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E-Zigaretten: eh harmlos?

Dampfen statt rauchen?

Sie sehen mehr oder weniger cool aus, rauchen richtig und setzen Nikotin frei – sind elektrische Zigaretten damit die gesündere Alternative zum Tabakrauchen? Oder hat die im Standard erwähnte Warnung der WHO vor E-Zigaretten eine Berechtigung?

Zeitungsartikel: WHO und US-Gesundheitsbehörde warnen vor E-Zigaretten (26.8.2014, derstandard.at)
Frage:Sind elektrische Zigaretten weniger schädlich als Tabakrauchen?
Antwort:möglicherweise Ja
Erklärung:Klinische Studien dazu sind zwar noch dünn gestreut; die Inhaltsstoffe und die Art und Menge, wie diese beim Rauchen von E-Zigaretten aufgenommen werden, legen nahe, dass E-Zigaretten deutlich weniger gesundheitsgefährlich sind als Tabakzigaretten. Gewissheit werden hier allerdings nur Langzeitstudien bringen. Die Inhaltsstoffe bei E-Zigaretten sind extrem unterschiedlich, ihre langfristige Wirkung unbekannt.

E-Zigaretten kommen inzwischen in allen möglichen Formen daher, manche schauen Zigaretten-ähnlich aus, andere wie Shishas und auch futuristisch anmutende Strom-Glimmstängel dampfen vor sich hin. Die grundsätzliche Konstruktion haben sie alle gemeinsam: ein Mundstück, eine Kartusche mit Flüssigkeit, ein Verdampfer und eine Batterie. Die Flüssigkeit wird mit dem Strom aus der Batterie verdampft, der entstehende Nebel wird inhaliert [a].

Mit Dampf zum Nichtraucher?

Grundsubstanzen dieser Flüssigkeit sind Propylenglykol und Glyzerin, dazu kommen Aromastoffe und in vielen Fällen Nikotin. Welche Schadstoffe durch E-Zigaretten im Körper landen, hängt also von der Flüssigkeit ab. Zwar können schädliche Bestandteile nachgewiesen werden [1][2][3][4][a], aber sie sind vermutlich weit weniger gefährlich als jene, die beim Rauchen von normalen Zigaretten aufgenommen werden [1][2][3][4].

Beworben werden E-Zigaretten als Hilfe zum Rauchstopp, doch ob sie diesbezüglich wirklich helfen ist nicht nachgewiesen. Aktuelle Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass mit Hilfe der E-Zigarette es mehr Raucher schaffen, über ein Jahr lang keine Tabakzigaretten zu rauchen. Auch soll sich die Zahl der gerauchten Tabakzigaretten reduzieren, wenn zusätzlich zur E-Zigarette gegriffen wird [1][2][3][4]. Doch keine dieser Übersichtsarbeiten ist methodisch gut gemacht, und außerdem stehen auch nur wenige gut gemachte Einzelstudien zur Verfügung. Das Deutsche Krebsforschungsinstitut kommt also zu Recht zu dem Schluss, dass E-Zigaretten ihre Wirksamkeit als langfristige Entwöhnungshilfe nicht bewiesen haben [a].

E-Zigaretten ersetzen nicht nur das Nikotin, sondern das ganze Ritual – Raucher können ihr Verhalten beibehalten, Rauchpausen einlegen und haben auch einen Ersatz für die ganze Handhabung. Entsprechend zeigten sich auch E-Zigaretten ohne Nikotin in den Studien als ähnlich effektiv wie jene mit Nikotin; ein Hinweis, dass das die Handhabung bei der E-Zigarette tatsächlich eine Rolle spielt, auch wenn hier mehr und bessere Studien noch notwendig sind.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

Die Studienlage ist nicht sehr aussagekräftig, aber selbst wenn E-Zigaretten dabei helfen, das Rauchen von Tabakzigaretten aufzugeben, müssen sie deswegen noch keine gute Erfindung sein. Denn im Grunde sind sie nichts anderes als eine weitere Möglichkeit, ungesunde Mittel zu sich zu nehmen. Ein neues Produkt bringt einen neuen Markt und die Hersteller wittern schon ihre Chancen – denn der Verkauf von E-Zigaretten ist noch nicht reguliert.

