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Hühnereier – Imagewandel für die ‚Cholesterinbomben’?

Zu Unrecht beschuldigt: Cholsterin in Hühnereiern

Zu Unrecht beschuldigt: Cholsterin in Hühnereiern

Eier enthalten zwar reichlich Cholesterin, doch zeigen neue Studien, dass bis zu zwei Eier pro Tag den Cholesterinspiegel nicht wesentlich ansteigen lassen. Sind Eier etwa besser als ihr Ruf?

Frage:Erhöht der Verzehr von Eiern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Antwort:möglicherweise Nein
Erklärung:Die aktuelle wissenschaftliche Beweislage deutet darauf hin, dass sich bei Gesunden das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöht, wenn Hühnereier regelmäßig im Rahmen einer ausgewogenen Ernährungsweise verzehrt werden. Bei manchen Personengruppen (z. B. Diabetikern) könnten Einschränkungen jedoch sinnvoll sein.

Etwas mehr als 230 Eier pro Person landen laut Statistik Austria in einem Jahr in Österreich durchschnittlich auf den Tellern. Und auch weltweit sind Hühnereier ein verbreitetes Lebensmittel. Sie enthalten viele Nährstoffe, beispielsweise die als ‚gesund’ geltenden Mineralien, Vitamine, außerdem Proteine und ungesättigte Fettsäuren [6].

Darüber hinaus stecken etwa 210 Milligramm Cholesterin in jedem Ei. Dieser fettähnliche Stoff wird auch vom menschlichen Körper selbst hergestellt und ist Bestandteil von Zellwänden und Ausgangsstoff für die Produktion mancher Hormone.

Trotz dieser lebenswichtigen Aufgaben sind die reichlich mit Cholesterin ausgestatteten Eier schon vor Jahrzehnten in Verruf geraten. Die Hypothese: Der Genuss von Eiern führe gemeinsam mit gesättigten tierischen Fetten zu einer nachhaltigen Schädigung der Blutgefäße und sei förderlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt).

Cholesterinwert als Risikoanzeiger

In der Tat gilt ein erhöhter Cholesterinspiegel bis heute als einer von mehreren Anzeigern für ein erhöhtes Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Deswegen nehmen viele Menschen Medikamente zur Cholesterinsenkung ein.

Um auch durch die Ernährungsweise das Blut-Cholesterin zu drosseln, wurde bzw. wird von Ärzten und medizinischen Organisationen eine Einschränkung des Eierverzehrs empfohlen.

Rehabilitation eines Bösewichts

Es ist durchaus richtig, dass der Verzehr von Eiern den Cholesterinspiegel im Blut ansteigen lässt. Gesättigte (tierische) Fette und Transfette aus der Nahrung wirken sich allerdings deutlich negativer auf den Blut-Cholesterinspiegel sowie auf das Herz-Kreislauf-Risiko aus [3].

Wie bedenklich ist also der Verzehr von Eiern? Die zusammengefassten Ergebnisse bisher durchgeführter Studien scheinen die Hypothese von den ungesunden Eiern nicht zu unterstützen. Sie deuten darauf hin, dass bei gesunden Menschen der Eierverzehr – zumindest von bis zu einem Stück pro Tag – keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung hat. Insgesamt wurden dazu die medizinischen Daten von hunderttausenden Personen ausgewertet [1] [2].

Allerdings tun Diabetiker möglicherweise aufgrund ihrer speziellen Stoffwechselsituation gut daran, ihren Eierverzehr einzuschränken. Für sie könnte durchaus ein Zusammenhang zwischen Eierverzehr und Herz-Kreislauf-Gesundheit bestehen. Um diesen Effekt zu überprüfen, sind noch weitere Untersuchungen notwendig. [1] [2]

Vielfalt statt Verbote

Die Quintessenz: Eier sind laut aktueller Datenlage von gesunden Menschen nicht zu meiden. Demnach scheint ihr maßvoller Verzehr im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung nicht schädlich für die Gesundheit von Herz und Kreislauforganen zu sein.

Ganz allgemein gilt: Statt eines isolierten ‚Eierverbots’ haben andere langfristige Maßnahmen einen wesentlich größeren Einfluss auf die Blutfette und das Herz-Kreislauf-Risiko.

Dazu gehört, dauerhaft weniger gesättigte Fette zu essen – diese sind beispielsweise in Fleisch und fettreichen Milchprodukten ‚versteckt’ – bzw. diese durch ungesättigte Fette (z. B. in Pflanzenölen, Fisch) zu ersetzen. (siehe ‚Cholesterinsenken sinnlos? Von wegen!‘ auf Medizin-Transparent.at)

Dies wirkt sich neben Gewichtsreduktion, Bewegung und Verzicht auf Rauchen – nicht nur auf die Gesundheit von Herz und Blutgefäßen – positiv aus [4] [5].

(AutorIn: J. Harlfinger, Review: B. Kerschner, J. Wipplinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Shin u.a. (2013)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 22 Kohorten aus 16 prospektiven Kohorten-Studien
Teilnehmer insgesamt: 103 202
Fragestellung: Bedingt der Verzehr von Eiern ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herztod oder Diabetes?
Interessenskonflikte: keine

Shin JY, Xun P, Nakamura Y, He K. Egg consumption in relation to risk of cardiovascular disease and diabetes: a systematic review and meta-analysis. Am J Clin Nutr. 2013 Jul;98(1):146-59. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Rong u.a. (2013)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: prospektive Kohorten-Studien (8 Artikel, 17 unabhängige Reports)
Teilnehmer insgesamt: 263 938
Fragestellung: Bedingt der Verzehr von Eiern ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herztod oder Diabetes?
Interessenskonflikte: keine

Rong Y, Chen L, Zhu T, Song Y, Yu M, Shan Z, Sands A, Hu FB, Liu L. Egg
consumption and risk of coronary heart disease and stroke: dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. BMJ. 2013 Jan 7;346:e8539. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] Gillman MW (2013). Dietary Fat. In Rind DM (ed.) UpToDate. Abgerufen am 28. 1. 2014 unter http://www.uptodate.com/contents/dietary-fat

[4] Hooper L, Summerbell CD, Thompson R, Sills D, Roberts FG, Moore H, Davey Smith G. Reduced or modified dietary fat for preventing cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 5. Art. No.: CD002137 (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[5] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – IQWiG (2013). Allgemeine Maßnahmen zur Senkung des Cholesterinspiegels. Gesundheitsinformation.de; http://www.gesundheitsinformation.de/allgemeine-massnahmen-zur-senkung-des-cholesterinspiegels.1129.de.html

Andere Quellen

[6] Ama-Information‚ Eier’ http://www.ama-marketing.at/produktgruppen/eier/vitamine-naehr-und-inhaltstoffe/