Medizin transparent - Wissen was stimmt – unabhängig und wissenschaftlich geprüft

Jetzt anfragen

Sie fragen, wir antworten

Stimmt die Behauptung aus Internet, Werbung oder den Medien?

Artikel

Hilfe bei Burnout

Stress kann zu Burnout führen

Stress kann zu Burnout führen

Bis zur Erschöpfung verausgabt: Wer an Burnout leidet, brauche eine Psychotherapie, schreibt Die Presse. Doch hilft die? Und wenn ja, welche der zahlreichen Therapierichtungen?
 
 


 

Zeitungsartikel: Deutschland: Die Kasse zahlt, die Hürden bleiben 15. 9. 2012, Die Presse)
Frage:Hilft Psychotherapie bei Burnout?
Antwort:Von den Psychotherapierichtungen gibt es nur für die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit bei Burnout. Für andere Psychotherapieformen ist die wissenschaftliche Beweislage unklar oder nicht vorhanden.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die Wirksamkeit von VKT

Ständiger Zeitdruck und Überforderung, Konflikte mit Arbeitskollegen, aber auch extrem hohe Einsatzbereitschaft und die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse zugunsten der Arbeit – all dies kann psychisch krank machen. Auf Englisch heißt das Phänomen „Burnout“: gemeint ist das Gefühl der Erschöpfung, Leere und des Ausgebrannt Seins als Langzeitfolge von Stress.

Was können Betroffene tun? Kann eine Psychotherapie langfristige Hilfe bringen? Und wenn ja, welche Art von Psychotherapie?

Kognitive Verhaltenstherapie vielversprechend

Psychotherapeutische Richtungen gibt es unzählige, doch nur wenige wurden auch auf ihre Wirksamkeit bei Burnout überprüft. Der Großteil der Studien zur Behandlung von Burnout-Symptomen befasst sich mit der Kognitiven Verhaltenstherapie. In etwa 20 Sitzungen über vier bis fünf Monaten versucht ein Therapeut, negative Verhaltensmuster und Gedanken des Patienten über sich und seine Umgebung zum Positiven zu verändern. Die Kindheit bleibt dabei ausgespart, Therapeut und Patient kümmern sich um die Lösung der Probleme im Hier und Jetzt [1].

Einer systematischen Übersichtsarbeit zufolge [1] scheint Kognitive Verhaltenstherapie die Folgen von dauerhaftem Stress längerfristig lindern zu können. Ein Großteil der Studien zeigt eine Besserung auch nach sechs oder mehr Monaten. Auch in Kombination mit Entspannungstechniken und Physiotherapie fanden Forscher bei belasteten Krankenschwestern und Ärzten eine deutliche Besserung [1]. Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Studien allerdings durch die sehr unterschiedlichen Definitionen von Burnout.

Besonders vielversprechend dürfte die Kombination von Kognitiver Verhaltenstherapie mit Maßnahmen am Arbeitsplatz direkt sein. So könnte das zusätzliche Einbinden von Arbeitsmedizinern und Vorgesetzten der Betroffenen Zeitdruck am Arbeitsplatz und das Arbeitsklima verbessern – und so in Summe Burnout stärker verringern als Kognitive Verhaltenstherapie alleine [1].

Wirksamkeit anderer Therapien unklar

Andere Therapien sind zu wenig untersucht, um ihre Wirksamkeit bestätigen oder ausschließen zu können. So ist etwa die Studienlage zu Stressmanagementtraining uneinheitlich und widersprüchlich [1]. Auch zur Musiktherapie gibt es gegensätzliche Ergebnisse. Es gibt zwar Studien, die auf eine Verringerung der Burnout-Symptome hinweisen, diese sind aber von minderer Qualität. Eine zusammenfassende Beurteilung der Wirksamkeit von Musiktherapie ist daher nicht möglich [1].

Für die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen fanden die Verfasser der systematischen Übersichtsarbeit [1] keine geeigneten Studien. Physiotherapie zeigte in einer Studie nach sechs oder zwölf Monaten keine besseren Erfolge als eine Standardbehandlung. Für eine klare Einschätzung wären jedoch mehr Studien nötig. Auch für Qigong-Therapie ist die Wirksamkeit unklar.

Schwammige Diagnose erschwert Behandlung

Welche Symptome Burnout konkret ausmachen, ist alles andere als eindeutig – ein Umstand, der die gezielte Erforschung genauso erschwert wie die Therapie. Auch wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, ist unklar [2]. Laut der Diagnoseklassifikation der Weltgesundheitsorganisation (International Classification of Diseases, ICD) ist Burnout keine eigenständige Krankheit, sondern lediglich eine Zusatzdiagnose. Die Definition der Krankheit unterscheidet sich daher je nach Arzt oder Forscher und erschwert die Interpretation von Studienergebnissen gehörig.

Einig sind sich Fachleute jedenfalls, dass die Beschwerden als Folge von belastenden Tätigkeiten auftreten – etwa im Beruf oder bei der Pflege von Angehörigen. Zumindest drei Beschwerdebereiche gelten als Anzeichen für ein Burnout-Syndrom: Betroffene sind emotional erschöpft, fühlen sich ihrer Arbeit gegenüber abgestumpft und entfremdet und sind weniger leistungsfähig als früher. Daneben können aber auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen und Magen-Darm-Probleme auftreten [2].

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Wipplinger, M. Flamm)

Artikel empfehlen: auf Facebook teilen auf Twitter teilen

 

Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Korczak u.a. (2012)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 17 (davon 4 Übersichtsarbeiten und 8 randomisiert-kontrollierte Studien)
Fragestellung: Wirksamkeit von Therapieformen bei Burnout
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben.

Korczak D, Wastian M, Schneider M. Therapy of the burnout syndrome. GMS Health Technol Assess. 2012;8:Doc05. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit) (Vollständiger Bericht auf Deutsch)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2013). Was ist ein Burnout-Syndrom? Abgerufen auf http://www.gesundheitsinformation.de/was-ist-ein-burnout-syndrom.1034.de.html