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Elektrische Zahnbürsten nur leicht überlegen

Sind elektrische Zahnbürsten besser?

Sind elektrische Zahnbürsten besser?

Gründlicher und effizienter als herkömmliche Zahnbürsten sollen sie sein, versprechen die Hersteller elektrischer Bürsten. Studien zufolge sind sie diesen tatsächlich eine Spur überlegen – Voraussetzung für gesunde Zähne sind sie aber keineswegs.

 
 

 

Frage:Schützen elektrische Zahnbürsten die Mundgesundheit besser als manuelle Bürsten?
Antwort:wahrscheinlich Ja
Erklärung:Elektrische Zahnbürsten bekämpfen Zahnbelag und Zahnfleischbluten wahrscheinlich geringfügig besser als herkömmliche Handzahnbürsten. Die Art der elektrischen Bürste scheint keine große Rolle zu spielen.

Laufend erscheinen neue Modelle elektrischer Zahnbürsten am Markt, die immer noch gründlicher und bequemer für ein strahlend weißes Lächeln sorgen sollen. Ist es an der Zeit, die gute alte Handzahnbürste endgültig zu entsorgen? Immerhin sind elektrische Bürsten nicht gerade billig.

Geringfügig bessere Mundgesundheit

Ein Team von Wissenschaftlern der Cochrane Collaboration hat sich alle bisher dazu verfügbaren Studien angesehen. Nach eingehender Analyse sämtlicher Ergebnisse sind sie zu einem klaren Ergebnis gekommen: Ja, elektrische Zahnbürsten sind tatsächlich besser für die Mundhygiene – der Unterschied ist aber nicht groß [1].

Die elektrische Mundsäuberung entfernt demnach Zahnbelag (Plaque) eine Spur besser als Handzahnbürsten. Zahnbelag ist ein pelziger Überzug aus Mundbakterien. Er entsteht, wenn sich auf den Zähnen eine dünne Schicht aus Speicheleiweiß bildet, auf der sich die Bakterien dann anheften und stark vermehren. Stark zuckerhältige Nahrung kann das Wachstum dieser Bakterien fördern und schließlich zu Karies führen.

Der Effekt der elektrisch betriebenen Putzhilfen geht jedoch über die Entfernung von Zahnbelag hinaus. Wer seine Zähne elektrisch putzt, bekommt auch etwas seltener Zahnfleischentzündungen als Personen, die händisch putzen, so das Ergebnis der analysierten Studien. Ein entzündetes Zahnfleisch ist häufig die Folge von unzureichend entfernten Zahnbelagsresten. Die betroffenen Zahnfleisch-Stellen werden dabei rot und bluten bei Berührung leicht. Unbehandelte Zahnfleischentzündungen können auf die Dauer zu Parodontitis (im Volksmund auch Parodontose) führen – und nach vielen Jahren dazu, dass Zähne locker werden und ausfallen können.

Handzahnbürsten ausrangieren?

Die zusammengefassten Studienergebnisse bedeuten keineswegs, dass manuelle Zahnbürsten ungeeignet sind, um seine Zähne gesund und sauber zu halten. Der Vorteil der elektrischen gegenüber herkömmlichen Zahnbürsten ist klein. Zudem ist noch nicht geklärt, ob elektrische Zahnbürsten langfristig auch Karies oder Parodontitis besser vorbeugen als Handzahnbürsten. Immerhin scheinen die elektrisch betriebenen Mundhygienehilfen das Zahnfleisch beim Putzen nicht stärker zu belasten.

Für eine gute Mundgesundheit sind elektrische Zahnbürsten also kein Muss. Auch wer seine Zähne gründlich auf herkömmliche Weise putzt, kann sie gesund und kariesfrei halten. Wie die Autoren der Studienanalyse schreiben: „Die Auswahl der Zahnbürste ist größtenteils eine Frage des persönlichen Geschmacks, des Preises, der Verfügbarkeit und ärztlichen Empfehlungen“

Welche elektrische Bürste ist die beste?

Wer sich für elektrische Zahnbürsten entscheidet, hat eine große Auswahl. Die Palette reicht von Bürstenköpfen, die sich entweder in eine Richtung oder abwechselnd nach links und rechts drehen über Bürsten, die die Zahnoberfläche mithilfe einer schwachen elektrostatischen Ladung gegen Bakterien wappnen bis zu sogenannten Ultraschallbürsten. Diese funktionieren nicht, wie der Name glauben lässt, mittels Schall, sondern lassen die Borsten mit hoher Geschwindigkeit vibrieren.

Hinweise, dass eine Bürstenart einer anderen überlegen ist, konnten die Wissenschaftler in den analysierten Studien nicht finden. Mit einer Ausnahme: elektrische Bürsten, deren Kopf von Seite zu Seite schwingt, scheinen nicht besser als herkömmliche Bürsten zu putzen.

Allerdings begutachteten die Verfasser der Übersichtsarbeit keine Studien, die unterschiedliche Arten elektrischer Bürsten direkt miteinander verglichen. Am besten untersucht sind oszillierende Bürsten, deren Kopf sich rasch wechselnd nach rechts und links dreht. Alles in allem scheint die Wahl der elektrischen Zahnputzhilfe ebenfalls Geschmackssache zu sein.

 

Die Studien im Detail

Der Vorteil elektrischer Zahnbürsten ist klein. Die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien zeigen [1]: Wer sie ein bis drei Monate lang verwendet, beseitigt damit Zahnbelag um 11 Prozent besser als durch manuelles Putzen. Der Schweregrad von dadurch ausgelösten Zahnfleischentzündungen reduziert sich aber lediglich um 6 Prozent – ein statistisch signifikanter, aber kleiner Effekt.

Langfristig (über mehr als drei Monate) scheint sich dieser Effekt auf den ersten Blick zu steigern: Zahnbelag hatte sich um 21 Prozent reduziert, Zahnfleischentzündungen um 11 Prozent. Diese Langzeitergebnisse basieren jedoch auf deutlich weniger Studien als die Kurzzeitdaten für Zeiträume von ein bis drei Monaten und sind somit weniger gut abgesichert.

Ein Großteil der analysierten Studien untersuchte weniger als 100 Teilnehmer und wurde von den Herstellern elektrischer Zahnbürsten finanziert. Statistische Überprüfungen zeigen jedoch, dass dies die zusammengefassten Ergebnisse nicht zu verzerren scheint [1].

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Wipplinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Yaacob u.a.(2014)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Analysierte Studien: 51 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 4624
Studiendauer: 4 Wochen bis 16 Monate (1-3 Monate in 44 Studien mit 3345 Teilnehmern)
Interessenskonflikte: einige der Autoren haben zuvor Studien durchgeführt, die von der Firma Braun finanziert waren.

Yaacob M, Worthington HV, Deacon SA, Deery C, Walmsley AD, Robinson PG, Glenny AM. Powered versus manual toothbrushing for oral health. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 6. Art. No.: CD002281. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)