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Wächst ein Kraut gegen Arthrose?

Schwierige Suche nach wirksamen Heilkräutern bei Arthrose

Schwierige Suche nach wirksamen Heilkräutern bei Arthrose

Schmerzhafter Gelenkverschleiß (Arthrose) ist eine der häufigsten Gelenkserkrankungen bei Erwachsenen. Können pflanzliche Mittel helfen, den Leidensdruck zu lindern?

Frage:Hilft Patienten die an Arthrose leiden die kurzfristige Anwendung unverseifbarer Bestandteile von Avocado-und Soja-Ölen?
Antwort:wahrscheinlich Ja
 
Frage:Helfen Patienten mit Arthrose andere pflanzliche Mittel (mit Ausnahme von Weihrauch) zum Einnehmen?
Antwort:unklar
Erklärung:Insgesamt ist die Wirksamkeit von pflanzlichen Mitteln bei Arthrose wissenschaftlich nicht gut untersucht. Eine Ausnahme sind Weihrauch Präparate sowie möglicherweise Mittel mit unverseifbaren Bestandteilen von Avocado- und Soja-Ölen sein. Eine leichte Besserung scheint zumindest kurzfristig möglich.

Seit tausenden von Jahren werden pflanzliche Heilmittel für größere und kleinere Leiden eingesetzt. „Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügeln sind Apotheken,“ meinte schon der berühmte Arzt Paracelsus im 16.Jahrhundert. Obwohl die medizinischen Möglichkeiten sich seither weiterentwickelt haben, erfreuen sich pflanzliche Mittel nach wie vor großer Beliebtheit.

Ein Beispiel ist Arthrose, eine altersbedingte Gelenksabnützung. Bei dieser Erkrankung erschweren Schmerzen und Bewegungseinschränkungen den Alltag der Betroffenen.

Betroffene müssen damit rechnen, dass sie die Beschwerden ihr Leben lang beeinflussen werden [1] [6]. Dies und die Aussicht, lebenslang Medikamente schlucken zu müssen, kann zermürbend sein. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Patienten nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten suchen. Immer wieder fragen Betroffene bei Medizin-Transparent an, ob bestimmte pflanzliche Mittel bei Arthrose helfen. Die Werbung der Hersteller diverser Präparate klingt auch zu verlockend und nährt die Hoffnung auf eine schmerzfreie, aktive Zukunft ohne lästige Nebenwirkungen.

Nur wenige Kräuter gut erforscht

Meist ist jedoch unklar, inwieweit Arthrose-Patienten tatsächlich von Kräutern profitieren. Trotz der langen Tradition von pflanzlichen Heilmitteln bei Beschwerden infolge Gelenksverschleiß, ist deren Wirksamkeit kaum wissenschaftlich erforscht. Das trifft auch auf die schon seit langer Zeit für diverse Beschwerden eingesetzte Teufelskralle zu. Die Extrakte dieser Pflanze sollen Schmerzen bei Arthrose lindern. Wie Medizin Transparent in einem früheren Artikel berichtete, ist auch dafür eine Wirksamkeit nicht erwiesen.

Nur zu wenigen Kräutern gibt es gut durchgeführte Studien. Beispielsweise können Weihrauchkapseln die Beschwerden geringfügig lindern. Das zeigen bisherige Studien deutlich. Medizin-Transparent hat dazu bereits berichtet, siehe Weihrauch: heilig und heilsam?. Untersucht wurden auch Präparate mit den unverseifbaren Bestandteilen von Avocado-und Soja Ölen. Dabei handelt es sich beispielsweise um pflanzliche Farbstoffe, Vitamine und Sterine. In Studien zeigte sich, dass die derartige Produkte Arthrose-Patienten zumindest kurzfristig das Leben erleichtern kann.. Jedoch beruhen all diese Ergebnisse auf sehr kleinen Studien. Es ist noch viel Forschungsarbeit nötig, um eine Wirksamkeit dieser Mittel endgültig wissenschaftlich beweisen zu können [1] [2] [5].

Nebenwirkungen kaum bekannt

Nachholbedarf in Sachen Forschung gibt es auch zu den möglichen unerwünschten Auswirkungen von pflanzlichen Artrhose-Mitteln. Genauso wie zur Wirksamkeit fehlen auch hier zuverlässige Daten.

