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Flaute im Bett: Nutzen von Maca unklar

Aktiv dank Maca?

Probleme beim Sex können viele Ursachen haben. Ob Präparate mit Maca bei sexueller Unlust helfen, ist nicht ausreichend untersucht.

Frage: Hilft Maca bei sexuellen Störungen?
Antwort:unklar
Erklärung: Ob Maca bei sexueller Unlust, Potenzstörungen oder Fruchtbarkeitsstörungen hilft, wurde bisher nur in Studien mit sehr wenigen Teilnehmern und methodischen Mängeln untersucht. Außerdem kommen die Studien zu sehr widersprüchlichen Ergebnissen.

Botanisch gesehen ist die Maca-Pflanze ein echter Überlebenskünstler: Sie wächst in Peru im Hochland der Anden und trotzt Wind, Kälte und intensiver UV-Strahlung. Wer Präparate aus der Wurzelknolle einnimmt, soll genauso widerstandsfähig gegen Stress werden – so suggeriert es zumindest die Werbung. Außerdem gilt Maca als das „Potenzwunder der Inka“: Die Pflanze soll eine ausgleichende Wirkung auf das Hormonsystem haben, bei einer Vielzahl von sexuellen Problemen helfen und auch die Fruchtbarkeit verbessern.

Mehr Frust als Lust?

Probleme beim Sex zeigen sich in unterschiedlicher Weise: Sexuelle Unlust, fehlende Erregung, Schwierigkeiten beim Orgasmus oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können Männer und Frauen betreffen. Beim Mann sind auch Potenzstörungen möglich.
 
Genauso vielfältig sind auch die möglichen Ursachen. Bei Männern und Frauen lassen psychische Erkrankungen und Stress die Lust am Sex vergehen. Erkrankungen der Blutgefäße wirken sich auf die Potenz aus, bei Frauen können gesundheitliche Beschwerden an Gebärmutter, Scheide oder Harnblase zu sexuellen Problemen führen. Auch die sinkenden Hormonspiegel in den Wechseljahren wirken sich auf die sexuelle Zufriedenheit aus. Schließlich können auch Nebenwirkungen von Medikamenten das Sexleben stören [4,5].

Abhilfe durch Maca fraglich

Doch ob Präparate mit Maca in diesen Situationen tatsächlich helfen, ist unklar. Bei unserer Literatursuche sind wir zwar auf eine ganze Reihe von Studien gestoßen, die sich mit der Wirksamkeit von Maca bei sexuellen Problemen beschäftigen. Doch viele der Forschungsarbeiten haben nur Hormonspiegel im Blut untersucht. Studien mit patientenrelevanten Fragestellungen sind dagegen eher selten [1,2,3].
 
Hinzu kommt, dass die meisten dieser Untersuchungen entweder von schlechter methodischer Qualität sind oder wir anhand der veröffentlichten Daten die Qualität nicht verlässlich einschätzen konnten. Keine der Studien umfasste mehr als 60 Teilnehmer. Auch behandeln die Studien zum Nutzen von Maca bei sexuellen Problemen ganz unterschiedliche Fragestellungen und kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen.

 

Die Studien im Detail

Eine systematische Übersichtsarbeit [1] untersuchte die Frage, ob die Einnahme von Maca sexuelle Probleme verbessert. Dabei werteten die Autoren die Daten von vier randomisierten kontrollierten Studien aus. Allerdings waren die Teilnehmer und Fragestellungen dieser Studien so unterschiedlich, dass eine gemeinsame Auswertung den Autoren der Übersichtsarbeit nicht sinnvoll erschien. Beispielsweise wurden sexuelle Probleme von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden, Potenzstörungen oder sexuelles Verlangen bei Männern untersucht. Drei von vier Studien kamen zwar zu dem Ergebnis, dass Maca die sexuellen Probleme in einem größeren Ausmaß lindert als ein Scheinpräparat. Da die Studien jedoch durchgehend eine schlechte methodische Qualität aufweisen, sind die Ergebnisse wenig aussagekräftig. Auch bleibt es unklar, ob die Effekte, die in der Studie gemessen wurden, für den Patienten tatsächlich spürbar sind. Die Aussagekraft ist außerdem durch die niedrigen Teilnehmerzahlen eingeschränkt: Die größte der Studien untersuchte 56 Teilnehmer, die kleinste gerade einmal acht.
 
