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Gesundheitsgefährdung durch Energiesparlampen?

Energiesparlampe

Energiesparlampe

Aktualisiert: Handelsübliche Energiesparlampen sollen für den Menschen aufgrund ihres Quecksilbergehalts gefährlich sein, behauptet Vorarlberg online. Zerbrechen Energiesparbirnen, können tatsächlich bedeutende Mengen an Quecksilberdampf freigesetzt werden, die manchmal über den als unbedenklich geltenden Grenzwerten liegen. Unklar ist, ob dadurch mit einer Gefährdung der Gesundheit zu rechnen ist. (Ursprünglich veröffentlicht am 9. 10. 2012)
 

 

Zeitungsartikel: Todesfalle Energiesparlampe? (29.7.2012, Vorarlberg Online)
Frage:Ist das Zerbrechen einer Energiesparlampe gesundheitsschädlich?
Antwort:Geht eine Energiesparlampe zu Bruch, wird Quecksilberdampf in Mengen freigesetzt, die über den als unbedenklich geltenden Grenzwerten liegen können. Ob es dadurch zu Gesundheitsschäden kommen kann, ist nicht direkt untersucht. Nach Beseitigung der Glasscherben und guter Belüftung des Raumes sinkt der Wert jedoch rasch wieder unter den Grenzwert.
Beweislage:
Unzureichende wissenschaftliche Beweislage

[Aktualisierte Version vom 19.5.2014: eine Suche nach neuen Studien bringt keine inhaltliche Änderung]

Energiesparlampen sind, wie der Name schon sagt, energiesparender und langlebiger im Vergleich zu herkömmlichen Glühbirnen. Da der Handel damit in der EU seit 2008 stufenweise verboten wurde, sind immer mehr dieser energiesparenden Birnen in Verwendung.

Eigentlich eine gute Sache, sollte man meinen – immerhin war eines der erklärten Ziele des EU-Verbots eine effizientere Nutzung elektrischer Energie. Da die Lampen jedoch Quecksilber enthalten, sind immer wieder negative Schlagzeilen in Zusammenhang mit den stromsparenden Lichtspendern zu lesen. Das Online-Magazin Vorarlberg Online berichtete gar über die „Todesfalle Energiesparlampe“. In einem Artikel vom 29. 7. verweist es zudem auf den Dokumentarfilm „Bulb fiction“, der bereits im September 2011 in den Kinos die angebliche Gefährlichkeit dieser Lampen beschwor.

Wie gefährlich sind Energiesparlampen nun wirklich? Ist der Quecksilbergehalt dieser Lampen tatsächlich bedenklich? Muss man um seine Gesundheit bangen wenn eine Glühbirne im Haus zerbricht?

Giftiges Quecksilber

Energiesparlampen enthalten geringe Mengen (etwa 5 Milligramm) Quecksilber, ein bei Raumtemperatur flüssiges Metall, das auch verdampfen kann. Der Quecksilbergehalt in Energiesparlampen ist von Lampe zu Lampe unterschiedlich und abhängig vom Hersteller, der Wattanzahl und dem Lebensalter der Energiesparlampe.

Quecksilber – insbesondere Quecksilberdampf – ist giftig und kann Nerven und Gehirn schädigen. Zu den typischen Folgen einer Quecksilbervergiftung zählen starkes Zittern oder psychische Veränderungen bei den Betroffenen aufgrund der Nervenschädigung. Das sich entwickelnde Nervensystem von Kindern und Ungeborenen ist dabei besonders empfindlich. [3]

Zerbricht eine Energiesparlampe, entweicht das darin enthaltene Quecksilber unter anderem in Form von Quecksilberdampf. Das Nachrichtenmagazin Vorarlberg Online berichtet, dass die Quecksilberkonzentration in der unmittelbaren Umgebung der zu Bruch gegangenen Lampe bis zu 5 Stunden danach derart hoch sei, dass sie die Gesundheit von Kindern und Schwangeren beeinträchtigen könne.

Kurzzeitig hohe Quecksilberkonzentration

Um zu analysieren, wie viel Quecksilberdampf nach dem Zerbrechen einer Lampe entweicht, wurden mehrere Laboruntersuchungen durchgeführt [1],[2]. Dabei zerbrachen Forscher Lampen unterschiedlicher Hersteller entweder in geschlossenen oder durchlüfteten Räumen und maßen anschließend die Quecksilberkonzentration in der Luft. In etlichen Fällen überstieg dabei der Quecksilbergehalt in der Luft die als unbedenklich geltenden Grenzwerte deutlich. Wurde die zu Bruch gegangene Energiesparlampe jedoch sofort beseitigt und der Raum gut gelüftet, sank der Wert nach 10 Minuten meist wieder deutlich unter den Grenzwert.

Ob es dadurch zu Vergiftungserscheinungen beim Menschen kommen kann, wurde in diesen Experimenten allerdings nicht direkt untersucht. Auch wenn die Unbedenklichkeitsgrenze in manchen Fällen überschritten wurde, erreichten die Quecksilberdampfkonzentrationen in der Raumluft in keiner Untersuchung Werte, für die eine gesundheitsschädliche Wirkung als wahrscheinlich gilt.

Scherben entsorgen und Lüften

Geht eine Quecksilber-hältige Energiesparlampe zu Bruch, so raten die Autoren der Untersuchungen zu einer schnellen Entsorgung der Glasscherben. Außerdem sollte der betreffende Raum gut durchlüftet werden, damit die Quecksilberkonzentration in der Luft wieder absinkt. Zu Bedenken ist, dass die Sparbirnen beziehungsweise Scherben davon nicht mit dem Hausmüll entsorgt werden sollen, sondern in den Sondermüll gehören. Werden diese Maßnahmen nicht eingehalten, könnte die Konzentration des Flüssigmetalldampfs in der Raumluft über längere Zeit so hoch bleiben, dass eine eventuelle gesundheitliche Beeinträchtigung von Kinder und Ungeborenen nicht völlig ausgeschlossen werden kann.

(Autoren: A. Kny, B. Kerschner, M. Flamm)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Nance u.a. (2012)
Studientyp: Nicht-systematische Übersichtsarbeit
Fragestellung: Stellt eine zerbrochene Energiesparlampe eine Gesundheitsgefährdung für Menschen dar?
Mögliche Interessenskonflikte: keine Angabe

Titel: „Human health risks from mercury exposure from broken compact fluorescent lamps (CFLs).“ Regul Toxicol Pharmacol. 2012 Apr;62(3):542-52. (Zusammenfassung der Studie)

[2] Salthammer u.a. (2012)
Studientyp: Laborexperiment
Fragestellung: Wie viel Quecksilber wird nach Bruch einer Energiesparlampe in einem Raum freigesetzt?
Mögliche Interessenskonflikte: keine Angabe

Titel: „Estimated human indoor exposure to elemental mercury from broken compact fluorescent lamps (CFLs).“ Indoor Air. 2012 Aug;22(4):289-98. (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] Elinder, Curhan, Sheridan (2012). Epidemiology and toxicity of mercury. UpToDate. Abgerufen unter http://www.uptodate.com am 07. 09. 2012.