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Elektrosmog: besser schlafen ohne Metall?

Rauben Metallbetten den Schlaf, weil sie Elektrosmog verstärken?

Rauben Metallbetten den Schlaf, weil sie Elektrosmog verstärken?

„Wie man sich bettet, so liegt man˝ – sagt zumindest der Volksmund. Sind Metall-Bettgestelle eine Gesundheitsgefahr? Wissenschaftliche Studien dazu fehlen.

Frage:Stört Metall im Bett den Schlaf?
Antwort:unklar
Erklärung:Immer wieder hören Konsumenten, dass Bettgestelle aus bestimmten Metallen oder mit Metallteilen schädlich für die Gesundheit seien. Doch wissenschaftliche Studien dazu fehlen.
Aus diesem Grund können wir auch nicht sagen, ob Metall-Betten die Elektrosmog-Belastung verändern und somit vielleicht sogar die Gesundheit negativ beeinflussen.
Eine deutliche Gefährdung erscheint aus heutiger Sicht allerdings nicht besonders wahrscheinlich.

Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Bett – aber nicht nur zum Schlafen. Betten sind Schauplatz von Erotik, Geborgenheit und Erholung, ebenso von Krankheit und sorgenvoll durchwachten Nächten.

Yoko Ono und John Lennon machten 1969 mit dem Amsterdamer „Bed-In˝ ihre Schlafstätte zum Epizentrum eines Statements gegen den Vietnamkrieg. Im Bett kommen wir auf die Welt, hier sterben wir.

Formenreiche Schlafkultur

Abhängig von Kultur, Zeit und Modetrends haben sich Symbolik und Aussehen des Betts gewandelt. Es gibt luxuriöse Himmelbetten, minimalistische Matten, praktische Pflegebetten und viele weitere Ausprägungen des Schlaf-Möbelstücks.

Konsumenten haben heute die Qual der Wahl: Worauf wollen sie Nacht für Nacht herumliegen? Nicht nur bei Kissen, Decken, Bezügen, Lattenrosten und Matratzen gibt es eine verwirrende Vielfalt. Auch Bettgestelle sind in unterschiedlichen Designs, Dimensionen, Materialien und Preisklassen zu haben.

Metall oder Holz?

Für manche Menschen ist die Wahl des Bettgestells keine reine Geschmacks- und Kostenfrage. Sie propagieren(weitgehend) metallfreie Betten aus gesundheitlichen Gründen. Demnach soll sich so manches Metall im Bettgestell negativ auf die Schlafqualität auswirken.

Können Bettgestelle aus Metall tatsächlich der Gesundheit schaden, wollte einer unserer Leser wissen und fragte bei medizin-transparent.at nach. Gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass metallfreie Betten zu bevorzugen sind?

Verdacht: Metall als Schlafräuber

Für einige Bettenverkäufer oder auch Anbieter von baubiologischen Beratungen ist die Antwort recht eindeutig. Demnach verändern manche Metalle im Bett die allgegenwärtigen elektrischen und magnetischen Felder (vulgo „Elektrosmog˝). Dies habe eine negative Wirkung und könne der Gesundheit schaden.

Welche Fakten hat die Wissenschaft zu diesem Thema bis jetzt hervorgebracht? Lohnt sich die Vermeidung von Metallen – beim Bettrahmen oder in Form von Nägeln und Beschlägen?

Unser Fazit

Wir können aus der aktuellen Studienlage nicht ableiten, dass Menschen, die in Metall-Bettgestellen schlafen, eventuell mit negativen Gesundheitsfolgen zu rechnen haben.

Es gibt keine guten veröffentlichten Untersuchungen zu dieser Frage. Besonders wahrscheinlich erscheinen die befürchteten Effekte allerdings nicht.

Eher unwahrscheinlich: Schäden durch Metall

Auch eine weitere Detailfrage zu den elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Felder, wie sie zu Hause typischerweise vorliegen, könne wir nicht beantworten. Wir wissen nicht, ob diese Felder durch (manche) Metalle im Bettrahmen so beeinflusst werden können, dass sie negative gesundheitliche Folgen hervorzurufen vermögen.

Auch hier fehlen belastbare wissenschaftliche Untersuchungen zu möglichen Mechanismen und gesundheitlichen Folgen. Falls es hier tatsächlich eine unentdeckte Wirkung geben sollte – besonders stark und häufig dürfte diese nicht sein.

Bei Sorgen? Selbst vorsorgen!

