Medizin transparent - Wissen was stimmt – unabhängig und wissenschaftlich geprüft

Jetzt anfragen

Sie fragen, wir antworten

Stimmt die Behauptung aus Internet, Werbung oder den Medien?

Artikel

Thymian – ein Kraut gegen Husten?

Was kann Thymian?

Was kann Thymian?

Aktualisiert: Thymian bekämpft Husten, Schmerzen und Bakterien, wird in einem Artikel der „Presse“ behauptet. Von zwei Verbänden zur „Duftpflanze des Jahres 2013“ gewählt, werden Thymian noch zahlreiche andere Wirkungen unterstellt. Wir haben uns die wissenschaftliche Beweislage zu Thymian gegen Husten genauer angesehen. (Ursprünglich veröffentlicht am 15.2.2013)

Zeitungsartikel: Thymian, ein Tausendsassa unter den Kräutern (22.1.2013, Die Presse)
Frage:Hilft Thymian gegen Husten?
Antwort:unklar
Erklärung:Thymian und Produkte aus Thymian zeigen antibakterielle und antifungizide Wirkungen im Labor und in zwei Studien gute Effekte in Kombination mit anderen Wirkstoffen. Für eine heilsame Wirkung als Einzelpräparat gibt es allerdings keine ausreichenden Belege.

[Aktualisiert am 10.7.2014: Bewertung der wissenschaftlichen Beweislage auf „unklar“ herabgesetzt.]

Thymian wird in vielen Formen gegen zahlreiche Beschwerden eingesetzt: als Tee, Badezusatz, Aromaöl oder als Bestandteil von Mundwasser – und natürlich in der Küche als eines jener Kräuter, welche die Verdauung fördern sollen. Als Heilkraut hat es eine lange Tradition und einige seiner chemischen Bestandteile werden heutzutage künstlich hergestellt und in Therapien verwendet [1] [2].

Allein geht gar nichts

Trotz der langen Geschichte finden sich nur wenige gute klinische Studien zu Thymian. Eine narrative Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2004 hält fest, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine randomisiert-kontrollierte Studie zu Thymian als einzelner Therapie gibt [1]. Daran hat sich insofern nichts geändert, als dass die wenigen neueren Studien nicht Thymian oder Thymianbestandteile alleine testen, sondern Kombipräparate – einerseits Thymian und Efeublätter [3], andererseits Thymian und Primelwurzel [4]. Solche Kombinationen konnten in je einer Studie ihre Überlegenheit gegenüber Placebo beweisen. Beispielsweise reduzierte die Thymian-Efeu Kombination in einer Studie mit insgesamt 361 Patienten die Hustenanfälle nach rund einer Woche um 68,7 Prozent, das Placebo nur um 47,6 Prozent. Die Studie ist zwar vom Hersteller finanziert, aber methodisch korrekt durchgeführt. Außerdem wurde in der Gruppe, die das Präparat erhielt, eine 50-prozentige Reduktion der Hustenanfälle zwei Tage früher erreicht als in der Placebogruppe [3]. Ähnlich gute Ergebnisse zeigt die Studie mit der Kombination aus Thymian und Primelwurzel [4]; beide Studien zeigen zudem eine gute Verträglichkeit, ernste Nebenwirkungen wurden keine beobachtet. Das deckt sich mit den Ergebnissen der Übersichtsarbeit, einzig bei der Verwendung von Thymianöl ist Vorsicht geboten, unverdünnt gilt es als giftig [1].

Aktive Inhaltsstoffe

Thymian enthält in seinen ätherischen Ölen mehrere Bestandteile, die Vorgänge in Organismen auslösen können, der wichtigste ist das Thymol [1][4]. Ergebnisse aus Tierversuchen zeigen unter anderem, dass Thymian Einfluss auf verschiedene Hormonlevel haben kann, etwa auf Prolaktin oder auf Schilddrüsenhormone. Ob es diesen Effekt beim Menschen ebenso gibt, ist nicht geklärt.

Im Labor sind antibakterielle Wirkungen von Thymian auf einige Bakterien (Salmonella typhimurium, Staphylococcus aureus ua.) nachgewiesen. So enthalten manche wirkungsvollen, antiseptischen Mundwässer Thymol [1], aber auch hier ist der Effekt von Thymol alleine nicht nachgewiesen.

(Autoren: J. Wipplinger, M. Strobelberger, M. Flamm)

Artikel empfehlen: auf Facebook teilen auf Twitter teilen

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Basch u.a. (2004)
Studientyp: : narrative Übersichtsarbeit, allerdings keine Angaben zur Methode
Eingeschlossene Studien: Gesamtzahl nicht angegeben, eine randomisiert-kontrollierte Studie zu Husten
Fragestellung: Überblick der medizinischen Wirkungen von Thymian
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Basch E, Ulbricht C, Hammerness P, Bevins A, Sollars D. Thyme (Thymus vulgaris
L.), thymol. J Herb Pharmacother. 2004;4(1):49-67.
(Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Coon, Ernst (2004)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 27 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 1709 Patienten mit chronischer Hapatitis C
Fragestellung: Helfen komplementärmedizinische Methoden gegen chronische Hepatitis?
Mögliche Interessenskonflikte: keine angegeben

Coon JT, Ernst E. Complementary and alternative therapies in the treatment of
chronic hepatitis C: a systematic review. J Hepatol. 2004 Mar;40(3):491-500.
(Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[3] Kemmerich ua. (2006)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 361 Patienten mit akuter Bronchitis und mehr als zehn Hustenanfällen pro Tag
Fragestellung: Ist ein Kombipräparat aus Thymian und Efeu wirksam und gut verträglich im Einsatz gegen Bronchitis?
Mögliche Interessenskonflikte: Die Studie wurde vom Hersteller des Präparates finanziert

Kemmerich B, Eberhardt R, Stammer H. Efficacy and tolerability of a fluid
extract combination of thyme herb and ivy leaves and matched placebo in adults
suffering from acute bronchitis with productive cough. A prospective,
double-blind, placebo-controlled clinical trial. Arzneimittelforschung.
2006;56(9):652-60.
(Zusammenfassung der Studie)

[4] Grünwald ua. (2005)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 150 Patienten mit akuter Bronchitis, 75 erhielten das Präparat, 75 ein entsprechendes Placebo
Fragestellung: Wirkt ein Kombipräparat aus Thymian und Primelwurzel bei akuter Bronchitis?
Mögliche Interessenskonflikte: Keine angegeben

Gruenwald J, Graubaum HJ, Busch R. Efficacy and tolerability of a fixed
combination of thyme and primrose root in patients with acute bronchitis. A
double-blind, randomized, placebo-controlled clinical trial

(Zusammenfassung der Studie)