Die meisten Konsumenten schlucken pflanzliche Mittel in dem Glauben, dass sie sie harmlos sind und keine Nebenwirkungen haben. Bei einigen Mitteln ist jedoch bekannt, dass sie die Leber oder Nieren schädigen können. Auch eine Wechselwirkung mit anderen eingenommenen Medikamenten ist möglich. Schlecht untersucht ist auch, welche Auswirkungen die pflanzlichen Mittel bei Schwangeren und stillenden Frauen haben könnten [3] [5].
Aus diesen Gründen empfehlen Experten, pflanzliche Mittel nur auf ärztlichen Rat hin anzuwenden [3] [4] [5].

Nicht nur im Alter

Meist leiden Personen über 65 Jahren an den Folgen abgenützter Gelenke. Doch auch Jüngere sind nicht vor Arthrose gefeit. Starkes Übergewicht, schwere körperliche Arbeit oder übermäßige Belastung bei bestimmten Leistungssportarten können schon in jüngeren Jahren zu dieser schmerzhaften Erkrankung führen. Generell sind Frauen stärker als Männer gefährdet, eine Arthrose zu entwickeln [1] [6] [7].

 

Die Studien im Detail

Die Studienlage zur Einnahme von pflanzlichen Mitteln bei Gelenksverschleiß ist bescheiden. Die meisten Studien zu diesem Thema sind methodisch schlecht und lassen keine Rückschlüsse auf eine mögliche Wirksamkeit pflanzlicher Mittel zu.

Die Autoren einer systematischen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014 nahmen Studien zu insgesamt 33 Kräutermittel unter die Lupe. Einzig zu Weihrauch und den unverseifbaren Bestandteilen von Soja- und Avocado-Ölen liefern bisher durchgeführte Studien Hinweise auf einen möglichen Nutzen bei Arthrose. Für 31 weitere pflanzlichen Mittel stellte sich die Qualität der vorhandenen Studien als zu schlecht heraus, um über Wirksamkeit oder Unwirksamkeit urteilen zu können. Kritikpunkte der Autoren sind beispielsweise die zu geringen Teilnehmerzahlen in den untersuchten Studien. Außerdem fehlen in den wissenschaftlichen Arbeiten oft Angaben zu Begleiterkrankungen und zusätzlich eingenommenen Medikamenten. All diese Punkte können zu verzerrten und somit nicht aussagekräftigen Ergebnissen führen.
Nicht ganz so gut belegt ist die leicht schmerzreduzierende und beweglichkeitsverbessernde Wirkung der Soja-Avocado-Mittel [1].

(AutorIn: C. Christof, Review: B. Kerschner)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Cameron u.a. (2014)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Eingeschlossene Studien: 49 randomisiert kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 5980 Patienten mit Arthrose
Fragestellung: Wirkung und Nebenwirkung von pflanzlichen Mitteln bei Arthrose?
Interessenskonflikte: keine bekannt
Oral herbal therapies for treating osteoarthritis. Cameron M, Chrubasik S., Cochrane Database Syst Rev. 2014 May 22;5:CD002947. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] UpToDate (2013)
Richard S Panush, Complementary and alternative remedies for rheumatic disorders, abgerufen am 08.11.2015 unter: www.uptodate.com/contents/complementary-and-alternative-remedies-for-rheumatic-disorders

[3] UpToDate (2014)
Robert B Saper, Overview of herbal medicine and dietary supplements, abgerufen am 08.11.2015 unter: www.uptodate.com/contents/overview-of-herbal-medicine-and-dietary-supplements

[4] UpToDate (2014)
Anne M Larson, Hepatotoxicity due to herbal medications and dietary supplements, abgerufen am 08.11.2015 unter: www.uptodate.com/contents/hepatotoxicity-due-to-herbal-medications-and-dietary-supplements

[5] National Institutes of Health (2014)
National Institutes of Health, National Center for Complementary and Integrative Health, Dietary Supplements for Osteoarthritis, abgerufen am 09.11.2015 unter https://nccih.nih.gov/health/providers/digest/osteoarthritis-supplements-science

[6] UpToDate (2015)
Kenneth C Kalunian, Risk factors for and possible causes of osteoarthritis, abgerufen am 08.11.2015 unter: http://www.uptodate.com/contents/risk-factors-for-and-possible-causes-of-osteoarthritis

[7] Pschyrembel Premium Online (2015)
Pschyrembel Sozialmedizin, Arthrose, abgerufen am 09.11.2015 unter: www.degruyter.com