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Brustkrebs durch Deos?

Risiko durch Deos?

Risiko durch Deos?

Inhaltsstoffe in Deos werden in den Medien immer wieder verdächtigt, Brustkrebs auszulösen – so auch unlängst in der Zeitung Österreich oder dem Standard. Dafür gibt es jedoch bis heute keinen wissenschaftlichen Hinweis. Bis auf eine kleinere wissenschaftliche Untersuchung, die keinen solchen Zusammenhang entdecken konnte, ist diese Frage kaum erforscht.
Update, 31.3.2014
 

 

Zeitungsartikel: Deos als Auslöser für Brustkrebs (12. 1. 2012, Österreich),
Deo-Stoff Aluminiumchlorid schädigt Zellen (9. 12. 2012)
Frage:Können Inhaltsstoffe in Deodorants Brustkrebs auslösen?
Antwort:Bis heute findet sich für diese Befürchtung kein wissenschaftlicher Beleg. Bis auf eine Untersuchung, die keinen solchen Zusammenhang feststellen konnte, existieren dazu keine nach strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführten Studien am Menschen.
Beweislage:
Ungenügende wissenschaftliche Beweislage

Bereits vor 10 Jahren kursierte ein Ketten-Email, das vor der Brustkrebs-auslösenden Wirkung von Deodorants warnte. Durch die schweißhemmende Wirkung vieler Deos und Anti-Transpirantien könnte der Körper keine Giftstoffe mehr ausscheiden, wodurch diese sich ansammeln und schließlich Krebs auslösen würden, so der Inhalt des Rundmails. Das stimmt so aber nicht, denn Giftstoffe scheidet der Körper vorwiegend über die Nieren mit dem Urin oder mit Hilfe der Leber über den Darm aus.

Aluminiumchlorid: Laboruntersuchungen alleine genügen nicht

Ein Beitrag in der Zeitung „Österreich“ sowie im Standard berichtete vor kurzem von einer neuen Studie, die eine Schädigung von Brustgewebszellen durch den schweißhemmenden Wirkstoff Aluminiumchlorid nachgewiesen hätte. Die Autoren dieser Studie [1] untersuchten dabei die Auswirkung von verdünnter Aluminiumchlorid-Lösung auf das Wachstum von Brustgewebszellen im Labor – eine Untersuchung an menschlichen Teilnehmern wurde also nicht durchgeführt.

In ihrer Forschungsarbeit stellten die Wissenschaftler fest, dass das in Anti-Transpirantien enthaltene Aluminiumchlorid im Labor gezogene Zellen schädigen konnte und ihr Wachstumsverhalten veränderte. Doch auch wenn Krebszellen bei ihrer Entstehung anfangs ähnliche Veränderungen durchlaufen, löste das Aluminiumsalz in den Experimenten keine direkte Veränderungen des Erbguts aus, wie dies etwa viele krebserregende Substanzen tun.

Solche Laborergebnisse sollten auf keinen Fall ignoriert werden, allerdings kann von der Kulturschale nicht so ohne weiteres auf das Verhalten einer Substanz im viel komplexeren menschlichen Körper geschlossen werden. So ist etwa unklar, inwieweit und wenn, in welchen Mengen, Aluminiumchlorid über die Haut in das Brustgewebe aufgenommen wird, und wie es sich dort verhält. Diese Frage kann nur in klinischen Studien an menschlichen Teilnehmern beantwortet werden.

Studien an Patientinnen: kein Hinweis auf erhöhtes Risiko

In einer sogenannten Fall-Kontroll-Studie [2] befragten US-amerikanische Forscher ungefähr je 800 Brustkrebs-Patientinnen (die Fall-Gruppe) und gesunde Studienteilnehmerinnen (die Kontroll-Gruppe) bezüglich ihrer Kosmetik-Gewohnheiten im Achselbereich. Auch wenn die Anzahl der Teilnehmerinnen nicht ausreicht, um ein eventuell nur geringfügig erhöhtes Brustkrebsrisiko festzustellen, wurde die Studie zumindest teilweise nach anerkannten wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt.

Die Verfasser mutmaßten, dass speziell das Rasieren der Achselbehaarung kleine Wunden in der Haut hinterlassen könnte, die das Eindringen von Aluminiumverbindungen aus Anti-Transpirantien erleichtert. Doch selbst bei denjenigen Frauen, die sich regelmäßig unter den Armen rasierten und danach Deodorants oder schweißhemmende Kosmetika verwendeten, zeigte sich keine Häufung von Brustkrebsfällen im Vergleich zur Kontrollgruppe.