Die schlimmste Nebenwirkung von E-Zigaretten ist, dass sie nicht dafür verwendet werden, mit dem Rauchen aufzuhören, sondern im Gegenteil mehr Menschen dazu bringen, etwas zu rauchen – zwar nicht Tabakzigaretten, aber dafür die ebenfalls ungesunde E-Zigarette. Mit der ist es sogar noch leichter, Kinder und Jugendliche als Zielgruppe zu erfassen. Die Behörden stehen nun vor der schwierigen Entscheidung, ob der Vorteil für Raucher größer ist als der Schaden, der einer neuen Gruppe von potentiellen Konsumenten entstehen könnte.

Noch mehr Nebenwirkungen

Noch gibt es zu wenig klinische Studien, um zu wissen, inwieweit eine Gesundheitsgefahr durch E-Zigaretten besteht, aber eine Liste an Nebenwirkungen ist bekannt: Irritationen im Mund- und Rachenraum, trockener Husten und Übelkeit sind die häufigsten Nebenwirkungen von E-Zigaretten. Langfristige Schäden durch Mikropartikel und allergische Reaktionen auf einige der Aromen sind zumindest denkbar. Spektakuläre Meldungen über Verletzungen durch explodierende Akkus haben es zwar schon in die Medien geschafft, aber die Fälle sind weltweit an einer Hand abzählbar [1].

Fazit

Trotz allem werden starke Raucher davon profitieren, wenn sie die E-Zigarette ausprobieren, denn wenn sie dadurch die Tabakzigaretten nur etwas reduzieren, haben sie aller Wahrscheinlichkeit nach etwas für ihre Gesundheit getan. Das liegt aber nicht daran, dass E-Zigaretten vollkommen harmlos sind, sondern an der starken Gesundheitsgefährdung, die von Tabakzigaretten ausgeht.

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, P. Mahlknecht)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Hajek u.a. (2014)
Studientyp: narrative Übersichtsarbeit
Fragestellung: Verwendung, Effekte und Sicherheit von E-Zigaretten
Interessenskonflikte: Einer der fünf Autoren bekam Honorare von einem Hersteller von E-Zigaretten.

Hajek P, Etter JF, Benowitz N, Eissenberg T, McRobbie H. Electronic
cigarettes: review of use, content, safety, effects on smokers and potential for
harm and benefit. Addiction. 2014 Jul 31.
Zusammenfassung

[2] Gualano u.a. (2014)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 6 experimentelle und 6 Kohortenstudien
Fragestellung: Effektivität und Nebenwirkungen E-Zigaretten
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Gualano MR, Passi S, Bert F, La Torre G, Scaioli G, Siliquini R. Electronic
cigarettes: assessing the efficacy and the adverse effects through a systematic
review of published studies. J Public Health (Oxf). 2014 Aug 9. pii: fdu055
Zusammenfassung

[3] Farsalinos u.a. (2014)
Studientyp: narrative Übersichtsarbeit
Fragestellung: Sicherheit und Wirksamkeit von E-Zigaretten als Aufhörhilfe bei Tabakrauchern
Interessenskonflikte: Erstautor von mehreren Pharmaunternehmen und einen Vertrieb von E-Zigaretten bezahlt worden, Koautor nicht, aber seine Institution hat Gelder vo E-Zigarettenherstellern bekommen.

Farsalinos KE, Polosa R. Safety evaluation and risk assessment of electronic
cigarettes as tobacco cigarette substitutes: a systematic review. Ther Adv Drug
Saf. 2014 Apr;5(2):67-86.

[4] Orr, Asal (2014)
Studientyp: narrative Übersichtsarbeit
Fragestellung: Wirksamkeit von E-Zigaretten als Aufhörhilfe bei Tabakrauchern
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Orr KK, Asal NJ. Efficacy of Electronic Cigarettes for Smoking Cessation. Ann
Pharmacother. 2014 Aug 18. pii: 1060028014547076. [Epub ahead of print]
Zusammenfassung

Weitere wissenschaftliche Quellen

[a] Publikation des Deutschen Krebsforschungszentrums zu E-Zigaretten
http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/RoteReihe/Band_19_e-zigaretten_ein_ueberblick.pdf