Medizin transparent - Wissen was stimmt – unabhängig und wissenschaftlich geprüft

Jetzt anfragen

Sie fragen, wir antworten

Stimmt die Behauptung aus Internet, Werbung oder den Medien?

Artikel

Asthma: Wasserfall und Höhenluft

Wasserfall gegen Asthma?

Wasserfall gegen Asthma?

[Aktualisiert, ursprünglich veröffentlicht 19. 7. 2012] Der Sprühnebel eines alpinen Wasserfalls soll dem Standard zufolge Asthmasymptome lindern. Eine kleine klinische Studie macht Eltern asthmageplagter Kinder Hoffnung, für eine Bestätigung der Wirksamkeit sind aber umfangreichere Studien erforderlich.
 
 

Zeitungsartikel: Wasserfalltherapie soll Asthma-Patienten helfen (6. 7. 2012, Der Standard)
Frage:Kann der regelmäßige Aufenthalt an einem alpinen Wasserfall eine anhaltende Besserung von Asthmasymptomen bewirken?
Antwort:Es gibt Anzeichen, dass eine solche „Wasserfall-Therapie“ zumindest für einige Monate zu einer anhaltenden Besserung der Asthmasymptome führen kann. Für eine Bestätigung der Wirksamkeit sind aber umfangreichere klinische Studien nötig.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die Wirksamkeit

Etwa eines von 10 Kindern in Österreich ist von Asthma betroffen, bei einem Großteil davon sind Allergien mit im Spiel. Kommt das Kind in die Nähe eines Allergieauslösers (etwa Katzenhaare, Gräserpollen oder Hausstaubmilben), kann es zu einer plötzlichen Verengung der Atemwege und Atemnot kommen. Bei Asthma handelt es sich um eine chronische Entzündung, die die Lebensqualität stark einschränken kann und mitunter die regelmäßige Einnahme von Medikamenten erfordert.

Die Krimmler Wasserfälle in den Hohen Tauern sollen dem Standard zufolge anhaltende Linderung verschaffen können. Der Grund dafür sei die hohe Konzentration an negativen Ionen im Sprühnebel der Wasserfälle. Diese elektrisch geladenen Teilchen sollen der Entzündung der Atemwege entgegenwirken und positiv auf das Immunsystem wirken.

Höhenluft und Wasserfall

[aktualisiert 24.4.2014] In Bergregionen scheint die Anzahl an Allergieauslösern wie Pollen oder Hausstaubmilben generell niedriger zu sein als im Tiefland. Das könnte theoretisch auch Patienten mit allergischem Asthma gut tun. Gute klinische Studien dazu sind allerdings rar. Einer systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014 zufolge lässt sich derzeit nicht verlässlich sagen, ob Höhenaufenthalte die allergischen Atembeschwerden tatsächlich reduzieren können [1].

Ob der Sprühnebel eines Gebirgswasserfalls Asthmasymptome zusätzlich kann, wurde im Zuge einer kleinen randomisiert-kontrollierten Studie an 54 Kindern mit allergischem Asthma untersucht [2]. Dabei war die Hälfte der kleinen Patienten über drei Wochen täglich einer Stunde der hohen Luftfeuchtigkeit direkt an den Krimmler Wasserfällen ausgesetzt, während die Asthma-Kinder der Vergleichsgruppe an einem ähnlichen Ort auf selber Seehöhe, aber ohne Wasserfall, blieben.

Am Ende des dreiwöchigen „Asthma-Camps“ hatten sich Lungenfunktion sowie Asthmasymptome bei beiden Gruppen gleichermaßen gebessert und unterschieden sich nicht voneinander. Vier Monate nach Ende des Camps hatte die Linderung der Beschwerden bei einem Großteil der „Wasserfall-Kinder“ allerdings nach wie vor angehalten. Die Symptome der Vergleichsgruppe waren zu diesem Zeitpunkt wieder deutlich schlechter als die der „Wasserfall-Kinder“.

