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Fremder Kot gegen hartnäckige Darmerkrankung

©istock/liveostockimages

Hilfe bei Darmentzündungen

Man muss schon ziemlich krank sein, um sich eine Kotspende zu wünschen. Genauer gesagt, muss man eine Infektion haben, die durch das Bakterium Clostridium difficile ausgelöst wird, denn dann hilft eine Fremdkottherapie – behauptet Der Standard.
 
 
 

 
 

Zeitungsartikel: Darmerkrankungen: Fremdkot-Therapie wirkt besser als Antibiotika (17.1.2013, Der Standard)
Frage:Kann eine Fremdkot-Verabreichung eine Infektion mit Clostridium difficile heilen?
Antwort:Auch wenn es erst eine randomisiert-klinische Studie gibt und systematische Übersichtsarbeiten nur Fallstudien bewerten konnten, ist aufgrund des deutlichen Effekts eine Wirksamkeit plausibel.
Beweislage:
Mittlere wissenschaftliche Beweislagefür die Wirksamkeit

Das Bakterium Clostridium difficile löst Durchfall und gelegentlich schwere Darmentzündungen aus. Durch diesen Erreger ausgelöste Erkrankungen (CDAD – Clostridium difficile – associated disease) treten oft nach einer Behandlung mit Breitbandantibiotika auf, wenn die Darmflora durch die Medikamente geschwächt ist. Solche Erkrankungen breiten sich aus und die Rückfallquote wird höher, außerdem wird das Bakterium zunehmend resistent gegen die Standardbehandlung [1] [3] – der Gabe von einem spezifischen Antibiotikum. Doch eventuell gibt es eine wirksame Alternative: Die Fremdkottherapie.

Kot hilft

Dabei wird Kot von einem gesunden Spender in den Darm des Patienten eingebracht – von welcher Richtung aus, scheint keine Rolle zu spielen [1]. Der Artikel im Standard basiert auf der ersten randomisierten-kontrollierte Studie [2], die zu diesem Thema gemacht wurde. Geplant war, 40 Patienten mit Fremdkot zu behandeln und sie mit zwei Kontrollgruppen mit ebenfalls je 40 Teilnehmern zu vergleichen. Die Kontrollgruppen erhielten die Standardtherapie gegen CDAD: Antibiotika bzw. Antibiotika in Kombination mit einer Darmreinigung. Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, eine Zwischenanalyse wurde beschlossen: Von 16 Patienten, die eine Fremdkotspende erhalten hatten, wurden 13 gesund, nach einer zweiten Transfusion von einem anderen Spender noch einmal zwei. In den Kontrollgruppen waren es nur sieben von 26 [2]. Die Kottransfusion war so erfolgreich, dass die Studie abgebrochen wurde – um auch den Patienten in den Kontrollgruppen eine Behandlung mit Fremdkot zu ermöglichen.

Erfolgreiche Geschichte

Auch wenn es die erste randomisiert-kontrollierte Studie war, ist das Ergebnis nicht unbedingt überraschend. Wie eine Übersichtsarbeit zeigt [1], wird die Behandlung mit Fremdkot schon seit den 50er Jahren in Einzelfällen erfolgreich durchgeführt. Dass weder große Studien gemacht wurden, noch sich die Therapieform weit verbreitet hat, scheint schlicht an der damit verbundenen Empfindung von Ekel zu liegen. Denn die Erfolge selbst waren gegeben: In sieben Einzelfall-Serien verschwand der Durchfall bei 83 Prozent der Patienten nach der ersten Kottransfusion und es kam nur extrem selten zu Rückfällen und kaum zu Nebenwirkungen [1]. Die Aussagekraft solcher Einzellfallstudien ist jedoch eingeschränkt, da eine Kontrollgruppe für den Vergleich fehlt.

Große Behandlungsunterschiede gab es in der Dosis der Kotspende und auch in der Verabreichungsform. In diesem Punkt ist der Artikel im Standard unklar, wenn er beschreibt, dass die Infusion durch die Nase erfolgt. Genauer gesagt wurde im Falle der randomisiert-kontrollierten Studie [2] der Spenderkot mit steriler Kochsalzlösung verdünnt und über eine Nasensonde im Dünndarm freigesetzt.

Ganz klar ist der Wirkmechanismus nicht, aber es sieht so aus, dass sich mit Hilfe des Spenderkots die Darmflora so gut entwickelt, dass Clostridium difficile dort keinen Schaden mehr anrichten kann [1]. Die Kotübertragung macht bei CDAD-Patienten erfolgreich das, was die Werbung für so manches Joghurt verspricht – es wirkt positiv auf die Darmflora.

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, M. Flamm)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Guo ua (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: Sieben Serien von Fallstudien, keine RCT.
Teilnehmer insgesamt: 124 Patienten mit wiederkehrender CDAD
Fragestellung: Wie sicher und effektiv ist die Behandlung mit Fremdkot bei CDAD?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Guo B, Harstall C, Louie T, Veldhuyzen van Zanten S, Dieleman LA. Systematic
review: faecal transplantation for the treatment of Clostridium
difficile-associated disease. Aliment Pharmacol Ther. 2012 Apr;35(8):865-75
(Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] van Nood (2013)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 16 Patienten erhielten eine Fremdkot-Therapie und 26 weitere Patienten wurden auf zwei Kontrollgruppen aufgeteilt
Fragestellung: Wie effektiv ist Fremdkot-Therapie im Vergleich zur Behandlung mit einem spezifischen Antibiotikum?
Mögliche Interessenskonflikte: Die Autoren erhalten Vortrags- und Beratungsgelder von Astellas bzw. Microbex.

van Nood E, Vrieze A, Nieuwdorp M, Fuentes S, Zoetendal EG, de Vos WM, Visser
CE, Kuijper EJ, Bartelsman JF, Tijssen JG, Speelman P, Dijkgraaf MG, Keller JJ.
Duodenal Infusion of Donor Feces for Recurrent Clostridium difficile. N Engl J
Med. 2013 Jan 16. (zur Studie im Volltext)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] UptoDate über die Behandlung von CDAD: Abgerufen am 24.1. 2012 unter http://www.uptodate.com/contents/clostridium-difficile-in-adults-treatment