Alles in allem scheint es zur Zeit nicht besonders plausibel, dass Metall-Bettgestelle eine gesundheitliche Gefahr in sich bergen. Nichtsdestotrotz gibt es Personen, die in Metall-Bettgestellen partout nicht zur Ruhe kommen und sich nicht sicher fühlen.

In diesem Fall spricht nichts dagegen, zu einer metallfreien Version aus Vollholz zu wechseln oder den häuslichen Elektrosmog vorsorglich zu reduzieren. Denn auch die ständige Sorge über mögliche negative Effekte kann die Lebensqualität mindern und das Auftreten von Beschwerden fördern.

Informationen zum Nocebo-Effekt, also das Auftreten von Symptomen aufgrund von negativen Erwartungen, können Sie hier nachlesen: Nocebo – wenn Nichts schadet

Streitthema Elektrosmog

Seit Jahren werden durchaus emotionale Debatten zum Elektrosmog geführt [5]. Diskutiert wird über widersprüchliche Studien und die daraus ableitbaren Gesundheitsrisiken.

Denkbar ist, dass manche Personen auf den so genannten Elektrosmog empfindlicher reagieren als andere. „Elektrosensible˝ geben an, durch die Umweltbelastung an Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit oder Hautreaktionen zu leiden. Ungeklärt ist, ob eine eventuell erhöhte Empfindlichkeit tatsächlich zu körperlichen Schäden führen kann.

Zum ebenfalls immer wieder strittigen Thema „Handystrahlung und Krebs˝ haben wir bereits in diesem Beitrag ausführlich berichtet: Krebs durch Handys?

Echt empfindlich, sicher schädlich?

Die Diagnose „Elektrosensibilität˝ stellen die Betroffenen in der Regel selbst. Durch Ärzte ist die Elektrosensibilität im Allgemeinen nicht als körperliches Leiden akzeptiert, sondern wird eher zu den psychiatrischen Erkrankungen gezählt. Es fehlen eindeutige Kriterien und Tests zur Feststellung dieser Diagnose [2] [3].

Rezepte für Schlafmützen

Ob Metall im Bett für schlechten Schlaf sorgen kann, wissen wir zur Zeit nicht. Besser untersucht sind andere mögliche Ursachen für Schlafstörungen [1] [4].

Dazu zählen beispielsweise:

  • Alkohol, Drogen, Kaffee, Tee
  • bestimmte Medikamente
  • einige körperliche und psychische Erkrankungen
  • Sorgen, Ärger und Stress
  • Schichtarbeit
  • Lärm
  • Restless-Leg-Syndrom (ruhelose Beine)
  • späte, schwere, stark gewürzte Mahlzeiten
  • Bewegungsmangel

Abgesehen von der Vermeidung der genannten Schlaflosigkeits-Auslöser gibt es eine Reihe von Methoden, die dabei helfen können, besser ein- und durchzuschlafen. Dazu zählen etwa Verhaltenstherapien unter Anleitung von Psychologen und Entspannungstechniken.

Auch ein sauberer, ruhiger und dunkler Schlafbereich kann förderlich für die Nachtruhe sein. Behagliche Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie ausreichend Frischluft tragen zu einem angenehmen Raumklima bei. Bei länger andauernden schweren Schlafstörungen können Medikamente eingesetzt werden [1] [4].

 

(AutorIn: J. Harlfinger, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Wissenschaftliche Quellen

[1] IQWIG (2013)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, IQWIG
Schlafstörungen. Abgerufen am 21. 12. 2015 unter www.gesundheitsinformation.de/schlafstoerungen.2179.de.html

[2] RUBIN u.a. (2011)
Rubin GJ, Hillert L, Nieto-Hernandez R, van Rongen E, Oftedal G. Do people with idiopathic environmental intolerance attributed to electromagnetic fields display physiological effects when exposed to electromagnetic fields? A systematic review of provocation studies. Bioelectromagnetics. 2011 Dec;32(8):593-609. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[3] UpToDate (2015)
UpToDate. Overview of idiopathic environmental intolerance (multiple chemical sensitivity) Abgerufen am 21. 12. 2015 unter
www.uptodate.com/contents/overview-of-idiopathic-environmental-intolerance-multiple-chemical-sensitivity

[4] VKI (2008)
Verein für Konsumenteninformation, VKI (Herausgeber). Bettenkauf. So liegen Sie richtig: Latex, Federkern & Co.; Elektrosmog und Allergien.

[5] WHO
World Health Organisation. Was sind elektromagnetische Felder? Abgerufen am 21. 12. 2015 unter www.who.int/peh-emf/about/en/whatareemfgerman.pdf