In einer weiteren Studie [2] widmeten sich die Forscher der Frage, ob die Einnahme von Maca über 12 Wochen die Sperma-Qualität bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren verbessert. Damit sollten mögliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit getestet werden. Allerdings ließ sich kein Unterschied zwischen Maca und einem Scheinpräparat feststellen. Auch hier waren nur 20 Teilnehmer in die Studie eingeschlossen. Diese Studie scheint besser gemacht zu sein als die Studien in der systematischen Übersichtsarbeit und mit der Spermienzahl wird auch ein objektiv erfassbares Kriterium bewertet. Ob man sich auf die Aussage der Studie verlassen kann, ist jedoch unklar, weil in der Veröffentlichung für eine umfassende Beurteilung einige Angaben fehlen.
 
Ob Maca sexuelle Unlust als Nebenwirkung von Mitteln gegen Depressionen lindern kann, untersuchte eine Studie [3] an 45 Frauen. Die Auswertung der Studie lässt die Frage offen, ob die Unterschiede zwischen Maca und Scheinpräparat nur zufällig entstanden sind und in Wirklichkeit nicht existieren. Außerdem fehlen auch hier in der Veröffentlichung einige wichtige Angaben, um die Studienqualität überprüfen zu können. Aus dieser Studie lassen sich also auch keine verlässlichen Aussagen zum Nutzen von Maca ableiten.

(AutorIn: I. Hinneburg, Review: J. Wipplinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Shin (2010)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: Vier randomisierte kontrollierte Studien mit jeweils 8 bis 56 Teilnehmern im Alter von 21 bis 56 Jahre. Drei Studien untersuchen nur Männer, eine Studie Frauen nach den Wechseljahren.
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Maca die Sexualfunktion?
Interessenskonflikte: keine laut Autoren

Shin BC u.a. Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review. BMC Complement Altern Med. 2010;10:44. doi: 10.1186/1472-6882-10-44.
Volltext

[2] Melnikovova (2015)
Studientyp: randomisiert kontrollierte Studie
Teilnehmer:20 Männer zwischen 20 und 40 Jahren
Fragestellung: Beeinflusst die Einnahme von Maca-Pulver über 12 Wochen die Sperma-Qualität im Vergleich zu Placebo?
Interessenskonflikte: keine laut Autoren
Melnikovova I u.a. Effect of Lepidium meyenii Walp. on Semen Parameters and Serum Hormone Levels in Healthy Adult Men: A Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Pilot Study. Evid Based Complement Alternat Med. 2015;2015:324369. doi: 10.1155/2015/324369.
Volltext

[3] Dording (2015)
Studientyp: randomisiert kontrollierte Studie
Teilnehmer: 45 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren, die wegen einer Depression mit Antidepressiva behandlet werden
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Maca-Extrakt im Vergleich zu Placebo die sexuellen Probleme, die durch die Antidepressiva-Behandlung entstehen?
Interessenskonflikte: : Zahlreiche Verbindungen der Autoren zu pharmazeutischen Firmen. Ob auch der Hersteller des Maca-Produktes dabei ist, wird nicht explizit dargestellt.

Dording CM u.a. A double-blind placebo-controlled trial of maca root as treatment for antidepressant-induced sexual dysfunction in women. Evid Based Complement Alternat Med. 2015;2015:949036. doi: 10.1155/2015/949036.
Volltext

Weitere wissenschaftliche Quellen

[4] UpToDate (2015)
Patient information: Sexual problems in men. (Abgerufen am 07.12.2015)

[5] UpToDate (2015)
Patient information: Sexual problems in women. (Abgerufen am 07.12.2015)