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Gesund und trotzdem einmal jährlich zum Arzt?

Vorsorgeuntersuchung notwendig?

Vorsorgeuntersuchung notwendig?

Aktualisiert: Einmal im Jahr sollte jeder Österreicher über 18 Jahren zu einem Gesundheits-Check beim Allgemeinmediziner. Ob dies allerdings wirklich nötig ist, wurde kürzlich untersucht. Das Ergebnis: Vorsorgeuntersuchungen verringern weder das Erkrankungsrisiko, noch senken sie die Sterblichkeit. (Ursprünglich veröffentlicht am 9.11.2012)
 
 

 
 

Zeitungsartikel: Vorsorgeuntersuchung – Total unnötig (22.10.2012, news.at)
Frage:Verringern jährliche Gesundenuntersuchungen das Risiko zu erkranken oder frühzeitig zu sterben?
Antwort:wahrscheinlich Nein
Erklärung:Eine Vorsorgeuntersuchung bei gesunden Menschen kann das Risiko für Erkrankungen oder einen frühzeitigen Tod nicht verringern

[Aktualisiert 9.7.2014: Eine Suche nach neuen Studien brachte keine inhaltliche Änderung.]

Jedes Auto muss in regelmäßigen Abständen von einem Mechaniker begutachtet werden. Dieser Service sollte – in Form der Gesundenuntersuchung – auch bei unserem Körper durchgeführt werden, meint der österreichische Staat. Deshalb zahlen die Krankenkassen jedem Österreicher über 18 Jahren einmal jährlich eine Vorsorgeuntersuchung beim Allgemeinmediziner. Jedoch nutzen nach Angaben des Hauptverbandes der Sozialversicherungen lediglich 12%, also ca. jeder 8 Österreicher, dieses Angebot [2].

Bei der Gesundenuntersuchung, die bereits 1974 in Österreich eingeführt wurde, wird neben der körperlichen Untersuchung eine Blutuntersuchung gemacht, bei der unter anderem die Blutfette, der Zucker und die Leberfunktion überprüft werden. Weiters werden Größe, Gewicht und damit der Body-Mass-Index (BMI) ermittelt. Auch eine Blutdruckmessung, eine Harnanlyse und vor allem ein ausführliches ärztliches Gespräch sollte nicht fehlen, so der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger [2].

Die Gesundenuntersuchung dient in erster Linie der Prävention, das heißt, dass Gesundheitsprobleme wie z.B. Bluthochdruck bereits erkannt werden, bevor sie dem Patienten Probleme bereiten. So sollen gesundheitsfördernde Maßnahmen früher getroffen und eventuelle Folgeerkrankungen möglichst verhindert werden.

„Total unnötig“ schreibt nun News in seiner online Ausgabe. Aber was ist dran? Kann man wirklich auf die jährliche Vorsorgeuntersuchung ohne schlechtes Gewissen verzichten?

Keine Verringerung von Erkrankungs- oder Sterberisiko

Eine kürzlich veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit [1] der Cochrane Collaboration untersuchte, ob durch eine jährliche Vorsorgeuntersuchung die Krankheitsentstehung und so auch die Sterblichkeit gesenkt werden kann. Insgesamt wurden dabei 14 Studien mit mehr als 180.000 Probanden analysiert.

Tatsächlich konnten die Verfasser der zusammengefassten Analyse dieser Studien keinen positiven Effekt der Gesundenuntersuchung auf die Sterblichkeit und Wahrscheinlichkeit für schwere Erkrankungen feststellen. So wurden weder weniger Todesfälle insgesamt verzeichnet, noch verringerte die regelmäßige Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung das Risiko, Krebs oder Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu erleiden sowie daran zu sterben. Auch die Erkrankungswahrscheinlichkeit für beispielsweise Angina Pectoris (anfallsartige Brustschmerzen) oder Bronchitis schien nicht niedriger zu sein als bei jenen Studienteilnehmern, die nicht an den Untersuchungen teilnahmen.

Die Autoren führen dies teilweise darauf zurück, dass Ärzte Patienten mit erhöhtem Krankheitsrisiko bereits im Laufe anderer Untersuchungen frühzeitig erkennen und Krankheiten deshalb nicht erst im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt werden. Weiters dürften jene Patienten, welche die jährliche Gesundenuntersuchung in Anspruch nehmen, von vornherein mehr auf ihre Gesundheit achten. Personen mit erhöhtem Krankheitsrisiko scheinen weit seltener zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, meinen die Verfasser der Übersichtsarbeit bei der Interpretation ihrer Ergebnisse.

Obwohl die Autoren regelmäßige Gesundenuntersuchungen nicht für sinnvoll befinden, wollen sie damit nicht andeuten, dass vorbeugende Untersuchungen generell abzulehnen seien. Bei ärztlichem Verdacht auf Krankheit sollen ihrer Meinung nach weiter präventive Untersuchungen durchgeführt werden.

(Autoren: A. Kny, B. Kerschner, M. Flamm, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Krogsbøll (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: 14 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 182.880
Fragestellung: Kann eine Vorsorgeuntersuchung die Morbidität und Mortalität für Krankheiten reduzieren?
Mögliche Interessenskonflikte: keine

Titel: „General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease“. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 10. Art. No.: CD009009. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, „Vorsorgeuntersuchung“ abgerufen unter http://www.hauptverband.at/ am 6.11.2012