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Gelenkspiegelung bei kaputten Knien nutzlos

©istockphoto.com/stockdevil

Was hilft bei Arthrose im Knie?

Arthroskopien, also Kniegelenksspiegelungen, bei denen das Gelenk durchgespült und Meniskus und Knorpelteile geglättet werden, können Knieschmerzen nicht lindern. Das ist das Ergebnis einer Analyse bisheriger Studien. Eine Arthroskopie wird häufig bei übermäßiger Abnutzung der Kniegelenke angewandt.

Zeitungsartikel: Studie: Spritzen am Knie oft wirkungslos (11.08.2014, Orf.at); Kniegelenksspiegelungen für Patienten nutzlos (13.5.2014, derStandard.at), Kniegelenksspiegelung? Völlig nutzlos (12.5.2014, Format.at)
Frage:Hilft eine Arthroskopie (Kniegelenksspiegelung) bei Arthrose des Kniegelenks Schmerzen zu reduzieren?
Antwort:wahrscheinlich Nein
Erklärung:Eine Arthroskopie (Gelenksspiegelung) des Knies entweder mit Spülung oder auch mit zusätzlichem Glätten von Knorpeloberflächen scheint Schmerzen bei Arthrose nicht bessern zu können.

Steife, schmerzende Gelenke im Alter sind ein weitverbreitetes Problem. Ursache sind abgenutzte und eingerissene Knorpel im Gelenk. Bei weit fortgeschrittener Arthrose kann dies sogar dazu führen, dass die Knochen direkt aneinander reiben.

Bei Knie-Arthrose führen Ärzte häufig eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit Gelenkspülung und Knorpelglättung durch. Medienberichten zufolge soll jedoch diese Behandlung Schmerzen und Beweglichkeit nicht bessern können.

Studien zeigen Nutzlosigkeit

Eine kürzlich veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit zeigt die Wirkungslosigkeit von Gelenkspiegelungen bei Knie-Arthrose auf. Dabei analysierten Wissenschaftler des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) insgesamt elf randomisiert-kontrollierte Studien an rund 1200 Männern und Frauen [1] [2].

In den Studien erhielt zum Beispiel die Hälfte der Patienten eine Knie-Arthroskopie mit Gelenksspülung und Knorpelglättung, während die andere Hälfte nur eine Scheinbehandlung bekamen. Am Ende hatten beide Gruppen ein ähnliches Ausmaß an Schmerzen und Beschwerden, auch die Lebensqualität hatte sich bei den behandelten Patienten nicht merkbar gebessert.

Auch eine kürzlich veröffentlichte Studie, die die IQWiG-Wissenschaftler in ihrer Analyse nicht mehr berücksichtigen konnten, bestätigt diese Ergebnisse [2].

Bei der Gelenkspiegelung handelt es sich um eine kleine Operation unter örtlicher Betäubung. Der behandelnde Arzt kann durch einen kleinen Schnitt eine spezielle Kamera in die Gelenkskapsel einführen und diese innen mit Kochsalzlösung spülen. So kann er frei umherschwimmende Knorpel- und Gewebsfasern beseitigen. Zusätzlich kann er auch durch einen zweiten Schnitt mit speziellen Geräten die Knorpeloberfläche im Gelenk glätten.

Wie jede Operation kann auch eine Gelenkspiegelung zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Denkbar sind zum Beispiel Entzündungen des Gelenks. Wie hoch das Risiko dafür tatsächlich ist, bleibt jedoch unklar. Die Häufigkeit solcher unerwünschter Nebenwirkungen wurde in den Studien nur unzureichend erhoben [1] [2].

Was hilft?

Starkes Übergewicht beansprucht die Kniegelenke zusätzlich. Das kann die Entwicklung einer Arthrose schon in jüngeren Jahren beschleunigen. Gewicht abnehmen kann Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit deutlich verbessern. Auch Sport hilft, die Symptome zu lindern. Geeignet sind unter anderem Aerobic, Walking, Schwimmen und Radfahren. Auch Übungen zur Kräftigung der Muskulatur oder eine spezielle Physiotherapie können zur Besserung führen. Eine vollständige Heilung von Arthrose ist allerdings nicht möglich.

Kurzfristige Linderung können Schmerzmittel erzielen. In schweren Fällen hilft auch eine Operation, bei der das betroffene Gelenk teilweise oder ganz durch eine künstliche Gelenksprothese ersetzt wird.

Im Alter weit verbreitet

Etwa die Hälfte aller Frauen und ein Drittel aller Männer zwischen 70 und 79 leiden unter Arthrose, schätzt das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen [3].

Bei starker Beanspruchung nützen sich Knorpel immer mehr ab. Dies ist nicht nur durch Übergewicht der Fall, sondern kann auch durch wiederkehrende, starke Belastung etwa beim Sport oder im Beruf der Fall sein. Häufiges und langes Knien, Hocken sowie Heben und Tragen schwerer Lasten kann das Arthroserisiko deutlich erhöhen.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: A. Glechner, J. Wipplinger)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2014)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 11 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: ca. 1200
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Arthroskopie des Kniegelenks bei Gonarthrose. Abschlussbericht. www.iqwig.de 14.3.2014 (Bericht in voller Länge) https://www.iqwig.de/download/N11-01_Arthroskopie-des-Kniegelenks-bei-Gonarthrose_Abschlussbericht.pdf

[2] ] EBMinfo.at Ärzteinformationszentrum (2014). Gibt es Evidenz dafür, dass arthroskopische Eingriffe im Vergleich zu keiner Behandlung oder einer nicht-chirurgischen Therapie effektiver sind, um Endpunkte zu verbessern, die für PatientInnen mit Kniegelenksarthrose von Bedeutung sind?. 7/2014. (Volltext)
http://www.ebminfo.at/kniegelenksarthrose-kniearthroskopie

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2014). Arthrose. Gesundheitsinformation.de Abgerufen am 21. 8. 2014 unter http://www.gesundheitsinformation.de/arthrose.2700.de.html