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Fremder Kot gegen hartnäckige Darmerkrankung

Clostridium difficile kann tödlich sein.

Killerbakterium Clostridium difficile

Man muss schon ziemlich krank sein, um sich eine Kotspende zu wünschen. Wer am Darmbakterium Clostridium difficile leidet, ist soweit.

Frage:Kann eine Fremdkot-Verabreichung, auch Stuhltransplantation genannt, eine Infektion mit Clostridium difficile heilen?
Antwort:wahrscheinlich Ja
Erklärung:Auch wenn es erst eine randomisiert-klinische Studie gibt und systematische Übersichtsarbeiten nur Fallstudien bewerten konnten, ist aufgrund des deutlichen Effekts eine Wirksamkeit plausibel.

Das Darmbakterium Clostridium difficile löst Durchfall und gelegentlich schwere Darmentzündungen aus. Durch diesen Erreger ausgelöste Erkrankungen (CDAD – Clostridium difficile – associated disease) treten oft nach einer Behandlung mit Breitbandantibiotika auf, wenn die Darmflora durch die Medikamente geschwächt ist. Solche Erkrankungen breiten sich aus und die Rückfallquote wird höher, außerdem wird das Bakterium zunehmend resistent gegen die Standardbehandlung [1] [3] – der Gabe von einem spezifischen Antibiotikum. Doch eventuell gibt es eine wirksame Alternative: die Fremdkottherapie, auch Stuhltransplantation genannt.

Kot hilft

Dabei wird Kot von einem gesunden Menschen in den Darm des Patienten bzw. der Patientin eingebracht – von welcher Richtung aus, scheint keine Rolle zu spielen [1].

Eine Studie zu diesem Thema wollte 40 Personen mit Fremdkot behandeln und sie mit zwei Kontrollgruppen von ebenfalls jeweils 40 Erkrankten vergleichen. Die Kontrollgruppen erhielten entweder die Standardtherapie gegen CDAD: Antibiotika bzw. Antibiotika in Kombination mit einer Darmreinigung.

Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, eine Zwischenanalyse wurde beschlossen: Von 16 Erkrankten, die eine Fremdkotspende erhalten hatten, wurden 13 gesund, nach einer zweiten Transfusion von einer anderen gesunden Person noch einmal zwei.

In den Kontrollgruppen waren es nur sieben von 26 [2]. Die Stuhltransplantation war also so erfolgreich, dass die Studie abgebrochen wurde, um auch den Patientinnen und Patienten in den Kontrollgruppen eine Behandlung mit Fremdkot zu ermöglichen.

Erfolgreiche Geschichte

Auch wenn es die erste gut gemachte Studie mit dieser Fragestellung war, ist das Ergebnis nicht unbedingt überraschend. Die Behandlung mit Fremdkot wird bereits seit den 1950er Jahren in Einzelfällen erfolgreich durchgeführt [1]. Dass weder große Studien gemacht wurden noch sich die Therapieform weit verbreitet hat, scheint schlicht an der damit verbundenen Empfindung von Ekel zu liegen. Denn die Erfolge selbst waren gegeben: In sieben Einzelfall-Studien verschwand der Durchfall bei 83 Prozent der Betroffenen schon nach der ersten Kottransfusion. Es kam nur extrem selten zu Rückfällen und kaum zu Nebenwirkungen [1]. Die Aussagekraft solcher Einzellfallstudien ist jedoch eingeschränkt, da eine Kontrollgruppe für den Vergleich fehlt.

Große Behandlungsunterschiede gab es in der Dosis der Kotspende und auch in der Verabreichungsform. In der erwähnten Studie wurde der Spenderkot mit steriler Kochsalzlösung verdünnt und über eine Nasensonde im Dünndarm freigesetzt [2].

Ganz klar ist der Wirkmechanismus nicht, aber es sieht so aus, dass sich mit Hilfe des Spenderkots die Darmflora so gut entwickelt, dass Clostridium difficile dort keinen Schaden mehr anrichten kann. Die Kotübertragung macht bei CDAD-Patienten erfolgreich das, was die Werbung für so manches Joghurt verspricht – sie wirkt positiv auf die Darmflora.

(Autor: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, M. Flamm)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Guo u.a. (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: Sieben Serien von Fallstudien.
Teilnehmende insgesamt: 124 Patientinnen und Patienten mit wiederkehrender CDAD.
Fragestellung: Wie sicher und effektiv ist die Behandlung mit Fremdkot bei CDAD?
Mögliche Interessenkonflikte: keine angegeben

Guo B, Harstall C, Louie T, Veldhuyzen van Zanten S, Dieleman LA. Systematic review: faecal transplantation for the treatment of Clostridium
difficile-associated disease. Aliment Pharmacol Ther. 2012 Apr;35(8):865-75 (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] van Nood (2013)
Studientyp: randomisiert kontrollierte Studie
Teilnehmer: 16 Personen erhielten eine Fremdkottherapie, 26 weitere wurden auf zwei Kontrollgruppen aufgeteilt
Fragestellung: Wie effektiv ist Fremdkottherapie im Vergleich zur Behandlung mit einem spezifischen Antibiotikum?
Mögliche Interessenkonflikte: Die Autoren erhalten Vortrags- und Beratungsgelder von Astellas bzw. Microbex.

van Nood E, Vrieze A, Nieuwdorp M, Fuentes S, Zoetendal EG, de Vos WM, Visser CE, Kuijper EJ, Bartelsman JF, Tijssen JG, Speelman P, Dijkgraaf MG, Keller JJ: Duodenal Infusion of Donor Feces for Recurrent Clostridium difficile. N Engl J Med. 2013 Jan 16 (zur Studie im Volltext)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] UptoDate über die Behandlung von CDAD: Abgerufen am 24.1.2012 unter http://www.uptodate.com/contents/clostridium-difficile-in-adults-treatment