzglas abzutöten und eine raschere Wundheilung zu bewirken sind allerdings zwei unterschiedliche Dinge. Einige der von Jull zusammengefassten randomisiert-kontrollierten Studien [1] untersuchten Brandwunden auf Krankheitserreger. Nach einer Woche schienen mehr mit Honig behandelte Brandverletzungen keimfrei zu sein als in der Vergleichsgruppe. Ob die vorhandenen Bakterien aber eine Entzündung ausgelöst hatten, gaben die Forscher nicht an. In Studien, die die Häufigkeit von Wundentzündungen verglichen, war Honig nicht wirksamer als andere Behandlungen [1].

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Wipplinger, M. Flamm, C. Christof)

Artikel empfehlen: auf Facebook teilen auf Twitter teilen

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Jull u.a. (2013)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: 25 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 2987
Fragestellung: Hilft Honig bei der Wundheilung?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Jull AB, Walker N, Deshpande S. Honey as a topical treatment for wounds. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 2. Art. No.: CD005083. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Wijesinghe u.a. (2009)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analsyse
Eingeschlossene Studien: acht randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 624
Fragestellung: Hilft Honig bei der Heilung von Verbrennungswunden?
Mögliche Interessenskonflikte: finanziert durch Hersteller von Manuka-Honig in Neuseeland (Comvita New Zealand Limited)

Wijesinghe M, Weatherall M, Perrin K, Beasley R. Honey in the treatment of burns: a systematic review and meta-analysis of its efficacy. N Z Med J. 2009 May 22;122(1295):47-60. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] Alguire OC, Mathes BM. (2012) Medical management of lower extremity chronic venous disease. In Collins KA (ed.). UpToDate. Abgerufen unter http://www.uptodate.com/contents/medical-management-of-lower-extremity-chronic-venous-disease am 29. 1. 2013