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Augentraining – Sport für die Linse

Augentraining

Sehübungen als Prävention?

Aktualisiert: Sport hilft gegen jede Menge gesundheitlicher Probleme, am besten schon vorbeugend. Aber hilft gezieltes Training der Augenmuskeln dabei Kurzsichtigkeit zu verhindern, wie es im Kurier angedeutet wird? (ursprünglich veröffentlicht am 2.2.2014)

Zeitungsartikel: Augentraining (30.12.2012, Kurier)
Frage:Hilft Augentraining bei Kurzsichtigkeit?
Antwort:möglicherweise Nein
Erklärung:Laut Studienlage ist eine Wirksamkeit von Augentraining nur bei sehr wenigen Erkrankungen zu erwarten; von einem Effekt als Vorbeugung oder Therapie gegen Kurzsichtigkeit ist derzeit nicht auszugehen.

Aktualisiert am 27.7.2014: Eine Suche nach neuen Studien bringt keine inhaltlichen Änderungen.

Im Kurier beschreibt die Redakteurin einen Selbsttest, sie war bei einem Probetraining. Mit Augentraining ist im Artikel eine von dem amerikanischen Augenarzt William Bates entwickelte Methode gemeint, die mit verschiedenen Übungen für die Augen Kurzsichtigkeit verhindert oder gar korrigiert. Trainiert sollen dabei in erster Linie jene Muskeln werden, die für die Verformung der Linse zuständig sind. Aber auch das Zusammenspiel der Muskeln soll sich verbessern, so dass es den beiden Augen besser gelingt, auf einen Punkt scharf zu stellen.

Ausgangslage: unwahrscheinlich

Kurzsichtigkeit entsteht entweder durch eine zu starke Brechkraft des Auges oder durch einen zu langen Augapfel. In beiden Fällen wird das Bild nicht auf der Netzhaut scharf gestellt, sondern etwas davor. Die Fähigkeit der Augenmuskeln das Auge korrekt zu bewegen und mit der Linse scharf zu stellen wird schon früh in der Kindheit geformt; daher sind beide Ursachen von Kurzsichtigkeit durch Training kaum auszugleichen. Eine systematische Übersichtsarbeit fand im Jahr 2005 keine kontrollierte Studie, die einen Effekt von Augentraining auf Kurzsichtigkeit zeigen konnte – und auch keine, die eine vorbeugende Wirkung von Augentraining nahe legen würde [1]. Nur eine kleine nicht kontrollierte Studie wurde in die Arbeit diesbezüglich eingeschlossen und die zeigt keinen Effekt. Für andere Formen der Fehlsichtigkeit existieren ebenfalls kleine und methodisch schwache Studien, die keinen Unterschied zwischen Augentraining und einer Kontrollgruppe finden [1].

Therapien bei Erkrankungen

Es gibt auch andere Formen von Augen – bzw. Sehtraining, das bei einigen eher seltenen Erkrankungen helfen soll; beispielsweise wenn die Augen nicht in der Lage sind, gemeinsam auf einen Punkt zu fokussieren. Hier spielt die mangelhafte Koordination der Augenmuskeln miteinander eine Rolle und es existieren geringe Hinweise, dass hier eine Therapie mit Sehtraining helfen kann [2].

Aber bei den meisten Erkrankungen fehlt ein Wirknachweis für Sehtraining [1] [3]. Trotzdem wird Augentraining gegen Leseschwächen (Dyslexie), Lernschwächen und sogar bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) eingesetzt, doch auch das passiert ohne eine solide wissenschaftliche Grundlage[1] [3] [a] und ist daher massiv umstritten. Es ist nicht einmal klar, ob es zwischen diesen Erkrankungen und gestörtem Sehen eine klare Verbindung gibt, geschweige denn, ob eine Therapie gegen die Sehschwäche zu einer Besserung führen kann. Immerhin sind von Augentraining auch keine gefährlichen Nebenwirkungen zu erwarten [1].

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, P. Mahlknecht)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Rawstron u.a. (2005)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 43, davon 10 randomisiert-kontrollierte Studien
Fragestellung: Anwendbarkeit und Effektivität von Augentraining
Interessenskonflikte: Keine angegeben

A systematic review of the applicability and efficacy of eye exercises.
Rawstron JA, Burley CD, Elder MJ. A systematic review of the applicability and
efficacy of eye exercises. J Pediatr Ophthalmol Strabismus. 2005
Mar-Apr;42(2):82-8. Review.
Zusammenfassung

[2]Scheiman, Gwiazda u.a. (2011)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: sechs randomisiert-kontrollierte Studien
Fragestellung:Nicht-chirurgische Behandlungen von Konvergenzinsuffizienz
Interessenskonflikte: Ein Autor ist auch Autor von drei inkludierten Studien

Scheiman M, Gwiazda J, Li T. Non-surgical interventions for convergence
insufficiency. Cochrane Database Syst Rev. 2011 Mar 16;(3):CD006768.
Zusammenfassung

[3]Barrett (2009)
Studientyp: narrative Übersichtsarbeit
Fragestellung:Weche Evidenz gibt es für verhaltensorientierte Sehtherapie
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Barrett BT. A critical evaluation of the evidence supporting the practice of
behavioural vision therapy. Ophthalmic Physiol Opt. 2009 Jan;29(1):4-25.
Zusammenfassung

Weitere wissenschaftliche Quellen

[a]Handler ua (2011)
Report im Magazin der American Academy of Pediatrics über Lernschwächen, Leseschwächen und Sehfähigkeit
Handler SM, Fierson WM, Section on Ophthalmology; Council on Children with
Disabilities; American Academy of Ophthalmology; American Association for
Pediatric Ophthalmology and Strabismus; American Association of Certified
Orthoptists. Learning disabilities, dyslexia, and vision. Pediatrics. 2011
Mar;127(3):e818-56.
Zusammenfassung