In einer weiteren Studie an Patientinnen wurden etwas mehr als 400 von Brustkrebs betroffene Frauen zur Häufigkeit der Verwendung von Deos, Anti-Transpirantien und Achselrasur befragt [3]. Demnach schien Brustkrebs bei Frauen mit häufigerer Deo-Verwendung und Achselrasur bereits in jüngerem Alter aufzutreten. Die Untersuchung wies jedoch etliche Mängel auf. So wurde etwa kein Vergleich mit gesunden Frauen vorgenommen, und auch andere mögliche Gründe für einen solchen Zusammenhang nicht beachtet. Beispielsweise stellten die Forscher etwa fest, dass Frauen mit früher eingetretenem Brustkrebs auch häufiger zu alkoholischen Getränken griffen.

Parabene: keine Hinweise, aber wenig untersucht

Parabene werden in verschiedenen Kosmetika als Konservierungsmittel eingesetzt und finden sich auch in manchen Deodorants wieder. Tier- und Laborstudien [4] geben Hinweise darauf, dass diese Substanzklasse eine das weibliche Geschlechtshormon Östrogen schwach imitierende Wirkung haben könnte.

Die Rolle von Östrogen bei der Entstehung von Brustkrebs ist von Wissenschaftlern anerkannt. Allerdings existieren zurzeit keinerlei Studien oder sonstige Hinweise, die auf eine Gefährdung durch Parabene oder einen Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs zeigen. Darauf weist auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Stellungnahme [5] hin, in welcher es für die Verwendung verschiedener Parabene Obergrenzen vorschlägt.

Schlussfolgerung

Zum jetzigen Zeitpunkt existiert nur eine kleinere Studie an menschlichen Teilnehmerinnen, die überwiegend nach anerkannten wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wurde [2]. Die Ergebnisse dieser Studie deuten zumindest darauf hin, dass ein großes Brustkrebsrisiko durch Deos nicht wahrscheinlich ist. Für eine eindeutigere Beurteilung müsste aber eine striktere Untersuchung mit größerer Teilnehmerzahl durchgeführt werden.

Ergebnisse von Studien im biochemischen Labor und an Tieren sollten keinesfalls ignoriert werden, sofern sie sauber durchgeführt wurden. Da sie aber in einer künstlichen Umgebung durchgeführt wurden und Tiere oft sehr unterschiedlich auf Substanzen reagieren, können nur Studien an Menschen, die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wurden, endgültig Aufschluss über die Wirksamkeit oder Nicht-Wirksamkeit von Substanzen geben.
 
Update, 31.3.2014 Im März 2014 geht das Thema noch einmal durch die Medien. Grund dafür sind jedoch keine neuen Studienergebnisse, sondern eine Stellungnahme des Deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR); darin wird stärker die gesamte Alumiumaufnahme zur Sprache gebracht und nach Einschätzung des BfR kann die Aluminiumaufnahme über Deos zur gesamten Aufnahme beitragen.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: M. Strobelberger, K. Thaler; Update: C. Christof, J.Wipplinger)

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Sappino (2012)
Studientyp: Laborstudie
Fragestellung: Beeinflusst die Zugabe von Aluminiumchlorid das Wachstum von im Labor isoliert in Nährlösung gezogenen Brustkrebszellen oder löst gar Krebs aus?

Titel: „Aluminium chloride promotes anchorage-independent growth in human mammary
epithelial cells“. J Appl Toxicol. 2012 Jan 6. doi: 10.1002/jat.1793 (Zusammenfassung der Studie)

[2] Mirick (2002)
Studientyp: Fall-Kontroll-Studie
Teilnehmerinnen: 1606 (813 Brustkrebs-Patientinnen, 793 gesunde Teilnehmerinnen)
Fragestellung: Bringt die Verwendung von Deodorants oder Antitranspirantien ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs mit sich?

Titel: „Antiperspirant use and the risk of breast cancer“. J Natl Cancer Inst. 2002 Oct 16;94(20):1578-80. (Studie im Volltext)

[3] McGrath (2003)
Studientyp: nicht-kontrollierte Studie
Teilnehmerinnen: 437 Brustkrebs-Patientinnen
Fragestellung: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Verwendung von Deodorants oder Antitranspirantien und dem früheren Auftreten von Brustkrebs?

Titel: „An earlier age of breast cancer diagnosis related to more frequent use of antiperspirants/deodorants and underarm shaving.“ Eur J Cancer Prev 12(6): 479-485. (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[4] Harvey PW. Parabens, oestrogenicity, underarm cosmetics and breast cancer: a
perspective on a hypothesis. J Appl Toxicol. 2003 Sep-Oct;23(5):285-8. (Zusammenfassung der Studie)

[5] Verwendung von Parabenen in kosmetischen Mitteln. Stellungnahme Nr. 009/2011 des BfR vom 28. Januar 2011, abgerufen unter http://www.bfr.bund.de/cm/343/verwendung_von_parabenen_in_kosmetischen_mitteln.pdf