Unklar ob Ionen eine Rolle spielen

Das Besondere an den Krimmler Wasserfällen sei die hohe Konzentration an negativ geladenen Teilchen (Ionen) rund um die herabstürzenden Wassermassen, so eine der Studienautorinnen im Standard-Artikel. Ob allerdings tatsächlich die hohe Konzentration an geladenen Luftmolekülen oder mikroskopisch kleinen Wassertröpfchen für die Symptomlinderung verantwortlich ist, kann die vorliegende Studie nicht klären. Dazu wäre ein Vergleich mit der Wirkung anderer Wasserfall-Umgebungen mit geringerer Luftionen-Konzentration nötig.

Trockene Luft, die durch spezielle Ionisierungsgeräte mit negativen Ionen angereichert wurde, hat einer systematischen Übersichtsarbeit zufolge keinerlei Asthma-reduzierende Wirkung [3] (siehe dazu auch den Medizin-Transparent-Beitrag Anti-Allergie-Luftionen: mehr als nur heiße Luft?)

Insgesamt könnte ein Aufenthalt an den Krimmler oder ähnlichen Wasserfällen eine symptomlindernde, über zumindest vier Monate anhaltende, Wirkung bei Kindern mit allergischem Asthma haben. Für eine verlässliche Einschätzung der langfristigen Wirksamkeit wären aber umfassendere klinische Studien mit größeren Teilnehmerzahlen nötig. Ob die Linderung der Atembeschwerden dabei tatsächlich durch die hohe Ionenkonzentration bedingt ist, oder ob die hohe Luftfeuchtigkeit am Wasserfall in Kombination mit der Höhenluft und dem Bergklima dieselbe Wirkung erzielen, lässt sich durch die vorliegende Studie nicht sagen.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: M. Strobelberger, K. Thaler, C. Christof)

Artikel empfehlen: auf Facebook teilen auf Twitter teilen

 

Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Massimo u.a. (2014)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 3 randomisiert-kontrollierte Studien, 2 klinische kontrollierte Studien und 15 nicht-kontrollierte Studien
Teilnehmer gesamt: 494 Patienten mit chronischem Asthma
Fragestellung: Auswirkung von Höhentherapie auf chronisches, allergisches Asthma
Mögliche Interessenskonflikte: keine angeführt

Massimo T, Blank C, Strasser B, Schobersberger W. Does climate therapy at moderate altitudes improve pulmonary function in asthma patients? A systematic review. Sleep Breath. 2014 Mar;18(1):195-206. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Gaisberger, Sanovic u.a. (2012)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 54 Kinder mit Asthma (Alter 8-15)
Studiendauer: 3 Wochen + 2 Monate Nachuntersuchungen
Fragestellung: Bewirkt der täglich einstündige Aufenthalt in der Nähe eines Wasserfalls über 3 Wochen im Vergleich zum Aufenthalt auf gleicher Seehöhe ohne Wasserfall eine langfristige Besserung von Asthmasymptomen bei Kindern?
Mögliche Interessenskonflikte: Die Paracelsus Medizinsiche Privatuniversität Salzburg ist medizinisch-wissenschaftlicher Partner des Vereins Hohe Tauern Health e.V., die Finanzierung der Studie erfolgte allerdings ausschließlich aus Mitteln der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

Titel: „Effects of Ionized Waterfall Aerosol on Pediatric Allergic Asthma.“ Journal of Asthma (in Druck) 2012.

[3] Blackhall u.a. (2010)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: 6 randomisiert-kontrollierte Studientyp
Teilnehmer: insgesamt 106 Patienten mit chronischem Asthma
Fragestellung: Auswirkung von Luftionisierung auf chronisches Asthma

Titel: „Ionisers for chronic Asthma.“ Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 2. Art. No. CD002986. (Zusammenfassung der Studie)