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Abnehmen mit der Magenpumpe

Hilfe bei hohem Übergewicht?

Hilfe bei hohem Übergewicht?

Bei extremem Übergewicht hilft in einigen Fällen eine Magenverkleinerung. Eine neue Methode verspricht ähnliche Wirksamkeit – in dem nach den Mahlzeiten Nahrung direkt aus dem Magen abgepumpt wird.


 

Frage:Hilft das Aspire-System beim Abnehmen?
Antwort:möglicherweise Ja
Erklärung:Es gibt dazu zwar erst eine kleine Studie, die zeigt jedoch einen sehr großen Effekt – was auf eine Wirksamkeit hindeutet.

Übergewicht ist ein Risikofaktor für viele Erkrankungen, beispielsweise Diabetes Typ 2 oder auch Arthrose. Langfristig sind Ernährungsumstellung und ausreichend Bewegung der sicherste Weg abzunehmen, aber bei starkem Übergewicht ist eine andere Methode wirkungsvoller: Die Magenoperation [2]. Sie ist jedoch auch mit Komplikationen verbunden. Eine Alternative könnte das Aspire-System sein – eine Magensonde, mit der Nahrung direkt aus dem Magen abgepumpt werden kann.

Kalorien auf Pump

Die Idee ist einerseits einleuchtend einfach und andererseits klingt es unappetitlich und erinnert erschreckend an Bulimie (Ess-Brech-Sucht): Aufgenommene Nahrung wird direkt wieder aus dem Magen entfernt. Was bei der Bulimie durch Übergeben passiert, wird beim Aspire-System über eine Magensonde erledigt: 20 Minuten nach einer Mahlzeit werden bis zu 30 Prozent der Nahrung von dem Patienten mit einer Handpumpe direkt aus dem Magen in die Toilette entfernt.

Dafür wird in einem ambulanten Eingriff eine Silikon-Gummi Sonde eingesetzt, die den Magen mit einem Ventil an der Hautoberfläche verbindet. An das Ventil kann eine handgroße Box angeschlossen werden, mit der dann der Inhalt aus dem Magen bei Bedarf abgepumpt wird.

Ob dieses System dann auch zum gewünschten Gewichtsverlust führt, kann derzeit allerdings nicht sicher gesagt werden. Bisher ist nur eine kleine Studie zu finden, die nur wenig Aussagekraft hat. Allerdings weist sie auf eine starke Wirkung hin: Die Studienteilnehmer mit dem Aspire-System haben im ersten Jahr im Durchschnitt 21 Kilogramm abgenommen, die Vergleichsgruppe nur etwa 6 Kilogramm [1].

Nebenwirkungen und psychologische Folgen

Die Magensonde kann jederzeit wieder entfernt werden. Ziel ist, dass mit Umstellen der Essgewohnheiten ein weniger häufiges Ablassen ermöglicht wird und das Gewicht langfristig gehalten werden kann. Da noch nicht einmal die Wirksamkeit klar ist, steht natürlich auch noch nicht fest, wie realistisch dieses Ziel ist. Der Eingriff ist zwar weniger aufwendig als eine Magenoperation, dennoch sind Nebenwirkungen zu erwarten: Schmerzen an der OP-Wunde, Übelkeit und Infektionen wurden bei der Studie beobachtet. Die Forscher haben sich bemüht, auch mögliche psychologische Folgen zu erheben. Ihren Daten zufolge kam es zu keinen Veränderungen des Essverhaltens oder zu anderen, nachteiligen psychologischen Folgen.

 

Die Studien im Detail

In der einzigen auffindbaren randomisierten kontrollierten Studie wurden insgesamt 18 Personen getestet, elf erhielten das Aspire-System und eine Lebensstilberatung, sieben ausschließlich die Lebensstilberatung. Nach einem Jahr waren drei Personen in der Lebensstilinterventionsgruppe ausgefallen, die Gründe dafür konnten nicht eruiert werden. Eine Person in der Aspirationsgruppe hatte sich zwar der Operation unterzogen, jedoch musste die Aspirationssonde auf Grund von Schmerzen wieder entfernt werden.

Die Patienten mit Aspire nahmen im Schnitt im ersten Jahr 21 Kilogramm ab, die Vergleichsgruppe etwa 6 Kilogramm. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und Mängeln in der Auswertung ist die Studie jedoch wenig aussagekräftig. Im zweiten Jahr veränderte sich das Gewicht nur noch geringfügig.[1]

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: A. Kaminski-Hartenthaler)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Sullivan u.a. (2013)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 18
Fragestellung: Führt Aspirationstherapie zu Gewichtsverlust?
Mögliche Interessenskonflikte: Die Mehrzahl der Autoren hat Forschungsgelder des Herstellers bezogen.

Sullivan, S., et al., Aspiration therapy leads to weight loss in obese subjects: a pilot study.Gastroenterology, 2013. 145(6): p. 1245-52 e1-5

[2] Ribaric u.a. (2014)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Anzahl der eingeschlossenen Studien: 5 randomisiert-kontrollierte Studien, 11 Beobachtungsstudien
Anzahl der Teilnehmerinnen insgesamt: 3076
Fragestellung: Vergleich bariatrische Operationen mit konventioneller Therapie
Mögliche Interessenskonflikte: Studie finanziert durch Ethicon Endo-Surgery Europe, GmbH
Ribaric G, Buchwald JN, McGlennon TW. Diabetes and weight in comparative studies of bariatric surgery vs conventional medical therapy: a systematic review and meta-analysis. Obes Surg. 2014 Mar;24(3):437-55.

Weitere wissenschaftliche Quellen

Ärzteinfozentrum über Aspire http://www.ebminfo.at/magensonde-zum-abnehmen